Textilindustrie: Corona bedroht 158.000 Jobs in Europa

Die Textilindustrie gehört zu den von der Corona-Krise schwer gezeichneten Branchen. Der Kreditversicherer Euler Hermes sieht europaweit 13.000 Unternehmen und über 150.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Textilindustrie: Corona bedroht 158.000 Jobs in Europa

Stefanel, Haanl, Dressmann - die Corona-Krise hat in der Textilbranche bereits einige Opfer gefordert. Doch die bisherigen Pleiten könnten nur die Spitze des Eisbergs sein. Viele Textilketten sind als Folge des Lockdowns auf ihren Frühjahreskollektionen praktisch sitzengeblieben und auch seit der Wiedereröffnung der Läden läuft das Geschäft vielerorts nur schleppend. Gleichzeitig müssen hohe Lokalmieten und das Personal bezahlt werden. Im Online-Handel tun sich viele Marktteilnehmer schwer.

Der Kreditversicherer Euler Hermes hat die Lage der Branche nun europaweit unter die Lupe genommen. Die Folgen der Coronakrise bedrohen könnten der Euler Hermes Untersuchung zufolge noch gravierend ausfallen. "Wir gehen davon aus, dass trotz der zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen etwa 13.000 Unternehmen in Europa bis Ende 2021 verschwinden und damit rund 158.000 Jobs in der europäischen Textilindustrie in Gefahr sein dürften", fasst Ron van het Hof, der Deutschland-Chef von Euler Hermes, das Ergebnis zusammen.

Lange Durststrecke

Danach dürften die Umsätze der europäischen Textil- und Bekleidungshersteller in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie um rund 19 Prozent einbrechen. Zwar werde schon im kommenden Jahr der Umsatz der Branche wieder spürbar zunehmen. "An das Vorkrisenniveau dürfte er aber wohl nicht vor 2023 anknüpfen", sagte der Euler-Hermes-Branchenexperte Aurélien Duthoit.

In einer Branche, in der die Margen klein und die Mieten für Geschäfte in guten Lagen hoch sind könnte das eben für viele zu wenig sein, das Warten auf den Aufschwung zu lange dauern.

Die Textilindustrie in Deutschland dürfte der Studie zufolge noch mit einem blauen Auge davon kommen. Hier werde der Umsatzeinbruch mit zwölf Prozent deutlich geringer ausfallen als etwa in Italien und Frankreich. Die Gründe dafür seien zum einen der wesentlich kürzere und weniger strikte Lockdown und die vergleichsweise schnellere Wiedereröffnung der textilen Einzelhandelsgeschäfte. Zum anderen spiele aber auch der höhere Anteil an industrieller Textilherstellung eine Rolle, betonte der Kreditversicherer. Dadurch sei die Abhängigkeit vom kriselnden Modehandel geringer.

Hoffnung: Lokal statt international

Euler Hermes sieht in der Krise allerdings auch eine Chance für die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie - wenn es dank des steigenden Umweltbewusstseins und der Folgen der Pandemie gelinge, eine Abkehr vom schnellen Konsum und dem Fast-Fashion-Paradigma einzuleiten, das den Interessen der europäischen Fertigungsindustrie seit jeher vollkommen widerspreche.

Vorbild könne Italien sein, wo die Verbraucher, Einzelhändler und Hersteller entgegen den globalen Trends eine Präferenz für teurere, qualitativ hochwertigere, lokal hergestellte Bekleidung behalten hätten. "Weniger Importe von Kleidung und ein Ersatz durch lokale Herstellung würden der europäischen Textilindustrie spürbar mehr Schwung geben", betonte der Euler-Hermes-Experte Duthoit.

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