UNIQA rettet First Vienna FC 1894 als neuer Sponsor vor der Pleite

Die Pleite bei Wiens Traditions-Fußballklub First Vienna FC ist abgewendet. Mit dem Versicherungskonzern UNIQA steigt ein potenter Geldgeber als neuer Hauptsponsor und Retter in höchster Not ein und entsendet einen UNIQA-Vorstand als Aufpasser in das Präsidium des Klubs. Beim Insolvenzverfahren ist eine Vorentscheidung gefallen: Die Gläubiger haben dem Sanierungsplan zugestimmt.

UNIQA rettet First Vienna FC 1894 als neuer Sponsor vor der Pleite

Kaum vor der Pleite gerettet, wird mit einem besonderen Slogan eine andere Art des Selbstbewußtseins gezeigt. Der Konkurs ist abgewendet - dank UNIQA als neuem Hauptsponsors. Die Restschulden müssen noch beglichen werden.

Wien. Sportlich lief es beim Regionalligisten zuletzt rund. Mit 14 Punkten Vorsprung wurde Wiens Traditionsklub Vienna First Football Club 1894 Meister. Aufgrund der Überschuldung musste der Verein vor den Insolvenzrichter. Laut Gläubigerschutzverband KSV 1870 hatte der Klub 1,4 Millionen Euro Schulden angeschrieben und nicht mehr bezahlen können. 30 Prozent der Forderungen müssen nun binnen zwei Jahren beglichen werden. Zu den rund 100 Gläubigern zählen 32 Dienstnehmer, davon 22 Profispieler, deren Forderungen von dem Fußballklub im Jänner nicht mehr beglichen werden konnte.

Die Rettung scheint geschafft. Und dies dürfte wohl auch Dank neuem Hauptsponsor UNIQA gelungen sein, womit die Einigung mit den Gläubigern mit des Fußballklub vor dem Konkursrichter leichter geworden ist. Die Gläubiger haben sich laut Mitteilung vom Vienna First FC 1894 auf einen Schuldenschnitt geeinigt und den Sanierungsplan akzeptiert. Mit 420.000 Euro müssen 30 Prozent der Schulden nun beglichen werden - 140.000 Euro müssen in den kommenden Wochen bezahlt werden, die restlichen 20 Prozent in der Höhe von 280.000 Euro sollen in den kommenden zwei Jahren beglichen werden. Dies wurde am Handelsgericht Wien mit den Gläubigern besiegelt.

"Der älteste Fußballverein Österreich lebt!", jubeln die Klubverantwortlichen auf der Vereins-Homepage. "Aufgrund der heutigen Abstimmung haben wir einen großen Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft unserer Vienna gemacht." Und bei der Vienna träumt man freilich schon von einer rosigen Zukunft. "Nichtsdestotrotz heißt es weiterhin die Ärmel auf zu krempeln und den First Vienna FC 1894 in eine große Zukunft zu führen", heißt es in der Aussendung.

Die Absicherung in höchster Not

Dass der Ball weiterhin rollt, dürfte vor allem dem Umstand geschuldet sein, dass der Versicherungskonzern UNIQA als Hauptsponsor und neuer Geldgeber beim Vienna First Football Klub 28194 einsteigt. Wie vil Geld der Versicherungskonzern locker macht, wollte UNIQA-Sponsoring-Chef Carl Gabriel im Gespräch mit dem Trend nicht verraten.

Auf der Brust der Spielerdressen und der Trainingsbekleidung wird künftig das Logo des Versicherungskonzern affichiert. Der Sponsoringvertrag wurde für drei Jahre fixiert.

Ein Umbenennung des Vereins mit oder Ergänzung des Vereinsnamens mit dem Zusatz "UNIQA" sei nicht vorgesehen. Genauso wenig wie die Umbenennung der Naturarena "Hohe Warte", die in die Jahre gekommen ist, ist ebenso nicht vorgesehen.

