Pleite: Modekette Vögele will über Insolvenz neu starten

Pleite: Modekette Vögele will über Insolvenz neu starten

Die Modekette Charles Vögele hat Insolvenz angemeldet. In Österreich sind 700 Mitarbeiter betroffen. Potenzielle Investoren haben abgewunken. Das Unternehmen soll saniert werden, aber der Textilhandel ist massiv unter Druck. Vor allem Online-Händler mischen den Markt auf.

Die Modekette Charles Vögele ist pleite. Für die 83 Österreich-Standorte der Modekette konnte bisher kein Investor gefunden werden, jetzt muss Insolvenz angemeldet werden. "Aufgrund der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird die Geschäftsführung von Charles Vögele (Austria) GmbH nunmehr ein gerichtliches Sanierungsverfahren beantragen", teilte das Unternehmen mit.

Nach dem Börsengang 1999 war Charles Vögele einer der größten Bekleidungshändler in Europa mit bis zu 760 Filialen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlanden, Slowenien und Ungarn. Im Herbst 2016 kaufte die italienische Investmentgruppe Sempione Fashion um OVS die kriselnde Vögele-Gruppe. Der Sortimentswechsel ließ die Umsätze weiter einbrechen und brachte am Ende die Insolvenz.

Bis 2016 lief das Geschäft in Österreich noch stabil, die Umsatzerlöse lagen bei rund 121 Millionen Euro. 2017 folgte der Einbruch, die Umsätze sanken. Gleichzeitig wurde ein Verlust eingefahren. Anfang Juni 2018 hatte die Schweizer Mutter die Pleite angekündigt, alle 140 Schweizer Filialen wurden geschlossen und die 1.200 Mitarbeiter ohne Sozialplan gekündigt.

Charles Vögele war noch Ende 2017 die Nummer zehn am österreichischen Bekleidungsmarkt. Mit etwa 100.000 m² Verkaufsfläche kam die Kette auf einen Marktanteil von gut drei Prozent. Vor zehn Jahren hatte der Schweizer Einzelhändler noch 150 Standorte - heute sind es noch 102 Filialen (inkliusive der 13 OVS-Geschäfte ).

Über 700 Mitarbeiter betroffen

Von der Insolvenz sind 711 Mitarbeiter in Österreich betroffen. Das Unternehmen konnte die Mitarbeiter zum Monatsende nicht mehr bezahlen. Die per 1. August fällligen Gehälter und gestundete Urlaubsgehälter sind offen.

Die Passiva belaufen sich laut Kreditschutzverband von 1870 auf 32,9 Millionen Euro, die Aktiva wurden mit 12,9 Millionen Euro beziffert. 178 Gläubiger haben ihre Forderungen bereits angemeldet. Die Gläubiger sollen mit einer Quote von 20 Prozent abgefunden werden.

"Gegenüber der Zerschlagung des Unternehmens und Abgabe der Filialen an viele Einzelabnehmer, wie in den letzten Wochen immer wieder kolportiert, sehen wir im eingeleiteten Sanierungsverfahren die beste Chance zur Fortführung der Gesellschaft", so Thomas Krenn, Geschäftsführer Charles Vögele Austria.

Weiter verhandelt werde auch für die Vögele-Schwesterfirmen in Slowenien (11 Filialen) und Ungarn (26 Filialen). Die Schweizer Vögele-Filialen wurden nach der Übernahme in OVS umbenannt und komplett umgebaut. Auch in Österreich sollten die Filialen nach und nach auf OVS umgeflaggt werden, 30 Charles-Vögele-Geschäfte wurden seit Jahresbeginn im Zuge des Umbrandings geschlossen.

Druck im Textilhandel

Der Bekleidungshandel ist derzeit schwer unter Druck. Laut Marktforschungsinstitut RegioData steigt der Umsatz bei den Händlern nur noch schwach. Der stationäre Handel kommt durch die Online-Händler stark unter Druck. Bereits im Jahr 2020 soll jedes dritte Kleidungsstück per Zustelldienst geliefert werden. Doch trifft nicht nur kleine Händler die verschärfte Konkurrenz aus dem Internet. Auch die großen Bekleidungsunternehmen müssen Vertriebsstrategien und Standorte optimieren, um nicht auf der Strecke zu bleiben", teilt Regiodata mit.

