Odebrecht-Skandal - Konkurs über Wiener Tochterfirma eröffnet

Odebrecht-Skandal - Konkurs über Wiener Tochterfirma eröffnet

Der Korruptionsskandal um den brasilianischen Mischkonzern strahlt bis nach Wien. Die Gläubigerschützer KSV rechnen im Zuge der Wiener Pleitetochter mit Schulden in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe.

Wien/Salvador. Der brasilianische Mischkonzern Odebrecht, der in einen der größten Korruptionsskandale Lateinamerikas verwickelt ist, hat Schulden in Milliardenhöhe, unter anderem auch in Österreich. Über die Wiener Tochterfirma Odebrecht E&P GmbH mit Sitz in Wien ist am Montag das Konkursverfahren eröffnet worden. Der KSV1870 erwartet hohe Verbindlichkeiten, wie er am Dienstag mitteilte.

Da das Konkursverfahren über Antrag eines Gläubigers eröffnet worden sei, gebe es keine näheren Informationen über die Höhe der Passiva, auch sonstige Details seien nicht bekannt, erklärten die Kreditschützer. Die Schulden könnten möglicherweise um oder über 100 Mio. Euro liegen, da in der letzten Bilanz, im Jahresabschluss 2018, Verbindlichkeiten von 117 Mio. Euro aufscheinen, so der KSV1870.

Zum Masseverwalter wurde Rechtsanwalt Stephan Riel bestellt. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 23. März am Handelsgericht Wien statt. Gläubiger können ihre Forderungen bis 9. März anmelden. Das Handelsgericht Wien hatte schon im Dezember 2019 sogenannte einstweilige Vorkehrungen verfügt.

Der Schmiergeldkonzern

Der Odebrecht-Konzern soll jahrelang Hunderte Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt haben, um lukrative Staatsaufträge zu bekommen. 2016 bekannte sich Odebrecht in den USA schuldig und nahm eine Strafe in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar (3,16 Mrd. Euro) hin. In Lateinamerika löste der Skandal ein politisches Beben aus, ermittelt wird gegen Hunderte Politiker, Unternehmer und Beamte. Im Sommer meldeten die brasilianische Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften Insolvenz an - mit Schulden in Höhe von 51 Mrd. Reais (11,67 Mrd. Euro).

Der Wiener Anwalt Paul Doralt ist Geschäftsführer von 20 Odebrecht-Niederlassungen in Österreich. Er bestätigte im Dezember den Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal des Mutterkonzerns. Ihm zufolge können millionenhohe Kredite der Deutschen Bank und ING, die für ein Infrastrukturprojekt in Peru aufgenommen worden waren, nicht mehr bedient werden. "Das mussten wir abschreiben", sagte Doralt. Das Projekt soll durch Schmiergeld an Land gezogen worden sein. Auswirkungen auf Österreich habe die Pleite nicht, so Doralt. Die Odebrecht E&P GmbH habe keine Mitarbeiter und fungiere nur als Eigentümer für Firmen in Angola, Peru und Venezuela - aus Steuergründen.

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