KSV: Österreichs Wirtschaft voller Optimismus und bestens aufgestellt

KSV: Österreichs Wirtschaft voller Optimismus und bestens aufgestellt

Ricardo-José Vybiral, Vorstand der KSV1870 Holding AG, und Walter Koch (Geschäftsführer KSV1870 Forderungsmanagement) haben optimistische Botschaften von den Unternehmen.

Nach der Umfrage des Gläubigerschutzverbands KSV 1870 geht es mit Österreichs Wirtschaft aufwärts - anders als bestimmte Politiker das seit Jahresbeginn suggerieren wollen. Gleichzeitig steigt die Zahlungsmoral. Führend bei den braven Zahlern in Europa ist aber Deutschland vor Österreich. Und die Unternehmer strotzen vor Optimismus. Auch für die Zukunft und vor allem für das Top-Thema Industrie 4.0 nehmen Österreichs Firmen Aufstellung.

Wien. "Österreichs Unternehmen lassen sich nicht vom politischen Hickhack beirren", sagt Ricardo-José Vybiral, Geschäftsführer vom Gläubigerschutzverbandes KSV 1870 im Gespräch mit dem trend.at. Wird bei bestimmten Politikern das Land bereits seit Monaten schlecht geredet, strotzen die heimischen Unternehmen voller Optimismus. "Sie nutzen die Chancen, vor allem im Export," so der KSV-Chef. Die heimischen Unternehmer teilen daher auch die Prognosen der Wirtschaftsforscher, die Österreich auf europäischer Ebene bereits seit Jahresbeginn auf der richtigen Spur sehen.

"Alle Zeichen stehen auf Aufschwung", sagt KSV-Geschäftsführer Vybiral. Der Gläubigerschutzverband hat die Stimmung mit einer Umfrage unter 2000 heimischen Unternehmen der verschiedenen Branchen erhoben. So rechnen 48 Prozent der Unternehmen mit steigenden Umsätzen (nach 40 Prozent im Vorjahr). Fast zwei Drittel der befragten Unternehmer (63 Prozent) schätzt ihre derzeitige Geschäftslage positiv ein. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von zehn Prozent. Schlechter schätzen nunmehr 6 Prozent der Firmen die Geschäftslage ein, nach zehn Prozent noch im Vorjahr.

Alles auf Grün

"Der Optimismus ist in alle Branchen eingekehrt, alle Vorzeichen stehen auf Plus. Und die Ampeln auf grün", beschreibt Vybiral die ausgezeichnete Stimmung in Österreichs Wirtschaft. Der Optimismus ist demnach auch quer durch alle Unternehmensgrößen spürbar. Ganz besonders scheinen Unternehmen mit Mitarbeitern von 301 bis 500 Mitarbeitern von dem Positivtrend zu profitieren: 67 Prozent von ihnen berichten von steigender Umsatzentwicklung, das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dieser Wert ist umso bemerkenswert, weil im Vorjahr noch 13 Prozent dieser Mittleren Unternehmen noch mit rückläufigen Umsätzen gerechnet haben. Heute ist die Zahl der Unternehmen, die mit rückläufigem Geschäft rechnen gleich null.

Aber auch bei den Großunternehmen blickt man offensiv in die Zukunft. 79 Prozent der Großunternehmen stufen ihre Geschäftslage als gut oder sogar sehr gut einstufen.

Die positive Grundstimmung - "die es in dieser Form bisher noch nie gegeben hat" - bleibt daher auch nicht ohne Wirkung auf die Zahlungsmoral. Hier heben sich vor allem Österreichs Gemeinden hervor, die schneller ihre Rechnungen zahlen schneller als im Vorjahr

Im internationalen Vergleich ist Österreich bei der Zahlungsmoral auf Rang 2 hinter Deutschland. Das durchschnittliche Zahlungsziel in Österreich beträgt 24 Tage, der Zahlungsverzug im Schnitt 5 Tage. In Deutschland sind es 24 Tage Zahlungsziel mit einem Verzug von 1 Tag. Der Schnitt in Europa ist 32 Tage Zahlungsziel und elf Tage Verzug. Italien hat bei der Zahlungsmoral die "Rote Laterne". Das Zahlungsziel beläuft sich bei 50 Tagen, der Zahlungsverzug 35 Tage was zu einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 85 Tagen führt. Griechenland ist Vorletzter mit 60 Tagen Zahlungsdauer -54 Tage Zahlungsziel und 6 Tage Zahlungsverzug im Schnitt.