"Das Sanierungskonzept hat uns überzeugt", sagt UNIQA-Sponsoring-Chef Gabriel. Der Versicherungskonzern geht davon aus, dass der Wiener Traditions-Fußballklub somit seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Eine Übernahme der Verbindlichkeiten oder gar eine Ausfallbürgschaft für künftige finanzielle Engpässe hat die UNIQA nicht übernommen. "Wir sind nur Sponsor", betont Gabriel, "wir wollen den Verein nicht übernehmen."

Das Engagement bei Österreichs ältestem Fußballklub soll über reines Sponsoring hinausgehen, um das Konzept von Geschäftsführer Gerhard Krisch, für den Verein step by step wieder eine gesunde finanzielle Basis für die Zukunft zu schaffen.“

UNIQA zieht ins Vienna-Präsidium ein

Im Gegenzug wird die UNIQA aber einen Manager in das Präsidium des Klubs entsenden - quasi als Aufpasser des Geldgebers. Ein UNIQA-Vorstand soll in das derzeit vierköpfige Leitungsgremium des Klubs einziehen und somit die Mitspracherechte der Versicherungskonzern ausüben. Der Vienna First Football Klub wird derzeit vom Geschäftsführer Gerhard Krisch geleitet. Das Präsidium des Klubs besteht derzeit aus vier Mitgliedern und einem Präsidenten. Das Amt des Präsidenten ist derzeit nicht besetzt. Zur Generalversammlung des Klubs soll das neue Präsidium von den Mitgliedern gewählt werden.

"Als neuer Hauptsponsor wollen wir auch im Präsidium der Vienna vertreten sein und das Mitspracherecht aktiv nutzen", erklärt UNIQA-Sponsoring-Chef Gabriel dem trend. “Wir werden uns im finanziellen Bereich einbringen und wollen gemeinsam Zukunftskonzepte voranbringen."

Vienna Geschäftsführer Krisch wird nähere Details zum Insolvenzverfahren, dem ÖFB-Rekurs sowie der Sanierung der Dachkonstruktion der baufälligen Hautptribüne im Rahmen der Generalversammlung des Vereins am 20. Juni präsentieren.

Dabei wird Krisch auch neue Sponsoren präsentieren, die ihr Engagement vom Sponsoreneinstieg der UNIQA abhängig gemacht haben.

Das Geld wird die Vienna nicht nur für den Spielbetrieb notwendig brauchen. Die Tribüne der in die Jahre gekommenen Naturarena "Hohe Warte" im 19. Wiener Gemeindebezirk, die sich im Eigentum der Gemeinde Wien befindet, ist wegen Baufälligkeit derzeit gesperrt. Im Zuge der Sperrung ist es zu heftigen Diskussionen gekommen zwischen Klub und Gemeinde Wien gekommen.

Mit der finanziellen Sanierung dürfte auch der Spielbetrieb der Vienna gesichert sein. Der Verein konnte wegen der Insolvenz nicht aufsteigen. Nach dem laut ÖFB-Regulativ zuletzt sogar der Zwangsabstieg in die Wiener Stadtliga drohte. Die Vereinsverantwortlichen hatten dagegen vor dem Bezirksgericht geklagt und in erster Instanz Recht bekommen, wenngleich das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Die Vienna war im vorigen Herbst kräftig ins Schleudern gekommen, nachdem der damalige Hauptsponsor Billigstromanbieter Care-Energy mit Sitz in Hamburg finanziell ins Schleudern gekommen war. Nach dem Tod des von Care-Energy-Chef und "Big Spender" Martin Kristek, der gleichzeitig Vize-Präsident beim First Vienna FC 1894, ist der Fußballklub in die Pleite abgedriftet.

Ein Hauptgrund für die finanzielle Misere: Der Traditionsklub war stärker abhängig von ihrem einstigen Geldgeber Kristek, als dies viele vermutet hatten. Der Vertrag mit ihm sah vor, das 75 Prozent der Einnahmen der Vienna - auch das durch alle weiteren Sponsoren eingenommene Geld - in seine Kasse nach Hamburg überwiesen werden.

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