Ueberreuter Print & Packaging will trotz Pleite weitermachen

Ueberreuter Print & Packaging will trotz Pleite weitermachen

Das Motto für die Zukunft hat sich die insolvente Ueberreuter-Druckerei via Internet schon selbst vorgelegt.

Österreichs größte Offset-Druckerei Ueberreuter Print & Packaging GmbH musste am Freitag zum Insolvenzrichter. Das Traditionsunternehmen hat trotz mehrfacher Geldspritzen der Salzer-Eigentümerfamilie die Wende nicht geschafft. Und schreibt fast fünf Millionen Euro Schulden an. Die Eigentümer wollen nach der Entschuldung neu durchstarten.

Korneuburg. Das Unternehmen datiert zurück bis ins 16. Jahrhundert. Österreichs noch ältester Druckereibetrieb steht aber am Abgrund. Am Freitag musste der Gang zum Insolvenzgericht angetreten werden. 4,8 Millionen Euro Schulden hat Österreichs größte Offset-Druckerei angeschrieben. 79 Dienstnehmer und rund 220 Gläubiger sind von der Pleite betroffen, die laut Gläubigerschutzvertreter KSV1870 die größte Pleite des Landes Niederösterreich im Jahr 2017 ist.

Der zunehmende Kostendruck, ein schweres Marktumfeld und daraus sinkende Umsatzrückgänge werden als Gründe für die Insolvenz genannt. Es soll nun ein Sanierungsplan aufgestellt werden, um das Unternehmen fortzuführen und vor dem Aus zu retten. Teil des Plans ist die Schließung unrentabler Teile des Unternehmens, wie das Unternehmen mitgeteilt hat. Das Sanierungsverfahren betrifft auch die Marken "Die Stadtdrucker" und "Stiepan" der Ueberreuter Print & Packaging GmbH.

Die Druckerei Ueberreuter zählt zu den größten Bogenoffsetbetrieben in Österreich. Am Standort Korneuburg werden u.a. Kundenmagazine, Periodika, Produktkataloge, Sicherheitsdrucke und Werbedrucksorten sowie Etiketten, Faltschachteln und Zuschnitte produziert. Darüber hinaus ist man u.a. auf Veredelungstechniken wie UV-Lackierung, Spot-Lackierung und Heißfolienprägung spezialisiert.

Der Betrieb des Druckunternehmens soll vorläufig uneingeschränkt fortgesetzt werden mit dem Ziel, den Großteil des Unternehmens und der Arbeitsplätze zu erhalten. Den Gläubigern soll eine 20-Prozent-Quote angeboten werden.

Die Sozialpartner wurden vor dem Insolvenzantrag benachrichtigt. Es seien bereits weitgehende Vorbereitungen zur möglichst raschen Antragstellung auf Zuerkennung von Insolvenz-Entgelt für die im Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung rückständigen Löhne/Gehälter (inklusive Urlaubsgeld) getätigt worden, wie das Unternehmen mitgeteilt hat.

Die Sanierung nach dem Strategiewechsel

Nun hat der Masseverwalter das Wort. Er wird die Sanierungsvorschläge prüfen. Bis zuletzt hatten die Eigentümer versucht mit einer Strategieänderung in Richtung Spezialanfertigungen nebst Optimierung und Kostensenkung den Turnaround zu schaffen. Die Cousins Matthäus und Max Salzer, die über ihre eigenen Unternehmen MaSe Beratungs GmbH und Max Salzer Beratung GmbH die Anteile der Üeberreuter Print & Packaging GmbH halten, haben Geld nachgeschossen und versucht den Betrieb des Unternehmens aufrecht zu erhalten.

Schlussendlich hat es nicht gereicht. Nach der Konsultierung von auf Sanierung spezialisierten Beratern war der Schritt in die Insolvenz mit einer darauf aufbauenden Sanierung unausweichlich. "Nach eingehender Prüfung kam man zu dem gemeinsamen Schluss, dass dieser Schritt für eine nachhaltige Sanierung des Unternehmens unausweichlich ist", hieß es in der Aussendung der Geschäftsführer Matthäus und Maximilian Salzer.

Die größte Offset-Druckerei in Österreich ist seit dem Jahr 1856 im Besitz der Familie Salzer. Die Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1548.

Verlage in Topform

Nicht zu verwechseln ist die Druckerei mit den Ueberreuter-Verlagen. Der Carl Ueberreuter Verlag und dem Verlag Ueberreuter Kinder- und Jugendbuch geht es hingegen gut. Beide Verlage wurden im Jahr 2014 von Georg Glöckler mit seiner Glöckler Verlagsgruppe von der Familie Salzer abgekauft. Die Ueberreuter Verlage von Glöckler sind seither nicht mehr mit dem nun insolventen Druckereigeschäft verbunden.

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