Mit Bio verpackungsfrei in die Pleite: holis im Konkurs

Mit Bio verpackungsfrei in die Pleite: holis im Konkurs

holis-Gründer Franz Seher hatte eine ganzheitliche, verpackungsfreie große Vision - nur die Produktionsfaktoren stimmten nicht.

Der Linzer Supermarkt holis war angetreten, Bio-Lebensmittel ohne Verpackung an den Kunden zu bringen. Sogar von Franchising war die Rede. Selbst die Fürsprache und Teilhabe prominenter Unternehmer hat nichts genutzt. Nach elf Monaten geht's nun zum Konkursrichter. Die Geschäftsführung liefert selbst quasi ganzheitliche Gründe fürs Scheitern.

"Mix Dir dein eigenes Müsli in der holis-Müslistreet" war eine der Werbebotschaften des Linzer Supermarktes "holis", der mit einem anderen Konzept versucht hatte, Biokost, Pasta, Gemüse, Veganes, Obst, Tee, Öle, Schokolade, Müsli und Getreideprodukte an den gesundheitsbewußten Mann und die Frau zu bringen. Der Kick dabei: "Verpackungslos einkaufen", on- und offline, also im Geschäft in der Linzer Innenstadt oder ganz dem Zeitgeist entsprechend mit Order via Internet.

In Oberösterreich, so die Werbebotschaft, war holis der erste verpackungsfreie Supermarkt, der sich nach Eigendefinition zudem auf den Verkauf von "biologischen und gesunden Lebensmittel" fokussiert hatte. Die Kunden sollten die Verpackungen für ihre Einkäufe in Form von Mehrweg-Gläsern oder Dosen selbst mitbringen. Außerdem wurde eine Ernährungsberatung versprochen. Das Konzept sollte in weiterer Folge auch als Franchise à la McDonald's verbreitet werden.

"Holistisch", also ein gesamtheitliches Konzept für einen Supermarkt versprach der holis-Gründer und Mehrheitseigentümer Franz Seher, was auch die Vorlage für die Namensgebung war.

Chocolatier Josef Zotter hatte geschwärmt: "Wahnsinn, das ist so eine tolles Konzept, das unterstütze ich gerne mit meinem Wissen und meiner Erfahrung." Der Vorzeigeunternehmer für gesunde Ernährung und Gründer von Sonnentor, Johannes Gutmann, outete sich als holis-Fan: "Bei Sonnentor wächst die Freude und holis soll mit wachsen..." Doch trotz der prominenten Anschubhilfe kommt nun das Aus.

Die geschäftliche Ganzheitlichkeit hat nur elf Monate gehalten und nun offenbar gröbere Mängel aufgeworfen, denn holis ist pleite: 315.000 Euro Passiva hat das Unternehmen angeschrieben, 200.000 Euro stehen als Vermögen den Schulden gegenüber. Gründer und holis-Chef Franz Seher (58,5 Prozent der holis-anteile), Gerald Ninaus (31,5 Prozent) sowie die Zotter Holding GmbH & Co KG des Schokoladenherstellers Josef Zotter (10 Prozent) sind die Gesellschafter des ganzheitlichen Supermarktes.

65 Gläubiger, darunter 2 Dienstnehmer, haben Forderungen gegen holis, teilte der KSV 1870 mit. Am Freitag hat holis beim Landgericht in Linz den Konkurs angemeldet. holis soll so schnell wie möglich geschlossen und abgewickelt werden. Die Geschäftsausstattung und Lagebestände sollen nun so rasch wie möglich versilbert werden.

Das Problem mit den Produktionsfaktoren

Dass ein Konzept, prominente Fürsprecher und große PR alleine nicht Garant und nachhaltig genug für einen ganzheitliches Geschäft sind, zeigen die Gründe für die Pleite auf. Anleihen an die Theorie - "Wie gründe ich ein Unternehmen?" - was den Standort, Produktionsbedingungen und Mitarbeiter anbetrifft, dürften zumindest teilweise ignoriert worden sein.

Als Hauptursache der Zahlungsunfähigkeit liefert die holis-Geschäftsführung genau die Gründe, wie man ein Start-up nicht auf die Beine stellt: Der Standort soll geographisch für einen Lebensmittelhändler nicht optimal gewesen sein. Auch soll sich die Örtlichkeit aufgrund nicht ausreichender Kühlmöglichkeiten als unpassend erwiesen haben.

Und auch bei den Mitarbeitern hat es offenbar ein Problem gegeben. Laut Geschäftsführung sei es schwer gewesen, "geeignete Mitarbeiter" zu finden, wie in einer Mitteilung des KSV die Gründe fürs Scheitern beschrieben werden. Das Werben im studentischen Umfeld dürft nicht so erfolgreich gewesen sein. Hatte holis via Homepage bis zuletzt Bio-affine Mitarbeiter gesucht: "Wir arbeiten sehr gerne mit Student*innen und Schüler*innen zusammen, z.B. im Rahmen eines Praktikums, einer Bachelor- oder Master-Thesis." Langfristig fix angestellte Mitarbeiter, für die auch Sozialabgaben zu entrichten sind, waren offenbar nicht einkalkuliert.

So blieb das Geschäftsmodell genau das, was es nicht sein soll: ein ambitioniertes Projekt. Kaufmännisch betrachtet hieß das schlussendlich: Zu geringe Einnahmen, um die hohen Kosten zu decken. Und Stopptaste drücken.


Mehr Informationen zu Insolvenzen und Beratungen für Gläubiger finden Sie auf der Webseite des KSV1870.

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