EU-Richtlinie schafft neue Hürden für Wohnbaukredite

EU-Richtlinie schafft neue Hürden für Wohnbaukredite

Kreditnehmer müssen nun eine strengere Prüfung der Bank über sich ergehen lassen: Unter anderem wird analysiert, wie sich eine Erhöhung der Zinsen auf die Kreditwürdigkeit auswirkt. Das betrifft vor allem Häuslbauer, aber auch die heimischen KMU, die für 2016 ein tristes Bild ihrer Finanzierungsoptionen zeichnen.

Eigentlich ist es Zielsetzung der Europäischen Zentralbank (EZB), durch den niedrigen Leitzins und die QE-Geldschwemme die europäische Wirtschaft zu entfesseln. Zugleich tritt aber ab 21.3. eine EU-Richtlinie in Kraft, laut der Banken verpflichtet sind, die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden genauer zu prüfen - vor allem private Häuslbauer, die einen Wohnbaukredit beantragen, sind davon betroffen.

Ab sofort muss im Rahmen des Kreditvergabegesprächs ein Beratungsprotokoll erstellt werden, dass anschließend von dem Kunden und dem Bankbetreuer unterschrieben wird. Dabei wird unter anderem die Haushaltsrechnung unter die Lupe genommen und die Auswirkung künftiger Zinsentwicklung analysiert - es geht also um die Frage, ob der Kreditnehmer den Kredit auch noch zurückzahlen kann, wenn die Zinsen steigen. "Die EU-Richtlinie soll sicherstellen, dass sich der Kunde den Kredit auch leisten kann", sagt dazu Charlotte Harrer, Pressesprecherin der Bausparkasse der Österreichischen Sparkassen, im Gespräch mit dem Ö1-Morgenjournal. Ihr Institut berechnet, ob sich der Kunde den Kredit auch noch bei sechs Prozent Zinsen leisten kann - zu einer derartigen Berechnung seien nun alle Banken verpflichtet, allerdings rechnen sie unterschiedlichen Zinssätzen.

Wohnbaukredite: Rückgrat des Kreditgeschäfts

Bisher haben Häuslbauer von dem Niedrigzins profitiert: Während der Krise und auch im Jahr 2015 waren Wohnbaukredite laut der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) jenes Element, welches das Kreditwachstum in Österreich gestützt hat. Knapp 65 Prozent aller Kredite privater Haushalte waren 2015 Wohnbaukredite, insgesamt sprang das Wachstum an private Haushalte in Österreich Ende 2015 auf 2,1 Prozent - das ist der höchste Wert seit 2011. Die Zinsen für einen Wohnbaukredit waren laut OeNB Ende 2015 mit durchschnittlich 2,01 Prozent so niedrig wie nie zuvor.

Auch Kleinunternehmen betroffen

Zugleich hieß es von der OeNB Anfang März, dass das Wachstum bei Unternehmenskrediten 2015 abflaute und im Dezember vergangenen Jahres nur noch bei 0,6 Prozent lag. Auch die Finanzierung über Anleiheemissionen entwickelte sich im Jahr 2015 sehr mäßig, heißt es von der OeNB.

Das deckt sich mit der Einschätzung von Bonitätsexperten, die obendrein ein tristes Bild für 2016 zeichnen: Einer Umfrage des KSV1870 von Mitte März zufolge berichten derzeit zwei Drittel der Unternehmen, dass bei der Kreditvergabe vermehrt Sicherheiten verlangt werden. 39 Prozent erhalten Absagen bei Krediten, die früher bewilligt worden wären. Nun geben 63 Prozent an, dass sie 2016 keinen Kredit mehr beantragen wollen. Die Einschätzung ist umso trüber, je kleiner das Unternehmen ist: Bei den Kleinstunternehmen sagen 65 Prozent, dass man für eine Kreditaufnahme gute Nerven braucht; die Großen tun sich etwas leichter, aber immerhin noch 41 Prozent bezeichnen ein solches Vorhaben als sehr schwierig, beziehungsweise schwierig. Durch die strengere Prüfung, die auch für KMU gilt, wird sich der Kreis der Kreditnehmer nun wohl noch weiter verkleinern.

"Die Vorschriften für Unternehmensfinanzierung sind angelegt auf Betriebe, die ab einer bestimmten Größe agieren", sagt dazu Gerhard Wagner, Prokurist der KSV1870 Information GmbH, im Gespräch mit Ö1. Ein Konzern hat verschiedene Möglichkeiten, sich Kapital zu verschaffen - ein kleiner Konditor agiert hingegen regional und ist in seinen Finanzierungsmöglichkeiten eingeschränkt. Der Bonitätsexperte wünscht sich daher "eine Liquiditätsstützung für Unternehmen, die auch dort ankommt."

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