Metallbauunternehmen Fill insolvent - 240 Mitarbeiter betroffen

Geschäftsführer Stefan Fill

Geschäftsführer Stefan Fill

Das Innviertler Metallbauunternehmen Fill in Hohenzell mit 240 Mitarbeitern ist insolvent. Es hat beim Landesgericht Ried im Innkreis einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht.

Das oberösterreichische Metallbauunternehmen Fill ist in die Insolvenz gerutscht. Der Kreditschutzverband KSV1870 teilte mit, dass man seit geraumer Zeit von einer "starken Krise" in dem Unternehmen wisse und es sich bei der Pleite im Jahr 2007 um die zweitgrößte Insolvenz Oberösterreichs nach Wozabal handle.

Das Unternehmen hat beim Landesgericht Ried im Innkreis den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. Den Informationen der Kreditschützer zufolge stehen Aktiva von 8,1 Millionen Euro Passiva von 31,2 Millionen Euro gegenüber. Den insgesamt 972 Gläubigern wird eine Quote von 30 Prozent binnen 2 Jahren angeboten. Der KSV zeigte sich optimistisch, dass noch so viel Substanz und gesunder Kern vorhanden sei, dass eine Sanierung erfolgreich sein kann.

Erwarten lässt das auch die grundsätzlich gute Auftragslage: Elf Aufträge stünden vor der Fertigstellung, weitere mit einem Gesamtvolumen von ca. 20 Mio. Euro würden vorliegen, hieß es bei Fill. Der KSV verwies darauf, dass es 41 laufende Projekte mit einem entsprechenden Auftragswert gebe, der Wert der halb fertigen Arbeiten mache rund 8,7 Millionen Euro aus.

Eine Neustrukturierung und die Weiterbeschäftigung eines Großteils der derzeit 238 Mitarbeiter - darunter auch 20 Lehrlinge - werden im Sanierungsverfahren angestrebt. Nch der Sanierung will sich Fill verstärkt auf den deutschen Markt konzentrieren. Gegründet 1968, bietet Fill Metallbau unter dem Credo „best in form" individuelle Systemlösungen für Gebäudehüllen sowie Sonderkonstruktionen aus Stahl, Alu, Edelstahl und Blech. Fill hat zudem eine starke Präsenz bei Visualisierungslösungen für Plakatwerbung.

Brexit-Pleite in Österreich

Als Ursachen für die Insolvenz nennt das Unternehmen, dass man sich durch die starke Auftragslage in Großbritannien teilweise der Leistungen von Fremdfirmen bedient habe, die aber nicht dem Qualitätsstandard des Unternehmens entsprochen hätten. Zudem sei man mit "nicht nachvollziehbaren Gegenforderungen bzw. ungerechtfertigt behaupteten Mängeln seitens einiger Auftraggeber" konfrontiert gewesen. Darüber hinaus habe sich das Brexit-Votum negativ auf die Marktlage ausgewirkt. Das alles habe zu einem Liquiditätsengpass geführt.

Fill Metallbau baut und montiert Gebäudehüllen und Sonderkonstruktionen in ganz Europa. In den vergangenen zwei Jahren habe man vor allem in Großbritannien starkes Wachstum bei den Aufträgen verzeichnet, hieß es in einer Aussendung der Firma am Montag. Zahlreiche Großprojekte seien dort realisiert worden, zuletzt habe das Großbritannien-Geschäft mehr als zwei Drittel des Gesamtumsatzes ausgemacht.

Laut KSV sei Fill durch den Brexit und den Währungsverfall bei den Briten nicht mehr konkurrenzfähig und laufende Baustellen seien defizitär. Zudem gebe es bei einer Salzburger Baustelle Probleme wegen eingewendeter Mängel. Bei einem weiteren Großauftrag in Österreich hat man sich schwer verkalkuliert, so die Kreditschützer.

Gegenstand des Sanierungsverfahrens sei ausschließlich die Fill Metallbau GmbH in Hohenzell, wurde betont. Weitere Gesellschaften oder Beteiligungen der Gruppe - wie Fill Metallbau Schärding, Fill Metallbau Wien, Fill Ried, Pfeiffer Metallbau in Wels oder Fill Metallbau UK seien davon nicht betroffen.

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