KSV-CEO Vybiral: "Mit Rückenwind in das neue Jahr"

Ricardo-José Vybiral, CEO und Karl-Heinz Götze, Leiter der Insolvenzabteilung des KSV1870, ziehen Bilanz über die Wirtschaftslage nach 21 Monaten Pandemie und blicken optimistisch nach vorne.

Karl-Heinz Götze, Leiter der Insolvenzabteilung und Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870 (von links)

Karl-Heinz Götze, Leiter der Insolvenzabteilung und Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870 (von links)

Wie steht es um Österreichs Wirtschaft nach fast zwei Jahren Pandemie und vier zum Teil über Monate andauernden Lockdowns? Ricardo-José Vybiral, CEO des Gläubigerschutzverbands KSV1870, und Karl Heinz-Götze, Leiter der Insolvenzabteilung des Unternehmens, ziehen zum Jahresende eine Bilanz, die nach den schwierigen 21 Monaten durchaus Anlass zum Optimismus gibt.

Als "Achterbahnfahrt" bezeichnet Vybiral die wirtschaftliche Entwicklung während der Pandemie. Und grafisch aufbereitet lassen die aus umfangreichen der Wirtschaftsdatenbank des KSV1870 gewonnenen Daten diese Analogie durchaus zu. Einem Hoch zu Beginn des Jahres 2020 folgte eine rasante Talfahrt mit dem ersten Lockdown und in der Folge ein Aufschwung über den Sommer. Mit jedem Lockdown und der nachfolgenden Öffnung wiederholte sich das Szenario. Wenngleich auch der durch den vierten Lockdown ausgelöste Abschwung wesentlich sanfter verlief.

Dem Austrian Business Check des KSV1870 zufolge hatten im August dieses Jahres 65 Prozent der heimischen Unternehmen die Geschäftslage als positiv bewertet - mehr als im März 2020, da die Corona-Pandemie Österreich noch nicht ereilt hatte. "Die Geschäftslage ist wieder auf dem aufsteigenden Ast. Die letzte Lockdown-Phase hatte nicht mehr den negativen Einfluss wie die erste", resümiert Vybiral und erklärt: "Es geht mit Rückenwind in das neue Jahr."

Die Pandemie durchtaucht

Drei von vier Betrieben spüren den Erhebungen des KSV1870 zufolge den Aufschwung im Tagesgeschäft. Zumindest 63% der Unternehmen erwarten im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn, mehr als 50% erwarten steigende Umsätze gegenüber 2020

Auch die große Sorge, dass die in verschiedenen Branchen ohnehin nicht besonders üppige Eigenkapitalquote der Unternehmen durch die pandemiebedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter aufgezehrt wird und sich in der Folge das Kreditrating der Betriebe verschlechtert, hat sich nicht bestätigt. "Wir gehen davon aus, dass es zu keiner Verschlechterung der Eigenkapitalquote kommen wird. Das bedeutet hohe finanzielle Stabilität", sagt der CEO des KSV1870.

Einen wesentlichen Anteil an dem Fakt, dass die Unternehmen die schwierige Zeit so gut meistern konnten, haben natürlich die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen. Wenngleich diese nicht in allen Fällen erforderlich gewesen wären und viele Unternehmen die Krise auch ohne Hilfen bewältigt hätten. Vybiral übt daher auch leise Kritik an dem Gießkannen-Prinzip nach dem die Hilfsleistungen gewährt wurden und erklärt: "Die Hilfen wurden von rund einem Drittel der Unternehmen nicht wirklich benötigt. Sie wurden genutzt, wären aber nicht wirklich notwendig gewesen." Unter dem Strich subsummiert der KSV-CEO: "Der harte Aufprall hat nicht stattgefunden. Die Betriebe sind mehrheitlich gut durch die Krise gekommen.

