Zahlungsmoral steigt trotz Corona-Krise merklich

Sowohl Firmen als auch Private haben bereits wieder eine hohe Zahlungsmoral. Nur der Bund lässt sich trotz Verbesserungen nach wie vor Zeit. In welchen Bundesländern Firmen den Aufschwung am deutlichsten spüren und wie viele Unternehmen eigentlich auch ohne staatliche Coronahilfe ausgekommen wären.

Zahlungsmoral steigt trotz Corona-Krise merklich

Die Zahlungsmoral steigt wieder. Der Bund lässt sich am längsten bitten.

Österreichs Wirtschaft befindet sich laut aktueller KSV1870 Umfrage auf Vor-Krisen-Niveau. Erstmals seit Ausbruch der Covid-19-Krise beurteilen zwei Drittel der befragten Unternehmer die eigene Geschäftslage mit sehr gut bzw. gut – ein Plus von 20 % gegenüber dem Frühjahr 2021 und eine leichte Steigerung (+ 2%) im Vergleich zum März 2020. Zudem hat sich die heimische Zahlungsmoral während der vergangenen 12 Monate ein weiteres Mal verbessert, obwohl sich diese ohnehin bereits seit Jahren auf hohem Niveau befindet. Einzig der Bund tanzt dabei aus der Reihe und benötigt mit einer Zahlungsdauer von 33 Tagen länger als die gesetzliche Norm (30 Tage) vorgibt.

„Österreichs Wirtschaft hat den Wirtschafts-Boost wie einen Bissen Brot benötigt, und der scheint jetzt ins Rollen gekommen zu sein. Trotzdem befinden wir uns nach wie vor in einer äußerst fragilen Situation, auch wenn die Zeichen im Moment klar auf Aufschwung stehen. Es benötigt weiterhin einen gemeinschaftlichen Kraftakt, damit sich der sprichwörtlich seidene Faden zu einem widerstandsfähigen Seil entwickeln kann“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.

Vorarlberger und Salzburger Firmen spüren Aufschwung am deutlichsten
Neben der zunehmend positiven Einschätzung der Geschäftslage, spüren bereits drei von vier Betrieben den wirtschaftlichen Aufschwung im Tagesgeschäft. Hier liegen Vorarlberg (79%), Salzburg (73%) und Tirol (72%) auf den ersten Plätzen, Allerdings nur ein Drittel erkennt dabei eine sehr bzw. eher starke Entwicklung: „Hier gibt es definitiv noch Luft nach oben, ein Anfang ist jedoch jedenfalls geschafft“, so Vybiral. Darüber hinaus sind laut Umfrage 63 % davon überzeugt, das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn abzuschließen – weitere 20 % sprechen immerhin von einer „Schwarzen Null“.

Rund die Hälfte der Firmen haben Staatshilfe in Anspruch genommen
Wie der aktuelle Austrian Business Check belegt, vertrauen 54 % der österreichischen Unternehmen auf die wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen der Regierung, um die Pandemie zu meistern – vielfach auch, wenn aus finanziellen Blickwinkeln gar keine Dringlichkeit besteht.

Jedes dritte Unternehmen hatte wirtschaftliche Hilfe nicht nötig
„Retrospektiv lässt sich bilanzieren, dass jedes dritte Unternehmen, das wirtschaftliche Hilfe in Anspruch genommen hat, auf die staatliche Finanzspritze verzichten könnte und trotzdem ‚Überleben‘ würde“, so Vybiral. Entstanden sind diese „Mitnahmeeffekte“ in erster Linie in den Anfangsmonaten der Pandemie, als hinter dem unternehmerischen Überleben aufgrund der Einschränkungen vielerorts ein dickes Fragezeichen stand. Den größten Bedarf an staatlichen Finanzierungshilfen gab es mit 75 % in Salzburg, während sich alle anderen Bundesländer rund um die 50%-Marke bewegen.

