Der diskrete Charme von Papiergold

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
10 min
Artikelbild
 © shutterstock

©shutterstock
  1. home
  2. Finanzen
  3. Investment

Auf bis zu 8.900 US-Dollar könnte der Goldpreis bis zum Ende der Dekade steigen. Mit börsengehandelten Gold-Indexfonds liegen die Gewinne auf dem Depot statt im Tresor. Die besten Goldfonds liefern sogar ein doppelt so hohes Ergebnis wie die Performance von Gold selbst.

Wer zu Weihnachten mit einem Goldarmband oder einer Uhr aus Gold als Geschenk spekuliert, sollte schnell sein. Laut einer Analyse der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) fällt es Luxusgüterherstellen wie LVMH oder Richemont aufgrund des gestiegenen Goldpreises zunehmend schwer, ihre Margen zu halten. HSBC erwartet eine Verteuerung von Golduhren und Goldschmuck im Weihnachtsgeschäft.

Ähnlich wie die britische Großbank erwarten auch heimische Analysten – trotz des Rücksetzers zuletzt – einen weiteren Preisanstieg bei dem Edelmetall: „Wir sind im Bullmarkt, aber noch nicht in einer Bubble“, sagt der Österreicher Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte beim Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum. Er sieht die explosive Goldpreissteigerung seit Jahresbeginn mit bis zu 55 Prozent Zuwachs als ungebremstes Interesse einer breiten Schicht von Investoren. Und trotz der massiven Kursgewinne glaubt Stöferle, dass die fundamentalen Treiber ungebrochen sind. Oder wie das US-Anleger-Magazin „Barron’s“ titelte: „Was könnte die Gold-Rallye stoppen? Nicht viel.“

Blurred image background

Ronald-Peter Stöferle. Der international anerkannte Goldexperte des Liechtensteiner Vermögensverwalters Incrementum schätzt, dass der Goldpreis bis 2030 auf 8.900 US-Dollar klettern könnte.

 © Philoro

Die Nachfrage aus den Schwellenländern und die zunehmende geopolitische Bedeutung von Gold als Absicherung gegen den schwächer werdenden US-Dollar sind starke Anzeichen für die weiterhin positive Entwicklung. Und nicht zuletzt Chinas Hunger nach Gold, um vom US-Dollar unabhängig zu werden. Er ist trotz des gestiegenen Preises nicht gedämpft worden. Die Goldreserven der Volksrepublik werden Monat für Monat durch Zukäufe ausgebaut. Stöferle meint zum langfristigen Ausblick für den Goldpreis daher: „Wir sprechen jetzt durch unser Prognosemodell von einem potenziellen Goldpreis von bis zu 8.900 US-Dollar bis Ende der Dekade.“

Gold-ETCS.

Somit ist Gold nicht nur als Weihnachtsgeschenk, sondern auch als langfristiges Investment durchaus geeignet. Und vor allem zunehmend in Form von Papiergold, also Gold-ETFs, Goldfonds oder Goldminenfonds. Vor allem Gold-Indexfonds rücken zunehmend in den Fokus von Freunden des Edelmetalls.

Dabei sind jedoch einige wesentliche Punkte zu beachten. Zunächst: Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) müssen nach den UCITS-Regeln der EU mehrere Aktien enthalten, um durch eine breite Streuung das Risiko zu verringern. Ein ETF, der nur den Goldpreis nachbildet, entspricht somit nicht den Bestimmungen zum Anlegerschutz der EU. Dennoch gibt es eine Reihe von sogenannten Gold-Indexfonds, sogenannte ETCs (Exchange Traded Commodities), die den Goldbestand physisch halten und somit Anlegern ausreichend Sicherheit bieten. Der Xetra-Gold ETC der Deutschen Börse oder der Euwax Gold der Börse Stuttgart sind die im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreiteten Gold-ETCs.

Ein weiterer, noch wesentlicherer Punkt betrifft die Steuer. Die Gewinne beim Verkauf von physischem Gold sind ja von der Kapitalertragsteuer befreit. Bei Gold-ETCs ist das nur dann der Fall, wenn sie länger als ein Jahr vor dem Verkauf im Depot gehalten werden und wenn für den ETC der Nachweis über die physische Besicherung mit Gold erbracht werden kann. Ist das nicht möglich, fällt beim Verkauf die Kapitalertragsteuer an. Neben den beiden deutschen Gold-ETCs Xetra und Euwax ist eine physische Lieferung auch bei den Gold-ETCs von WisdomTree und HANetf möglich.

