KSV1870 warnt vor Verschleppung von Insolvenzen

Die Halbjahresbilanz der Unternehmenspleiten weißt Rückgänge zum Vorjahr aus. Infolge der Corona-Krise sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Der KSV rechnet ab 2021 mit einem kräftigen Anstieg der Insolvenzen - bei Unternehmen und Privatpersonen, sollte nicht auf Normalbetrieb zurückgefahren werden.

KSV1870 warnt vor Verschleppung von Insolvenzen

Die gute Nachricht zuerst: Sowohl Unternehmenspleiten als auch Privatinsolvenzen sind im ersten Halbjahr 2020 kräftig zurückgegangen. Was angesichts der Corona-Krise mit daraus resultierendem Lockdown und Umsatzausfällen bei Unternehmen sowie Arbeitsplatzabbau, Kündigungen und Kurzarbeit auf den ersten Blick erstaunt. Die Zahl der Firmenpleiten ist im ersten Halbjahr 2020 im Vorjahresvergleich um 25 Prozent auf 1928 Pleiten gesunken, die Privatinsolvenzen sind sogar um 33 Prozent zurückgegangen.

Die Zahlen per 30. Juni 2020 sind eine Momentaufnahme und mit Vorsicht zu genießen. "Diese Zahlen spiegeln nicht die Wirtschaftslage vieler Unternehmen wider", warnt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz des Kreditschutzverband von 1870. Denn ohne staatliche Maßnahmen würden viele Unternehmen in die Insolvenz schlittern. Deren Überleben sei aber dennoch nicht garantiert. "Die wirtschaftlichen Maßnahmen während des Lockdowns waren richtig und wichtig, aber nun müssen wir wieder zurückgenommen werden", sagt Götze. um wieder auf eine Volkswirtschaft

Höhere Verbindlichkeiten

Gestiegen sind dennoch die aus den Pleiten resultierenden Verbindlichkeiten um 86 Prozent auf insgesamt 1,6 Milliarden Europa. Der Grund dafür liegt darin, dass größere Unternehmen die Insolvenz selbst anmelden. Der Rückgang der Insolvenzen sei darauf zurückgegangen, dass die Gesundheitskasse sowie das Finanzamt, die rund 50 Prozent der Insolvenzen beantragen, im Zuge der Corona-Krise keine Insolvenzanträge gestellt haben. "Sie wurden mit Ausbruch der Corona-Krise angehalten, keine Insolvenzanträge zu stellen. Das ist ein tiefgreifender Einschnitt ins Insolvenzsystem", warnt Götze.

Eine künstliche Verschiebung der Insolvenzen auf das Jahr 2021 mit derzeit gültigen Fristverlängerungen bei Insolvenzanträgen hätte fatale Auswirkungen. „Irgendwann wird die Insolvenzwelle Österreich definitiv erwischen. Wann das tatsächlich der Fall sein wird, steht aktuell in den Sternen", sagt KSV-Insolvenzexperte Götze Je länger die in finanzielle Schieflage geratenen Unternehmen künstlich am Leben erhalten würden, desto größer würde aber auch der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sein.

Die zeitliche Verschiebung einer Insolvenz wäre ein "fatales Zeichen". "Eigentlich gesunde Unternehmen geraten ebenso unter Druck und werden in eine Abwärtsspirale hineingerissen. Sie müssen im kommenden Jahr dann ihre Ware zu Abverkaufspreisen verkaufen". Daher fordert der KSV-Experte, dass die Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, wieder rasch ins Insolvenzsystem zurückkehren können. Werden die Maßnahmen der Regierung nicht bald zurückgenommen, würden auch nicht sanierungswürdige Unternehmen mit mangelnder Zahlungsfähigkeit nur künstlich am Leben gehalten werden.

Auch bei den Privatinsolvenzen erwartet der KSV1870, dass wieder auf Normalbetrieb umgestellt werden muss. Bei den Privatinsolvenzen kam es im ersten Halbjahr ebenso zu einem Rückgang - um 33 Prozent auf 3.351 Fälle. Insgesamt hatten die Privatpleitiers Schulden von 440 Millionen Euro angeschrieben. "Dieser Rückgang ist dem geschuldet, dass die Gerichte und Schuldnerberatungsstellen geschlossen oder auf Notbetrieb waren." so Götze. Mit der Lockerung der Beschränkungen sei in den vergangenen sechs Wochen wieder zu einem starken Anstieg bei Privatkonkursen gekommen.

Ausblick: mehr Privatinsolvenzen

Aufgrund der hohen Anzahl der Kurzarbeit sowie Arbeitslosigkeit dürften die Privatinsolvenzen bis Jahres ende weiter ansteigen. "Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2020 das Niveau des Vorjahres erreicht wird, aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit", so KSV-Insolvenzexperte Götze.

Der KSV1870 fordert daher wieder einen strikten Kurs zurück zum Normalbetrieb und den Regeln vor dem Lockdown. Folgende drei Punkte seien dringend notwendig:

  1. Die Frist für Insolvenzanträge, etwa bei Zahlungsunfähigkeit, gehört daher ab sofort wieder von 120 auf 60 Tage reduziert.
  2. Die Finanz und Gesundheitskassen sollten von ihrem Plan, massive Stundungen und Verzicht auf Insolvenzanträge abrücken.
  3. Die Unternehmer sollten seitens der Bundesregierung nicht in dem Glauben gelassen werden, dass staatliche Mittel ausreichen, um die Krise finanziell zu überwinden.
Das aktive Forderungsmanagment gehört zu den Pflichten eines jeden Unternehmens.

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