Jungunternehmen: Die ersten Jahre sind die schwersten

Jungunternehmen: Die ersten Jahre sind die schwersten

Pleite: Die großen Erwartungen vieler Gründer sind oft schon nach kurzer Zeit restlos zerstört.

In Österreich weht ein neuer Wind. Nicht zuletzt wegen der Erfolgsgeschichten rund um Start-ups und Unicorns steigt die Zahl der Unternehmensgründungen stetig an. 2015 wurden wieder um um sechs Prozent mehr Unternehmen gegründet. Für etliche ist aber bald auch wieder Schluss.

Ein eigenes Unternehmen gründen, die eigenen Ideen verwirklichen und damit erfolgreich sein. "Start-up" statt "fed-up" ist die Devise. Weltweit, auch in Österreich, wagen immer mehr Schul- und Studienabgänger, aber auch Berufsaussteiger den Schritt in die Selbstständigkeit: 39.563 Unternehmen wurden hierzulande im Jahr 2015 neu gegründet.

Ob klassischer Handwerksbetrieb oder modernes Technologie-Start-up - eines müssen die Gründer in jedem Fall mitbringen: Die Bereitschaft, Risiko auf sich zu nehmen und außerordentlich viel Energie in den Aufbau des eigenen Betriebes und der Weiterentwicklung einer Idee stecken, die zumeist ganz klein begonnen hat.

Gründungsjahre und Insolvenzen

Pleite: Nach zwei Jahren ist das Risiko am größten.

Dass Österreich diesen Unternehmergeist braucht und dass dieser auch entsprechend unterstützt werden soll, steht außer Frage. "Jungunternehmer bringen frischen Wind in die heimische Unternehmenslandschaft und sind Symbol für die Stimmung in der Wirtschaft, die zusehends wieder positiver wird", befindet etwa Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG.

Der Traum vom erfolgreichen Start-up, das nächste Unicorn aufzubauen oder der nächste Mark Zuckerberg zu werden, ist jedoch für viele auch schneller wieder ausgeträumt, als ihnen lieb ist. Mehr als ein Drittel der im letzten Jahr in die Insolvenz geschlitterten Unternehmen war noch keine drei Jahre alt. Und im selben Ausmaß wie die Zahl der neu gegründeten Unternehmen gestiegen ist, nämlich um sechs Prozent, ist auch der Anteil der gescheiterten Jungunternehmen an den Gesamtinsolvenzen im Land gestiegen.

Anteil der Jungunternehmer an den Gesamtinsolvenzen 2015

Anteil der Jungunternehmer an den Gesamtinsolvenzen 2015

Hit or fail

Groß herauskommen oder scheitern - für viele Gründer gibt es oft nichts dazwischen. Doch gerade dieser Traum vom "Next big thing", der ohnehin nur Realität werden kann, wenn viele Faktoren stimmen und dazu auch die richtige Portion Glück mit im Spiel ist, führt oft in die Irre. Jedem muss Gründer klar sein, dass die ersten Jahre auch die Jahre der Bewährung sind, eine Feuertaufe. In dieser Zeit da erweist sich, ob realistisch geplant, richtig finanziert und mit Tüchtigkeit und Glück gearbeitet wurde.

Je mehr gegründet wird, desto mehr junge Insolvenzen gibt es auch, das ist die simple Erkenntnis, die der Kreditschutzverband KSV1870 aus der Insolvenzstatistik des Jahres 2015 herausliest. Am häufigsten scheitern Jungunternehmen demzufolge in Wien - hier liegt die Ausfallsquote bei 44 Prozent - und am seltensten in Vorarlberg. Woran das liegt? Eine realistische Planung ist ein Schlüssel zum Erfolg, die richtige Finanzierung ein weiterer. Und hier scheinen die Vorarlberger wesentlich bedachter als die Wiener zu sein. Was möglicherweise an der Nähe und zu Liechtenstein und der Schweiz und der Orientierung an den beiden Ländern liegt.


Mehr Informationen zum Thema Insolvenzen und Beratungen für Gläubiger finden Sie auf der Webseite des KSV1870.

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