Privatkonkurs: Ein Weg aus der Schuldenfalle

Ein Privatkonkurs ist für überschuldete Privatpersonen oft der letzte Ausweg, wieder im Wirtschaftsleben Fuß fassen zu können. Wenn ein solches Schuldenregulierungsverfahren akzeptiert wird, wird die Negativspirale aus ständig steigenden Zinsen und Kosten gestoppt. Doch auch ein Privatkonkurs muss finanziert werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Der Privatkonkurs: Ein letzter Ausweg aus der Schuldenfalle.

Der Privatkonkurs: Ein letzter Ausweg aus der Schuldenfalle.

Weiterhin keine Entwarnung gibt es in Österreich bei den Privatkonkursen. Vierteljährlich werden in Österreich gut 2.000 Schuldenregulierungsverfahren zur Regelung von Privatkonkursen eröffnet, die kumulierten Verbindlichkeiten liegen dabei im Schnitt bei etwa 230 Millionen Euro.

Für Hans-Georg Kantner, den Insolvenzexperten des KSV1870, hat die hohe Zahl der Konkursverfahren allerdings auch gute Seiten. Er betont, dass jeder eröffnete Privatkonkurs für den Betroffenen eine Erleichterung ist. Kantner: "Er bedeutet, dass die laufende Zunahme der Verbindlichkeiten durch Zinsen und Kosten ein Ende hat und dass der erste Schritt zurück in ein geordnetes Leben getan ist."

Der KSV1870 rät daher allen Betroffenen, nicht zu lange mit einem Insolvenzantrag zuzuwarten. Durch Zinsen und Kosten komme es in der Regel zur Verdoppelung der ursprünglichen Schulden innerhalb von bereits drei bis fünf Jahren. Kantner: "Der Privatkonkurs stoppt diese Negativspirale und verschafft den Betroffenen Luft, indem er ihnen bis zu zehn Jahre Zeit gibt, ihre Schulden zu tilgen, ohne das eigene Existenzminimum zu gefährden."

Allerdings muss man sich auch einen Privatkonkurs, bei dem nur ein Teil der Schulden zurückgezahlt wird, leisten können. So muss etwa sichergestellt sein, dass die Kosten des Verfahrens sowie die allfälligen Kosten eines Masseverwalters und der Gläubigerschutzverbände gedeckt werden können. Wenn sich der Schuldner mit den Gläubigern nicht auf einen Zahlungsplan einigen kann, kommt es zu einem Abschöpfungsverfahren. Das bedeutet, dass der Schuldner dann für die nächsten sieben Jahre von seinem Existenzminimum leben muss.

Rund um das Schuldenregulierungsverfahren, gibt es immer wieder Irrtümer und Unklarheiten. Nachfolgend finden Sie Antworten auf einige der wesentlichen Fragen zum Thema.

Privatkonkurs

Kann es sein, dass Möglichkeit zu einem Privatkonkurs nicht besteht, weil man ihn sich nicht leisten kann?

Nein. Egal, wie hoch die Schulden sind: Der Schuldner ist verpflichtet, "ohne schuldhaftes Zögern" (§ 69 IO) den Konkurs selbst zu beantragen. Sein Vorteil dabei ist, dass durch Eröffnung eines Verfahrens seine Schulden eingefroren werden und nicht mehr ansteigen können, weder durch Zinsen, noch durch Kosten (mit Ausnahme gewisser besicherter Verbindlichkeiten).

Der KSV1870 informiert: Ein Privatkonkurs ist nichts, was man sich leisten können muss, sondern eben Pflicht des Schuldners. Menschen im Privatkonkurs haben viele Jahre Zeit, sich finanziell und auch in ihrer Lebenssituation zu stabilisieren.

Gibt es eine Mindestquote von zehn Prozent?

Nein. Es gibt sowohl den Zahlungsplan ohne Mindestquote, als auch im Wege der sogenannten „Billigkeit“ ein Raus aus der Schuldenfalle. In diesem Rahmen werden laufend Zahlungspläne unter zehn Prozent geschlossen. Im Wege der Billigkeitsentscheidung der Gerichte werden Schuldner mit zum Teil deutlich geringeren Quoten entschuldet. Es gibt auch Quoten um oder unter fünf Prozent. Die bisher beim KSV1870 dokumentierte niedrigste Entschuldungsquote betrug 3,1 %.

Was bedeutet „Mindestanforderung“

Wenn Gläubiger einer Quote zustimmen, gibt es keine untere Schwelle. Es wurden schon Quoten unter einem Prozent abgeschlossen. Kommt es zu keiner Einigung zwischen dem Schuldner und seinen Gläubigern, dann sind zehn Prozent die vom Gesetz vorgesehene Schwelle, bei deren Erreichung es einen Rechtsanspruch des Schuldners auf Restschuldbefreiung gibt.

Das bedeutet aber nicht, dass es sich um eine Mindestanforderung handelt. Die Richter treffen im Einzelfall angemessene Entscheidungen. Diese Entscheidungen führen in der Mehrzahl zu Restschuldbefreiungen. Eine Langzeitanalyse des KSV1870 über 230 Fälle aus 2001 ergab, dass 46 Mal die Restschuldbefreiung unter 10 % erteilt wurde. Dagegen wurde sie nur 30 Mal versagt, wobei dies teilweise Fälle ohne jegliche Leistung der Schuldner darstellten.

Wie kann ein Schuldner eine Restschuldbefreiung erwirken?

Ein Schuldner, der die Restschuldbefreiung anstrebt, verpflichtet sich mit seinem Antrag, dass er über 7 Jahre seine pfändbaren Einkünfte an einen Treuhänder abtritt.

Ist es möglich, ohne Mindestquote Schulden loszuwerden?

Laut Statistik des KSV1870 wird etwa zwölf Prozent der Schuldner mit Quoten unter zehn Prozent der Weg aus den Schulden ermöglicht.

Kann es sein, dass Kosten und Zinsen ausufernd anwachsen, sodass die Schulden sich verdoppeln und die Situation für Schuldner geradezu ausweglos wird?

Ein Konkursantrag stoppt den Zinsenlauf und ermöglicht eine normale Entschuldung. Ein Gang zum Konkursgericht kann in vielen Fällen sehr sinnvoll und auch hilfreich sein. Auch wenn momentan die Restschuldbefreiung nicht greifbar ist.


Weitere Informationen zum Thema bietet der KSV1870.

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