Zahlungsmoral hat sich verbessert
Quer über alle Branchen hinweg wird jede siebente Rechnung in Österreich zu spät bezahlt. Damit hat sich das heimische Zahlungsverhalten gegenüber dem Vorjahr weiter verbessert. Während zuletzt 77 % der offenen Forderungen pünktlich beglichen wurden, sind es heuer bereits 87 Prozent: „Die Corona-Krise hat der Zahlungsmoral damit nochmals einen Schub verliehen, obwohl diese bereits seit Jahren auch im internationalen Vergleich top ist“, erklärt Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH. Auffallend ist dabei, dass sowohl Firmen- (Zahlungsdauer von 24 Tagen) wie auch Privatkunden (13 Tage) ihr hohes Niveau trotz coronabedingt instabiler Wirtschaftslage halten konnten.

Bund verstößt bei Zahlungsdauer weiterhin gegen EU-Richtlinie
Etwas zwiespältig fällt die Bilanz für die Öffentliche Hand aus. Zwar ist es den Bundesbehörden einerseits gelungen, in punkto Zahlungsdauer mehrere Schritte vorwärts zu machen und sich gegenüber dem Jahr 2020 gleich um 16 Tage zu verbessern, andererseits war dies angesichts des verheerenden Vorjahresergebnisses auch zwingend notwendig, so der KSV1870 in einer Aussendung. Nach einer Zahlungsdauer von zuletzt 49 Tagen bezahlt der Staat nun im Schnitt innerhalb von 33 Tagen. „Ausgerechnet der Bund zahlt als einzige ‚Gruppe‘ außerhalb des gesetzlich festgelegten Zahlungsziels von 30 Tagen und verstößt damit gegen die eigenen Gesetze“, so Koch. Parallel dazu haben sich die Länder um 7 Tage auf eine Zahlungsdauer von 29 Tagen verbessert, die Gemeinden bezahlen im Schnitt österreichweit innerhalb von 25 Tagen (minus 4 Tage gegenüber dem Vorjahr).

Ineffizienz Hauptursache bei verspäteter Zahlung von Firmen
Während bei den Firmenkunden die Ineffizienz in der Verwaltung (49%) als Hauptursache Nummer eins für verspätete Zahlungen gesehen wird, ist es bei den Privaten die Vergesslichkeit (51%).

Nutzt Bund Machtposition beim Zahlen aus?
Gleichzeitig wird der Öffentlichen Hand angekreidet, ihre Machtposition bewusst auszunützen (46%) und sich mit der Bezahlung offener Rechnungen länger Zeit zu lassen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Faktor sogar noch weiter gestiegen. Einigkeit herrscht hingegen beim Aspekt Covid-19-Folgen als Ursache für verspätete Forderungsbegleichung: „Die Pandemie wird immer seltener als Grund für die zu späte Bezahlung von Rechnungen gesehen. Es scheint so, als würden sich strukturelle und administrative Veränderungen, die im Arbeitsalltag aufgrund der Corona-Krise Einzug gehalten haben, mittlerweile eingespielt haben und interne Prozesse kaum beeinflussen“, erklärt Koch. Im Hinblick auf das Jahr 2022 geht die überwiegende Mehrheit (63%) der Befragten davon aus, dass das hohe Zahlungsmoral-Niveau gehalten werden kann – ein Fünftel erwartet eine Verschlechterung.


Zwei Drittel der Firmen müssen ihrem Geld nachlaufen
Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich bei der Forderungsbetreibung wenig verändert. Zwei Drittel der Unternehmen müssen weiterhin offenen Rechnungen nachlaufen – bei 48 % der Betriebe trifft dies auf bis zu 5 % der Forderungen zu. Insofern überrascht es wenig, dass die überwiegende Mehrheit (84 %) von Österreichs Unternehmen keine Anpassungen in ihrem Forderungsmanagement vorgenommen haben. Während 5 % der Betriebe ihre Inkassotätigkeit sogar zurückgeschraubt haben, wurde diese von 8 % weiter intensiviert – hier setzt man vor allem auf Vorauskasse, mehr direkten Kontakt, die Senkung des Kreditlimits oder spezielle Raten- und Stundungsprogramme.

Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Marketagent zwei Mal pro Jahr Unternehmen in Österreich zu aktuellen Themen. An der Umfrage im August 2021 haben rund 1.100 heimische Betriebe teilgenommen.

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