Weniger Firmeninsolvenzen, aber mehr Privatkonkurse im Jahr 2018

Weniger Firmeninsolvenzen, aber mehr Privatkonkurse im Jahr 2018

Der Kreditschutzverband KSV 1870 präsentierte in Linz endgültige Daten zu den Insolvenzen des Jahres 2018. Für 2019 rechnet der Gläubigerschutzverband trotz derzeitiger Risiken nicht mit einem markanten Anstieg der Firmenpleiten.

Linz (APA) - Der Kreditschutzverband 1870 hat am Freitag seine endgültige Insolvenzbilanz für das vergangene Jahr bekannt gegeben. Diese unterscheidet sich kaum von den Mitte Dezember verkündeten vorläufigen Zahlen. Am besten steht laut der KSV-Statistik Oberösterreich als führendes Exportbundesland da.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist von 2017 auf 2018 österreichweit um 1,9 Prozent auf 4.980 zurückgegangen. Knapp 3.000 wurden tatsächlich eröffnet. Die gute Konjunktur und das niedrige Zinsniveau macht die Linzer Leiterin der Insolvenzabteilung des KSV 1870, Petra Wögerbauer, dafür verantwortlich.

Die Anzahl der angemeldeten Unternehmensinsolvenzen im Industriebundesland Oberösterreich ging im abgelaufenen Jahr im Vergleich zu 2017 um 8,8 Prozent auf 560 zurück. 336 Insolvenzverfahren wurden tatsächlich eröffnet. Die Höhe der Verbindlichkeiten betrug nicht einmal die Hälfte - statt 576 Mio. Euro waren es 2018 nur 261 Mio. Euro. Demnach waren es vor allem klein- und mittelständische Betriebe in Oberösterreich die Konkurs anmelden mussten, erklärte Wögerbauer gemeinsam mit dem KSV-Leiter der Region Nord, Roland Führer, bei einer Pressekonferenz in Linz.

Bundesweit wurden zwar 2018 auch weniger Insolvenzen angemeldet (4.980 statt 5.079 im Jahr 2017), allerdings stiegen die Passiva um 11,2 Prozent auf knapp 2,1 Mrd. Euro. Trotz Brexit und der unberechenbaren Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump rechnet der KSV heuer nicht mit einem markanten Anstieg der Anzahl von Firmenpleiten.

Über 10.000 Privatpleitiers

Ganz anders die Situation bei den Privatinsolvenzen: Erstmals wurde hier 2018 die Marke von 10.000 überschritten. Die Passiva der 10.054 Privatkonkurse betrugen insgesamt fast 1,9 Mrd. Euro, was einer Erhöhung des Gesamtschuldenstands im Gegensatz zu 2017 von 93,1 Prozent entspricht.

Der Grund für die heurige Pleitewelle bei den Privatpersonen ist laut KSV kaum verwunderlich. Laut KSV-Managerin Wögerbauer sei vor allem in dem im November 2017 in Kraft getretenen Insolvenzrechtsänderungsgesetz (IRÄG 2017) die Hauptursache. Die Novelle ermögliche Privatpersonen eine schnellere und leichtere Entschuldung, da die verpflichtende Mindestquote von 10 Prozent sowie die Entschuldungsdauer von sieben Jahren gekippt wurden.

Vor allem einstige Selbstständige mit hohen Verbindlichkeiten - ihr Anteil bei den Privatkonkursen betrug im Vorjahr 30 Prozent - hätten auf die Gesetzesnovelle gewartet.


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