Pleiten gehen zurück auf Allzeit-Low vor 20 Jahren

Pleiten gehen zurück auf Allzeit-Low vor 20 Jahren

Alltime-Low: Hans-Georg Kantner und KSV-Geschäftsführer Ricardo-Jose Vybiral (R.) verkünden Pleiten-Tiefstände.

Die Anzahl der Pleiten von Unternehmen und Privatpersonen ist so niedrig wie zuletzt im Jahr 1998. Dafür gibt es zwei triftige Gründe. Der KSV will seinen Schwerpunkt im Jahr 2018 auf Insolvenzen richten, die bisher mangels Masse nicht eröffnet wurden. Dort sollen Gläubiger doch noch zum Zug kommen.

Die Formel „Geht’s der Wirtschaft gut, steigen automatisch auch die Pleitefälle“, wird derzeit konterkariert. Genau das Gegenteil der Faustregel ist der Fall. Obwohl Österreichs Wirtschaft und die EU- und Weltkonjunktur boomt und auch weiterhin kräftige Wachstumszeichen für das Jahr 2018 avisiert, ist die Zahl der Insolvenzen auf Alltime-Low angekommen. Das Vertrauen von Unternehmen sei sehr groß und die Gefahr, dass Unternehmer mit mehr Risiko einen Bauchfleck landen würden, sei zwar groß, aber die Zahl der Unternehmenspleiten und die der Privatinsolvenzen ist in Österreich weiterhin am sinken.

Ein Paradoxon? „Die niedrigen Zinsen befördern das Marktumfeld, die Belastungen sind für die Unternehmen somit viel niedriger, als in früheren Jahren“, nennt KSV-Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral den Hauptgrund für die gegenläufige Entwicklung.

Zu den Zahlen: Die Zahl der Firmenpleiten ist heuer um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5030 insolvente Unternehmen zurückgegangen. Angeschrieben wurden dabei 1,9 Milliarden Euro Schulden, was rund 38 Prozent niedriger als im Jahr 2018 ist, als noch 2,9 Milliarden Passiva zu Buche standen.

Die Zahl der Privatpleiten ist heuer ebenfalls rückläufig. 6662 Privatpersonen mussten Privatinsolvenz anmelden. Das waren um 16,8 Prozent weniger Menschen als noch im Vorjahr als noch 8011 Personen den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten. "Es geht eindeutig hervor, dass viele Menschen heuer gewartet haben, bis die günstigeren Insolvenzbestimmungen am 1. November 2017 in Kraft treten", sagt Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner. Die 6662 Privatpersonen hatten einen Schuldenstand von rund 913 Millionen Euro angeschrieben. Im Vorjahr waren es somit noch 11,4 Prozent mehr

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Eine Maßnahme, die noch im Frühjahr von Gläubiger- und Kreditschutzverbänden heftig kritisiert wurde. Sie befürchteten, dass sich Schuldner künftig auf das neue Insolvenzrecht berufen können und sogar an einer Schuldenrückzahlung gänzlich vorbei schwindeln könnten.

Für das Jahr 2018 rechnet KSV-Insolvenzexperte Kantner mit einem weiteren Anstieg bei Privatinsolvenzen. Im November sei bereits nach monatelangen Rückgängen ein weitere Zuwachs registriert worden.

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