Wiener Schmucklabel Pierre Lang erneut pleite

Wiener Schmucklabel Pierre Lang erneut pleite

Das Wiener Modeschmucklabel Piere Lang und das dazu gehörende Schmuckunternehmen Hans Andersen sind erneut pleite. Nach einer Sanierung und massivem Schuldennachlass will sich das Schmuckunternehmen einen neuen Schliff geben und abermals durchstarten. Die Umsätze sind im Herbst 2018 massiv eingebrochen.

Der Glanz des Wiener Modeschmucklabels Pierre Lang sowie des Schmuckherstellers Hans Andersen G.m.b.H ist verblasst. Das Weihnachtsgeschäft hat den beiden Wiener Schmuckunternehmen, die wirtschaftlich aufgrund von gegenseitigen Beteiligung eine Einheit sind, den Garaus gemacht. Die "Pierre Lang" Europe Handelsges.m.b.H. und Hans Andersen Ges.m.b.H. sind pleite. Die Umsätze seien in den sonst umsatzstarken Monaten Oktober und November im Jahr 2018 seien "unerwartet" eingebrochen.

Laut Internetseite ist die Unternehmensgruppe SMB und Partner mit Hieronymus Graf Metternich der Eigentümer von Piere Lang Europe. "Gemeinsam mit seiner Gattin Gräfin Metternich engagiert sich Graf Metternich persönlich im Unternehmen", heißt es. "Gräfin Metternich bereichert Pierre Lang als Creative Director mit ihrer Leidenschaft für Schmuck, Motivation sowie ihrer Kreativität und ihren Style Inspirationen", so die Ausführungen auf der Internetseite. Im Firmenbuch ist die PL Holding GmbH aus München als Eigentümer eingetragen.

Nach einer nun beim Insolvenzgericht beantragten Entschuldung sollen beide Unternehmen weiterfunkeln. Es wurde beim Insolvenzgericht ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt.

Millionenschulden

Das Label Pierre Lang hat Schulden in Höhe von 6,5 Millionen Euro angehäuft. Sollte das Unternehmen liquidiert werden, würden 8,3 Millionen Euro Passiva schlagend werden. Weitere 2,4 Millionen Euro Schulden seien durch Ab- und Aussonderungsrechte besichert. Bei Hans Andersen Ges.m.b.H. sind Schulden von 8,9 Millionen Euro angeschrieben. Sollte das Unternehmen liquidiert werden, würden 13,8 Millionen Euro Schulden schlagend werden. Weitere 400.000 Euro sind durch Ab- und Aussonderungsrechte besichert.

Beiden Unternehmen bringen es laut KSV1870 somit auf insgesamt 15,4 Millionen Euro Schulden, insgesamt 246 Dienstnehmer sind betroffen, 71 davon bei Pierre Lang. Auf Gläubigerseite gibt es derzeit Forderungen von 41 Unternehmen.

Die beiden Pleitefirmen wollen den unbesicherten Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent anbieten. Die Restschulden sollen binnen zwei Jahren ab Annahme der Sanierungsplans beglichen werden - so der Plan der Schuldner.

Der KSV hat angekündigt, dass er die angebotene Quote prüfen wird, handelt es sich hier lediglich um das Mindestangebot, das vom Schuldner angeboten wurde. Der KSV rechnet mit einer raschen Verfahrenseröffnung beider Verfahren.

Modeschmuck mit Direktvertrieb

Die Pierre Lang Unternehmensgruppe zählt bisher zu den größeren Modeschmuckherstellern Europas. Der Schmuck wurde bisher im Direktvertrieb und im Multilevel-Vertrieb verkauft. Rund 6.000 freiberufliche Schmuckberaterinen haben zudem für den Vertrieb gesorgt.

Das Unternehmen wurde im Jahr 1961 von den Brüdern Hans & Peter Andersen als Wiener Handwerksbetrieb für exklusiven Modeschmuck gegründet. Im Jahr 1984 kreierte die Familie Andersen die Marke Pierre Lang und begann mit dem Aufbau eines eigenen Vertriebssystems über Direktvertrieb.

In den Jahren 1987 bis 1994 expandierte die Unternehmensgruppe nach Deutschland, Schweiz, Italien, England, Luxemburg und Frankreich. Seit 2013 expandierte die Unternehmensgruppe auch nach Polen und Tschechien.

Pleite 2.0

Es ist nicht die erste Pleite, die beide Unternehmen nun hinlegen. Bereits im Jahre 2012 wurde Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen wurde in einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung bereits fortgeführt. Die Schuldenrückzahlung wurde damals zur Gänze erfüllt.

Die Pleiteursachen waren 2012 ähnlich den jetzigen: auch damals hatte die damals noch drei zur Gruppe zählenden Unternehmen massive Umsatzrückgänge zu verzeichnen und mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Angehäufte Schulden in der Höhe von 45 Millionen Euro führten zum vorübergehenden Kollaps. 850 Gläubiger waren betroffen. Damals wurde ebenso eine Schuldenrückzahlung in der Höhe von 20 Prozent angeboten.

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