Pleite: Kärntner Heimatwerk verliert gegen Diskonter den Heimvorteil

Pleite: Kärntner Heimatwerk verliert gegen Diskonter den Heimvorteil

Das Kärntner Heimatwerk GmbH will nach einer Sanierung neu starten - offenbar auch im Internet.

Der Kärntner Trachtenhersteller Kärntner Heimatwerk GmbH ist insolvent - trotz Unterstützung von Land und Banken. Zehn Jahre nach Gründung der GmbH soll die endgültige Schließung abgewendet werden. Eine Sanierung soll das Unternehmen retten.

Greift der Kärntner nicht mehr zur Tracht? Die traditionellen Trachtenjankerln, bei den Herren überwiegen die Brauntöne, bei den Frauentrachten dominiert eher die Vielfalt und Buntheit, haben auf jeden Fall schon bessere Zeiten erlebt. Im Jahr 2010 wurde sogar noch von einem Boom am Trachtenmarkt gesprochen. Selbst bei Politikern, dem echten und unechten Adel und selbst dem Nicht-Adel - also der normalen Gesellschaft (ohne Titel und mit Titel) hatte das Traditionsgewand Anfang schon zu Beginn des vorigen Jahrzehnts ein Comeback als modisches Outfit gefeiert. Und dafür hat man gelegentlich auch gerne ins Geldbörsel gegriffen.

Vor allem was das höhere Preissegment anbetrifft, scheint die Zeit für traditionelle Trachtenhersteller und Händler nicht bestens zu sein. Auch wenn sie sich der Zeit angepasst haben und Kollektionen auf den Markt bringen, die mit der einstigen Traditionsrobe nur noch wenig am Hut haben, ist mit dem Modetrend auch der Preisdruck gestiegen.

Für den Klagenfurter Trachtenhersteller und -Händler Kärntner Heimatwerk GmbH mit seinen drei Filialen in Villach, Spittal an der Drau sowie Wolfsberg kommt die Einsicht sehr spät. Das Unternehmen, einziger Eigentümer Ewald Opetnik, ist pleite: 1,87 Millionen Euro Passiva haben sich angehäuft. Dagegen steht ein mehr als bescheidenes Vermögen in Höhe von 400.000 Euro, wie der Kreditschutzverband KSV 1870 berichtet. Betroffen von der Insolvenz sind 29 Dienstnehmer. Noch im Jahr 2010 beschäftigte der Trachtenspezialist fast 50 Dienstnehmer. Forderungen haben außerdem etwa 160 Gläubiger. Hauptgläubiger sind das Land Kärnten und Banken.

Der Untergang des Unternehmens soll jedoch vermieden werden. Ein Rettungsplan ist in Vorbereitung: Ein Sanierungsverfahren unter Aufsicht, als ohne Eigenverwaltung, wurde am Landesgericht Klagenfurt eröffnet. Der Plan: Ein Schuldenerlass mit Begleichung letztendlich von 20 Prozent der Schulden zahlbar binnen 24 Monate.

Die Tücken des Wettbewerbs gegen die Platzhirsche

Für das Unternehmen liegen nach Angaben vom KSV1870 genau zwei gewichtige Gründe vor, die nun in die Insolvenz geführt habe. „In den letzten Jahren ist es zu einer großen Konkurrenz auf dem Trachtensektor durch andere Mitbewerber gekommen, welche teilweise mit Billigprodukten bei Diskontern Trachtenprodukte anbieten", zitiert der KSV die Begründung des Kärntner Trachtenhersteller. Und als zweiten Grund wird die Konkurrenz im Internet genannt. Der Online-Verkauf habe demnach in den letzten Jahren verstärkt zugenommen und hat auch bei den Kärntnern selbst zu Umsatzrückgängen geführt. Mächtige Handelsketten wie Hofer, Lidl sowie die Internetkonkurrenz dürften den Kärntnern zudem den Heimvorteil streitig gemacht haben.

Und auch die via Facebook-Auftritt angekündigten Heimatkonzerte, die vom Land Kärnten unter anderem sehr stark mitbeworben wurden, wie etwa "Singen, tanzen und musizieren mit den Freunden des Kärntner Heimatwerks" dürften trotz Einhebung von Eintrittsgeldern als eine zusätzliche Erlösquelle nicht genügend Geld in die klammen Kassen gespült haben.

Beim der eigenen Internet-Homepage dürften das Kärntner Heimatwerk GmbH zudem noch eine Baustelle haben. Neben der Facebook-Timeline heißt es: "Wir überarbeiten im Moment unsere Homepage! Bitte besuchen Sie uns in Kürze wieder."


Mehr Informationen zu Insolvenzen und Beratungen für Gläubiger finden Sie auf der Webseite des KSV1870.

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 20. Oktober 2017

Bonität

Wozabal-Pleite: Gute Quote für die Gläubiger

Bonität

Kärntner Kranfirma Hutze & Stach in Konkurs