Mega-Pleite von Wozabal: 104 Millionen Euro Schulden

Mega-Pleite von Wozabal: 104 Millionen Euro Schulden

Die Pleite des Dienstleisters für Miettextilien ist die größte Firmenpleite in Oberösterreich seit vier Jahren. Wozabal beschäftigt zuletzt ins insgesamt zehn Unternehmen 792 Mitarbeiter. Schon im Juli konnten die Löhne nicht bezahlt werden. Banken gewähren Mitarbeitern Überbrückungshilfe.

Linz. Die oberösterreichische Unternehmensgruppe Wozabal, die Miettextilien reinigt, ist insolvent. Ein außergerichtlicher Rettungsversuch ist gescheitert. 792 Arbeitsplätze sind betroffen, die Firmengruppe hat 104,1 Mio. Euro Schulden, teilte der KSV 1870 Donnerstagfrüh mit. Die Aktiva belaufen sich auf 37,4 Mio. Euro. Rund 680 Gläubiger sind betroffen.

Für sechs von insgesamt zehn Unternehmen der Gruppe wurden laut KSV 1870 Insolvenzverfahren beantragt. Die Unternehmen sollen fortgeführt werden. Als Ursachen für die Insolvenz nennt der KSV zu hohe Kosten für Investitionen in Standorte, Automatisierung und Umstrukturierungsmaßnahmen sowie eine schlechte Finanzierungsstruktur mit hohem Fremdmittelanteil.

Wozabal galt lange Jahre als eines der aufstrebenden Vorzeigeunternehmen in Oberösterreich. Der Miettextilexperte hatte sich auf die Reinigung von Textilien für Industrie und Gewerbe, Hotels, Spitäler, Sanatorien sowie Seniorenheime und Jugendherbergen fokussiert. Täglich wurden zuletzt 175 Tonnen Textilien gewaschen für rund 2.000 Kunden aus Österreich, Deutschland, Italien und Tschechien gewaschen.

Das Unternehmen wurde ursprünglich im Jahr 1896 gegründet. Johann Wozabal gründete das Unternehmen als Tuchschererei. Christian Wozabal hat im Jahr 2006 die operative Geschäftsführung des Familienunternehmens übernommen.

Es ist die größte Insolvenz seit vier Jahren in Oberösterreich nach der Pleite der Drogeriekette dayli.

Firmenchef Christian Wozabal zeigte sich damals noch zuversichtlich, eine Insolvenz abwenden zu können. "Die Gespräche mit Banken und möglichen Investoren konnten leider nicht innerhalb kurzer Zeit erfolgreich zum Abschluss gebracht werden", erklärt der Geschäftsführer Donnerstag in einer Presseaussendung. Daher wurden Anträge auf Eröffnung von Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung für sechs Firmen der Wozabal-Gruppe gestellt. Das Unternehmen hat sechs Standorte in Österreich und einen in Tschechien.

Nach Angaben von Wozabal wurde eine Cash-Flow-Planung bis Jahresende 2017 erstellt, wie der KSV mitteilt. Nach dieser Berechnung soll eine kostendeckende Fortführung möglich sein

Die Insolvenzanträge betreffen die Wozabal Management GmbH, die Wozabal Textilservice GmbH & Co KG, die Wozabal MPZ Medizinproduktezentrum GmbH & Co KG, die Wozabal Textile Logistik GmbH & Co KG, die Wozabal Sterilgut-Systeme GmbH & Co KG und die Wozabal Mietberufsbekleidung GmbH & Co KG. Für die Wozabal Privatstiftung, die als Kommandist an den Unternehmen beteiligt ist, außer an der Wobazal Management GmbH, wurde keine Insolvenzverfahren eingeleitet.

Der große Sanierungsplan

In den beantragten Sanierungsverfahren muss als gesetzliches Mindesterfordernis den Gläubigern eine Quote von mindestens 20 Prozent, zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes angeboten werden. Darüber wird dann mit den Gläubigern in einer eigenen Tagsatzung verhandelt werden.

In erster Linie gilt es nun, den Fortbestand der 6 insolventen Firmen zu sichern, damit die Sanierung überhaupt möglich wird. Laut KSV seien darüber hinaus aber noch weitere Finanzierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich, um den Sanierungsplan umzusetzen. Die Unternehmensgruppe braucht also mit anderen Worten frisches Kapital z.B. durch einen Finanzinvestor, um mittel- und längerfristig zu überleben.

Banken gewähren Überbrückungshilfen

Bereits Mitte August wurde bekannt, dass das Unternehmen wegen Liquiditätsproblemen 725 Arbeitern die fälligen Löhne nicht auszahlen kann. Die Hausbanken hatten die Konten gesperrt, da fällige Kredite nicht zurückgezahlt wurden.

Sparkasse OÖ und Hypo OÖ gewähren den von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffenen Wozabal-Mitarbeitern, die bei ihnen Kunden sind, eine zinsenfreie Überbrückung für die ausstehenden Löhne. Das hat Soziallandesrätin und SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer mit den Instituten ausgehandelt, wie ihre Partei am Donnerstag mitteilte.

"Konkret stellen wir den Betroffenen als Überbrückung einen Betrag in Höhe bis maximal des dreifachen Nettogehaltes kostenlos - ohne Zinsen und Gebühren - bis Jahresende 2017 zur Verfügung", erklärte die Sparkasse in einer Aussendung. Damit wolle man helfen "finanzielle Engpässe zu mildern und somit diese Sorgen von den betroffenen Mitarbeitern zu nehmen".

Gerstorfer appellierte auch an die anderen oberösterreichischen Geldinstitute, ebenfalls eine zinsfreie Überbrückungshilfe für die betroffenen Kunden mit einem Gehaltskonto zur Verfügung zu stellen. "Der Konkurs trifft vor allem Frauen, die ohnehin in einer Niedriglohnbranche arbeiten und daher meist über wenige Reserven verfügen, um diese Situation zu überbrücken", so die SPÖ-Chefin.

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