Weiter herausfordernde Zeiten

Dennoch ist der Blick nach vorne auch für Vybiral nicht ganz ungetrübt, und das liegt nicht nur an den Unwägbarkeiten der Pandemie, Omikron und weiterer möglicherweise noch folgender Varianten. "Die Wirtschaft hängt an einem seidenen Faden. Dekarbonisierung, Digitalisierung und der generelle Mangel an Arbeitskräften, nicht nur an Facharbeitskräften sind Herausforderungen. Auch die Lieferengpässe belasten nach wie vor die Wirtschaft", betont Vybiral.

Damit das potenzielle Wirtschaftswachstum erfüllt werden kann sei zudem eine politische Stabilität die Basis und Grundvoraussetzung. Und damit der dringende Bedarf an Arbeitskräften in der Wirtschaft gestillt werden kann plädiert der KSV1870-Chef für ein praxisnäheres Aus- und Weiterbildungssystem.

An der Konsumlaune oder der Zahlungsmoral der Privatpersonen liegt es jedenfalls nicht, wenn die Wirtschaft nicht anzieht. Zahlungsstörungen haben den Erkenntnissen des KSV1870 zufolge massiv abgenommen. Auch die wieder steigende Zahl der Kreditanfragen spricht dafür, dass die Privathaushalte wieder vermehrt investieren. Nach 4,4 Millionen Kreditanfragen im Jahr 2019 ist deren Zahl im Jahr 1 der Pandemie auf rund 4 Millionen zurückgegangen und 2021 wieder auf 4,2 Millionen gestiegen. Wobei das Gesamtvolumen der gewährten Kredite im Jahr 2021 gleichzeitig aber klar über demjenigen vor der Pandemie liegt. Das wiederum bedeutet, dass es zu einer Verschiebung bei den Kreditanfragen gekommen ist. Statt kurzfristiger Konsum- und Finanzierungskredite mit einem Volumen von weniger als 10.000 Euro sind vermehrt langfristige und höhere Kredite gefragt, etwa für die Finanzierung von Immobilien. In dieser Statistik spiegelt sich jedoch auch die Entwicklung des Immobilienmarkts wider: Die Eigenheimfinanzierung wird aufgrund der Preissteigerungen immer teurer und für einen kleineren Teil der Bevölkerung leistbar.

Aufschub bei den Insolvenzen

Dass die Wirtschaft in "Pole-Position" liegt, wie Vybiral sagt, könnte man auch aus der Insolvenzstatistik des Jahres 2021 herauslesen. Diese liegen um 39,3 Prozent unter dem Niveau der Vorkrisenzeit, auf einem Level, den es zuletzt vor rund 40 Jahren gab. "Die Insolvenzquote ist von rund 1,5 Prozent vor der Krise auf rund 0,5 Prozent und die Zahl der Insolvenzen von 440 auf 230 pro Monat gesunken", erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter der Insolvenzabteilung des KSV1870.

Diese grundsätzlich positive Entwicklung lässt sich jedoch nicht mit der allgemein günstigen Wirtschaftslage erklären. Vielmehr fallen hier die staatlichen Unterstützungsleistungen ins Gewicht. Sie haben es vielen Unternehmen ermöglicht, die Pandemie zu überdauern. Das lässt sich auch aus den Branchenentwicklungen herauslesen: In der Bauwirtschaft, die von der Pandemie und den Lockdowns kaum betroffen war, ist die Zahl der Pleiten um nur 12 Prozent zurückgegangen. Im Handel hingegen um 32 Prozent und in der Gastronomie sogar um 42 Prozent.

Dass es mit dem Auslaufen der staatlichen Hilfszahlungen zu einem Anstieg der Insolvenzen weit über das normale Maß hinaus kommt glaubt Götze jedoch nicht. Vielmehr geht der Insolvenzexperte davon aus, dass sich die Zahl der Firmenpleiten wieder dem Vorkrisenniveau entsprechen wird, was sich auch schon im vierten Quartal des Jahres 2021 abgezeichnet hat. Götze: "Wir glauben nicht, dass es einen Insolvenzschock geben wird. Aber es wird zu Nachzieh-Effekten kommen. Das Niveau von 2019 ist realistisch."

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