Verschleppte Pleiten: Gläubiger drohen leer auszugehen

Seit März gehen Insolvenzen stark zurück, die Verschuldung der Unternehmen dagegen steigt seither erheblich. Der Kreditschutzverband von 1870 warnt nun eindringlich vor Insolvenzverschleppung. Welche Entwicklung die Kreditschützer für 2021 prognostizieren und was Gläubiger befürchten müssen.

Verschleppte Pleiten: Gläubiger drohen leer auszugehen

Die Analyse der Unternehmensinsolvenzen zeigt nach einem weiteren Quartal post Corona-Shutdown ein klares Bild: Durch Verschleppung der Insolvenzen kam es in den ersten drei Quartalen zu einem massiven Rückgang der Insolvenzen. Die Passiva hingegen sind um über 100 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro gestiegen. Die daraus resultierende Konsequenz ist eine Wettbewerbsverzerrung, deren Ausmaß weiterhin nicht greifbar im Dunklen liegt, so der Kreditschutzverband (KSV) von 1870. Die größte Gefahr dabei sei, dass gerade auch gesunde Firmen ins Verderben mit hineingezogen werden.

32 Prozent weniger Pleiten seit Jahresbeginn
Waren es 2019 noch 3.808 Insolvenzen, vermelden die ersten drei Quartale 2020 nur noch 2.583 Unternehmenspleiten. Dies ist ein Rückgang von 32,2 Prozent. Wird dieser Trend fortgeführt, bedeutet das auf das Jahr 2020 hochgerechnet ein Minus von rund 46 Prozent und damit rund 1.300 Insolvenzen weniger als 2019. Dass diese Zahlen der Beweis für eine unberechenbare Ausnahmesituation ist, sieht man besonders an den betroffenen Dienstnehmern. Obwohl es 2019 bedeutend mehr Insolvenzen gab (mit 12.200 betroffenen Dienstnehmern), haben 2020 rund 13.700 Dienstnehmer auf Grund einer Insolvenz ihre Arbeit verloren. „Die Situation am Arbeitsmarkt zeigt uns deutlich, dass die heimische Wirtschaft vor einer strukturellen Herausforderung steht, die es in den Griff zu bekommen gilt. Der erster Schritt sollte hier die Rückkehr zu dem bewährten österreichischen Insolvenzwesen sein“ so Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz des Kreditschutzverband von 1870.

Die Zahl der Insolvenzen 2020 liegt bisher Monat für Monat weit unter jenen des Vorjahres.


2021: Große Zahl an Insolvenzen erwartet - Null-Quoten für Gläubiger drohen
Durch eine anhaltende Verschleppung wird es 2021 zu massiven Insolvenzen kommen. Die aktuelle Situation zeigt laut KSV1870 schon jetzt, dass es sich dann aber um viele nicht sanierungsfähige Firmen handeln wird. Dies hat zur Konsequenz, dass sich Gläubiger nächstes Jahr vermehrt mit Null-Quoten konfrontiert sehen werden.
„Der KSV1870 appelliert an all jene Unternehmer, deren Firmen aktuell in Schieflage sind, sich frühzeitig für eine Insolvenzanmeldung zu entscheiden. Damit wird die Chance auf eine Sanierung und somit für einen gesunden Neustart gewahrt“ so Götze abschließend.

Das aktive Forderungsmanagment gehört zu den Pflichten eines jeden Unternehmens.

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