Sanierung als Rettungsanker für First Vienna Football Club

Sanierung als Rettungsanker für First Vienna Football Club

Business-Modell Fußball: Riskanter Doppelpass mit einem mäßig bekannten Hauptsponsor - oft erprobt, oft ins Out.

Der Wiener Traditionsklub First Vienna Football-Club 1894 ist finanziell am Ende. Ein Insolvenzverfahren soll den Klub jedoch retten und entschulden. Klappt die Sanierung, könnten neue Sponsoren an Bord gehen. Sportlich läuft es indes rund.

Die Verantwortlichen des First Vienna Football-Club 1894 haben Insolvenz angemeldet. Nach einer Sanierung soll der Wiener Traditions-Fußballklub finanziell einen Neustart machen und somit gerettet werden. Am Handelsgericht Wien wurde am Montag (6. März) ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet. Rechtsanwalt Matthias Schmidt wurde zum Sanierungsverwalter bestellt, er wird in den nächsten Wochen prüfen, ob dieaufgrund der Sanierungsbestrebungen des ältesten Fußball-Clubs Österreichs tatsächlich dessen Betrieb aufrechterhalten werden kann.

Der Sanierungsplan sieht eine Quote von 30 Prozent vor, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans durch die Gläubiger. Die Schulden des Klubs belaufen sich auf 590.000 Euro. Sollte die Sanierung nicht gelingen, würde durch den anschließenden Konkurs die Schulden für den Liquidationsfall auf rund 1,17 Millionen Euro anwachsen. Die höhere Summe resultiert aus zusätzlich entstehenden Beendigungskosten. Für die Vienna würde ein Konkurs neben der sportlichen Herabstufung auch den endgültigen Abpfiff bedeuten.

Der aktuelle Vienna-Geschäftsführer Gerhard Krisch hat erst in der ersten Märzwoche angekündigt, dass bereits mit einer "internationalen Sponsorengruppe Gespräche" geführt werden. Der klamme Fußballklub könnte mit einem neuen Sponsor zumindest bis Saisonende im Sommer überleben. "Für uns ist wichtig, dass wir das Worst-Case-Szenario Konkurs verhindern können", erklärte Vienna-Chef Krisch.

Erst seit Jänner leitet Krisch die Geschicke des Traditionsklubs. Zuvor war er hinter dem im Herbst verstorbenen Präsidenten und "Big Spender" Martin Kristek Vize-Präsident des Klubs.

Der Wiener Kristek war seit 2014 mit seinem Billigstromanbieter Care-Energy mit Sitz in Hamburg der Hauptsponsor des Regionalliga-Klub. Nach dem plötzlichen Tod von Kristek schlitterte Care-Energy in die Insolvenz. Damit nahm auch die finanzielle Misere des First Vienna Football-Club seinen Lauf.

Das war offenbar in den vergangenen Jahren billig in Kauf genommen worden: Der Traditionsklub war stärker abhängig von Kristek, als dies viele vermutet hatten. Der Vertrag mit ihm sah vor, das 75 Prozent der Einnahmen der Vienna - auch das durch alle weiteren Sponsoren eingenommene Geld - in seine Kasse nach Hamburg überwiesen werden.

Eine wirtschaftliche Weiterführung des Vereins ist somit nur dann möglich, wenn diese Bedingung aufgehoben wird. Um den Vertrag wegzubekommen müsste die Vienna allerdings die Sanierung schaffen. Nur dann würde Vienna auch wieder für andere Sponsoren attraktiv werden und könnte neue Sponsorengelder wieder direkt und in voller Höhe dem Traditionsklub zufließen lassen, statt drei Viertel der Einnahmen nach Hamburg zu überweisen.

Die Erlös-/Kostenfalle

Nicht nur Vertragsklauseln, sondern auch zu geringe Zuschauereinnahmen und die im Verhältnis zu hohen Kosten hatten die Vienna in die schwierige Situation gebracht. Insider berichten, dass die Vienna zudem im Vergleich zur Leistungsstufe ein zu hohes Budget angesetzt hatte. Das Jahresbudget soll sich auf rund vier Millionen Euro belaufen haben. Die Kicker-Gagen hätten demnach schon Erstliga-Niveau und damit Profifußball-Niveau.

Sportlich läuft es im Moment bestens. Erst am Samstag (4. März) hat die Vienna beim Tabellenführer SC Ritzing mit 5.0 gewonnen. Der aktuell Zweite der Regionalliga Ost will die Saison ordnungsgemäß zu Ende spielen.

Klappt die Sanierung nicht, müsste der Zwangsabstieg folgen. Der Club hofft auf Gespräche mit dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB). "Es wäre für uns äußerst wichtig, in der Regionalliga zu bleiben", betonte Vizepräsident Robert Hammerl. "Wir werden uns aber auf beide Szenarien vorbereiten", versprach Krisch. Er will "an der Reputation der Vienna arbeiten, damit wir für Partner wieder attraktiv sind."

Die knapp 100 Gläubiger beziehungsweise 32 Dienstnehmer, davon 22 Profispieler, können ihre Forderungen bis 14. April anmelden. Der KSV1870 nimmt Gläubigerforderungen entgegen.

Die erste Gläubigerversammlung wurde für den 27. März anberaumt. Die allgemeine Prüfungstagsatzung findet am 28. April statt. Die Sanierungsplantagsatzung ist am 31. Mai angesetzt, an diesem Tag stimmen die betroffenen Gläubiger über den Sanierungsplanvorschlag ab.

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