Die positiven Wirtschaftsdaten in Österreich schlagen sich auch in der Zahlungsmoral bei Firmen, Privatkunden sowie im öffentlichen Sektor nieder.

Eine "unverändert gute Disziplin" stellen die Unternehmen im Zahlungsverhalten der Firmenkunden fest. 65 Prozent der heimischen Unternehmen sind zufrieden mit der Zahlungsmoral ihrer Firmenkunden. Im Vorjahr waren es noch 53 Prozent der Unternehmen. 14 Prozent der Befragten haben sogar eine Verbesserung festgestellt, was drei Prozent mehr sind als noch im Vorjahr.

Bei Firmenkunden ist die Zahlungsdauer so gut wie im Vorjahr. 29 Tage beträgt der Schnitt bis die Rechnungen beglichen werden. Auch bei Privatkunden dauert es durchschnittlich 17 Tage - wie im Vorjahr - bis die Rechnungen bezahlt werden (siehe auch Grafik u.).

Gebessert hat sich die Zahlungsmoral vor allem bei Gemeinden und Ländern. So haben die Gemeinden die Zahlungsdauer um immerhin zwei Tage gegenüber dem Vorjahr auf 30 Tage verbessert. Die Länder zahlen heuer ihre Rechnungen um einen Tag früher und benötigen im Schnitt 36 Tage. Der Bund braucht wie im Vorjahr 37 Tage zur Begleichung seiner Rechnungen.

Große Unternehmen zahlen im Durchschnitt aber später als kleine und mittlere Firmen, sagt t Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH. die Hauptgründe fürs die verspäteten Zahlungen liege vor allem an der Ineffizienz der Abläufe in den Unternehmen (54 Prozent), an finanziellen Engpässen (48 Prozent) und sind auch in der Machtposition zu begründen, die Unternehmen für sich vor allem aufgrund der Unternehmensgröße reklamieren und ausnutzen (39 Prozent). "Größe verleiht Macht", so Koch. Ein weiteres Drittel der Spätzahler macht dies auch mit Absicht (32 Prozent), wobei die Zahl der vorsätzlichen Spätzahler laut Koch um zehn Prozent zurückgegangen ist. Überschuldung (11 Prozent) und Bestreitung (5 Prozent) sind weitere Gründe für die Überschreitung von Zahlungszielen.

Koch warnt vor einem saloppen Umgang mit der Begleichung der Rechnung sowie vor ineffizienten, veralteten Strukturen: "Verspätete Zahlungen haben auch negative Auswirkungen auf das eigene Rating. Schon aus diesem Grund sollte man die internen Wege überprüfen und optimieren."

Immer mehr setzt sich bei Zahlungsverzug auch die Verrechnung von Mahnspesen und Verzugszinsen durch. Bahnbrechend sei die im Jahr 2013 verabschiedete Zahlungsverzugsrichtlinie gewesen. 44 Prozent der Unternehmen - um 5 Prozent mehr als im Vorjahr - würden bei Zahlungsverzug Mahnspesen und Verzugszinsen berechnen. Allerdings würden noch immer ein Drittel der Unternehmen bei Zahlungsverzug noch immer keine Mahnspesen verrechnen, obwohl dies im Vertrag vereinbart war. 59 Prozent der Unternehmen würden sich laut KSV-Erhebung mit der Bezahlung der Kapitalforderung letztlich zufrieden geben,

Angekommen bei Industrie 4.0

Doch nicht bei den Umsätzen und der Zahlungsmoral gibt es Optimismus, sondern auch bei den Zukunftsthemen haben die Unternehmen zwischen Bodensee und Neusiedler See eine äußerst positive Einschätzung. "Bei der Digitalisierung und Roboterisierung sind österreichische Unternehmen sehr gut unterwegs", sagt Vybiral. Zwar sei dabei ein West-Ost-Gefälle zu erkennen. "Jedes Unternehmen hat die Zukunftsthemen oben auf der Agenda", so der KSV1870-Vorstandschef.

Das Gefälle ist laut Vybiral auf die große Zahl der Cluster in Westösterreich zurückzuführen und vor allem auf die noch stärkere Exportorientierung der Unternehmen im Westen mit der Verzahnung der Wirtschaft im süddeutschen Raum. "Industrie 4.0 findet im Westen Österreichs schon statt", sagt Vybiral. Aber auch im Osten gibt es kein Unternehmen, das zu Industrie 4.0 auf Distanz geht. "Das Mindeste ist, dass die Unternehmen sagen, dass sie das Ernst nehmen."

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