Für die physische Lagerung des Goldbestands werden dem ETC-Halter Gebühren verrechnet, die in etwa denen eines üblichen ETFs entsprechen, also rund 0,5 Prozent. Für die Lieferung von Deutschland nach Österreich fallen jedoch höhere Gebühren an: Für einen Ein-Kilogramm-Goldbarren, der aktuell einem Wert von 116.500 Euro entspricht, sind es rund 2.320 Euro, für zehn Ein-Kilo-Barren werden 3.800 Euro verlangt. Nicht unwichtig bei einer Anlieferung des Papiergolds in Barren ist auch die Bereitschaft der Hausbank, das Gold in ihr Depot zu übernehmen. Denn aus Sicherheitsgründen wird das Transportunternehmen die Zustellung an eine private Wohnadresse meist ablehnen.

Goldfonds.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, mit Gold deutlich mehr zu verdienen als nur über den Anstieg des Preises. Experten sprechen von Performance-Gold im Vergleich zu Sicherheits-Gold. Fondsmanager haben hier das Ziel, durch Investments in Goldminen oder auch in andere Edelmetalle wie etwa Silber deutlich mehr als den Kursanstieg von Gold zu erzielen. Gerade Silber ist dabei derzeit eine gute Wahl. Der Preis für das nicht nur für Schmuck, sondern auch für industrielle Zwecke gefragte Silber hat sich in einem Jahr um beinahe zehn Prozent besser entwickelt als Gold. 

Die besten Goldfonds haben mit einer Einjahresperformance von rund 100 Prozent ein fast doppelt so hohes Ergebnis geliefert wie Gold selbst. Sie investieren in den gesamten Goldproduktionskreislauf, etwa in Explorer, also Unternehmen, die nach Goldvorkommen suchen, oder in Developer, Companys, die gerade beginnen, eine Goldmine aufzubauen, und nicht zuletzt in die Produzenten selbst, die Gold fördern und verkaufen.

Die größten Goldproduzenten sind etwa Barrick Mining aus Kanada oder Newmont Mining aus den USA. Ihre Kurse haben sich in einem Jahr um rund 20 Prozent besser entwickelt als der Goldpreis. Denn der gestiegene Goldpreis hat die Gewinnmargen der Produzenten deutlich nach oben getrieben.

Wenn nur ein Teil des Kapitals aus dem überbewerteten Tech-Sektor in Goldaktien fließt, ist das Zündpulver für ein weiteres Kursfeuerwerk.

Andreas BögerErste Stock Gold
Blurred image background

Erste Stock Gold. Andreas Böger (v.) und Daniel Feix (M.) managen für die Erste Asset Management Gesellschaft einen Goldfonds, der zu den besten im Sektor zählt.

Gold in rot-weiß-rot.

Der Erste Stock Gold, ein von Andreas Böger und Daniel Feix für die Erste Asset Management Gesellschaft gestionierter Fonds, spielt im Konzert der Top-Goldfonds derzeit ganz vorne mit. Seine Performance über ein Jahr liegt bei 95 Prozent und ist damit von den 102 Prozent des Sektorleaders Earth Gold Fund nicht weit entfernt. Und mit dem VanEck-Junior-Gold-Miners-Fonds, der eine Jahresperformance von 97 Prozent aufweist, liegt er praktisch gleichauf. 

Die Experten des Erste Stock Gold suchen gezielt mittelgroße Goldunternehmen und meiden die Schwergewichte der Branche. Fondsmanager Böger: „Unser Fokus liegt auf mittelgroßen Goldproduzenten. Ergänzt wird das Portfolio durch die Beimischung von Developern und Explorern. Hier ist das Risiko etwas größer, dafür gibt es aber auch überproportionale Gewinnchancen.“

Zu den Top-Holdings des Fonds zählt etwa Kinross Gold. Die Aktie des kanadischen Minenbetreibers ist in einem Jahr um 175 Prozent gestiegen. Oder Anglo-Gold Ashanti mit einem Kurszuwachs von 170 Prozent in zwölf Monaten.

Natürlich sind Goldminenaktien bei fallenden Goldkursen auch mit Risiko behaftet. Danach sieht es aber in den nächsten Jahren nicht aus. Fondsmanager Böger rechnet als erfahrener Fondsmanager, der schon mehrere Zyklen erlebt hat, eher mit einem weiteren Schub: „Wenn nur ein Teil aus dem überbewerteten Tech-Sektor in Goldaktien fließt, ist das Zündpulver für ein weiteres Kursfeuerwerk.“

Papiergold vom Feinsten.

trend.Invest
Logo