KSV: Keine Entwarnung an der Pleitefront für 2017

Die Wirtschaftsforscher rechnen mit einem Anstieg des Wirtschaftswachstums. Was gut für die Wirtschaft ist, belebt allerdings auch die Zahl der Insolvenzen. Die Gläubigerschützer vom KSV1870 sehen trotz Rückgang der Pleiten alles andere als eine Entwarnung bei Firmenpleiten.

KSV: Keine Entwarnung an der Pleitefront für 2017

„Eine Schwalbe macht keinen Sommer und der leichte Rückgang der Insolvenzen im ersten Quartal ist kein Indikator für die Entwicklung im gesamten Jahr" warnt der KSV1870-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vor allzu großer Jubelstimmung, aufgrund des Rückgangs der Insolvenzfälle. Im Blick auf die Zukunft und der im Verlauf des Jahres zu erwartenden Zinserhöhungen müsse heuer sogar mit einem Anstieg der Insolvenzfälle gerechnet werden.

In Europa rechnet man bis September mit einer Zinserhöhung der EZB, die infolgedessen sich auf die Wirtschaft durchschlagen wird. Zinserhöhungen und die Erholung der Wirtschaft würden für die Insolvenzstatistik genau Gegenteiliges bewirken. Kantner: "Sie sind Vorboten, dass es im Lauf des Jahres 2017 noch eine Belebung des Insolvenzgeschehens geben wird. Denn langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass mit dem beginnenden Aufschwung aus einem Konjunkturtal auch die Insolvenzen anspringen“.

Wirtschaftsforscher rechnen mit einem Wirtschaftsaufschwung. Die Wertschöpfung der österreichischen Wirtschaft zeigt laut den Frühindikatoren auf ein Wachstum von 2,0 Prozent und mehr für das Jahr 2017.

Im ersten Quartal 2017 wird dennoch laut KSV-Insolvenzstatistik ein Rückgang der Pleiten verzeichnet. 1298 Unternehmen schlitterten in die Insolvenz, das waren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent weniger Pleitiers. Gegen 787 Unternehmen wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet (siehe Grafik, u.) . Die angehäuften Schulden beliefen sich auf 300 Millionen Euro, was um 73,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartal war. In diesen Unternehmen waren in Summe 4.100 Dienstnehmer beschäftigt. Im Vorjahreszeitraum wurden durch die Pleiten 6000 Jobs vernichtet. Pro Werktag sind heuer somit statistisch 20 Unternehmen zum Insolvenzgericht marschiert. Die Schuldenhöhe belief sich somit pro Werkstag auf 4,7 Mio. Schulden und 64 Dienstnehmern, die ihre Jobs verloren haben.

Die Anzahl der „nicht eröffneten Insolvenzen“, früher (bis 2010) laut KSV als "abgewiesene Konkurse" bezeichnet, ist um 1,6 Prozent auf 511 Fälle gestiegen.

Der extrem Rückgang lässt sich auf die fehlenden Großinsolvenzen zurückführen. Im Vorjahresquartal schlugen drei Großinsolvenzen zu Buche, die es auf über 840 Millionen Euro Schulden gebracht hatten. Insgesamt beliefe sich somit die Verschuldung Ende des 1. Quartals des Vorjahres auf 1,137 Mrd. Euro (siehe Grafik, u.) . Ohne die drei Ausreißer würden der Wert der heurigen Pleiten sogar über dem Wert des Vorjahres liegen, wie der KSV1870 berechnet hat. Die Zahl der "nicht eröffneten Insolvenzen" ist hingegen mit 511 Fällen um 1,6 Prozent angestiegen. Dabei handelt es sich um Insolvenzen, bei denen kein Insolvenzverfahren mehr eröffnet wurde.

"Es handelt sich dabei um Fälle, bei denen der Geschäftsinhaber seinen Rechtspflichten auf Antrag eines Insolvenzverfahrens nicht rechtzeitig nachgekommen ist" ,sagt KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral. Bei den "nicht eröffneten Insolvenzfällen" handelt es sich demnach um Unternehmen, die so ausgezehrt sind, dass die Eröffnung eines geordneten Insolvenzverfahrens nicht mehr wirtschaftlich darstellbar ist. Mehr als 60 Prozent aller Fälle wurden denncoh zu einem Insolvenzverfahren.

Die für Pleiten anfälligsten Branchen kommen aus der Bauwirtschaft, den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie aus dem Gastgewerbe. Die Bauwirtschaft hält seit Jahren den Spitzenplatz, wurde heuer nach der Höhe der Passiva von den Unternehmensbezogenen Dienstleistungen eingeholt. Trotz Tourismusboom und Steigerung der Konsumausgaben für Gastronomie hat auch das Gastgewerbe bei den Pleiten zugelegt. Die oft ins Feld geführte Registrierkassenpflicht dürfte dabei eher als Schutzbehauptung der Pleitiers herhalten.

Im Bundesländerranking ist Wien mit 442 Firmenpleiten (Vorjahr: 418; plus 17,8 Prozent) wieder an erster Stelle, Niederösterreich folgt mit 219 (plus 4,3 Prozent) und selbst da boomende Oberösterreich kommt auf 162 Pleitefälle (plus 1,9 Prozent) auf Rang 3.

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