Jährlich werden in Österreich etwa etwa 6,4 Milliarden Euro für Bekleidung ausgegeben. Der Umsatz im stationären Bekleidungseinzelhandel liegt aktuell bei rund 4,6 Milliarden Euro. Die Inflation herausgerechnet entspricht das auch heuer einem realen Rückgang wie in den vergangenen Jahren.

Rund 1,7 Milliarden Euro fließen in andere Branchen, bzw. den Pure-Player-Online-Handel. Und der Onlineanteil nimmt weiterhin stark zu: 2010 entfielen erst sechs Prozent des Umsatzes auf den Online-Handel, 2017 waren es bereits beträchtliche 27 Prozent. Und Wachstumstempo im Online-Handel bleibt deutlich höher als im stationären Handel.

Stagnation bei Big Playern

Doch nicht nur die kleineren und mittelgroßen Bekleidungshändler sind unter Druck. Selbst die Big Player, darunter die multinationalen Textilhandelsketten haben es immer schwerer. Auch H&M, mit einem Marktanteil von rund zwölf Prozent mit großem Abstand der Marktführer im österreichischen Bekleidungshandel, bekommt das zu spüren. Obwohl H&M sein Filialnetz in Österreich im letzten Jahr um drei neue Geschäfte erweitert hat, wurde ein Umsatzrückgang von knapp vier Prozent verbucht.

Eigenen Angaben zufolge will die aus Schweden stammende Handelskette künftig in Europa Filialen schließen. H&M setzt bereit aktiv Schritte, um das Onlinegeschäft zu forcieren. Kostenlose Zustellung sowie großzügige Anprobefristen (bis zu 30 Tagen) sowie gleichzeitig die Ankündigung der Online-Aktivitäten in den stationären Geschäften sind derzeitige Maßnahmen, mit denen sich H&M gegen die stärker werdende Konkurrenz im Internet stemmen will.

Weniger Verkaufsfläche, weniger Filialen - die Textilhändler sind auf Stagnationskurs. Und bekommen massiv Druck vom Online-Handel.

Auch die Nummer zwei - C&A - hatte im letzten Jahr leichte Umsatzrückgänge zu verbuchen. Die deutsche Einzelhandelskette hat ihr Filialnetz auch deutlich reduziert. Österreichs Nummer drei, Peek & Cloppenburg, ist auf ähnlichem Weg und zeigt keine Ambitionen beim Filialnetz zu expandieren. Peek & Cloppenburg versucht ebenso, die Vertriebsschiene Internet einzusetzen. Alleine Kik, die Nummer vier am österreichischen Markt, zeigt sich expansionswillig. Der Billigstanbieter ist mit seinem stationärem Filialnetz noch auf Expansionskurs.

Die Top-10-Textilketten haben insgesamt rund 50 Prozent am Gesamtumsatz. Ihr kummulierter Umsatz blieb im Jahr 2017 gegenüber dem Jahr zuvor stabil.

Klasse statt Masse

Vögele hatte bereits im Jahr 2017 bereits eine Reorganisation eingeleitet, nachdem die Umsätze in den Jahren 2015 und 2016 rückläufig waren. Betrug der Umsatz in den beiden Jahren noch rund zwölf Millionen Euro, kam es im Vorjahr zu einem Rückgang in Höhe von 11,5 Millionen Euro, berichtet der KSV1870. Das Ergebnis war laut KSV im Jahr 2017 ebenso negativ.

Im Jahr 2017 erfolgte ein Sortimentswechsel. Dieser wurde nach der Übernahme der italienischen Investmentgruppe Sempione Fashion um OVS in die Wege geleitet, hatte allerdings bis heute nicht gegriffen. Die ausgearbeiteten und eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen - darunter Schließungen von Filialen - befinden sich bis zuletzt in Umsetzung. Noch im Mai 2018 wurde noch eine positive Fortführungsprognose erstellt.

Ein Blick in die Rangliste der Bekleidungsbranche zeigt jedoch auf, dass es konservative/zeitlose Marken zusehends schwer haben. Marken wie Gerry Weber, Bonita, Cecil oder Adler haben mit spürbaren Umsatzrückgängen zu kämpfen.

Einzig Diskonter sowie hochwertige, moderne Filialketten können laut RegioData Research noch zum Teil kräftig zulegen. Die Billigsthändler Primark, TK Maxx und NKD legen wie Kik zu. Bei den hochwertigen, modernen Filialisten, konnten Hallhuber, Bestseller sowie Dressmann Zuwächse verzeichnen.

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