Insolvenzen sinken 2017 auf 20-Jahres-Tief

Die Privatkonkurse sind rückläufig, die Zahl der Unternehmensinsolvenzen so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Doch von Entwarnung will der KSV1870 nicht sprechen. Nur dank einer Gesetzesnovelle kam es zu einem Rückgang bei den Pleiten, der zu einem "Rückstau" führte.

Insolvenzen sinken 2017 auf 20-Jahres-Tief

Die Zahl der Pleiten ist im abgelaufenen Jahr 2017 kräftig zurückgegangen - sowohl bei Privatinsolvenzen als auch bei Unternehmenspleiten. Die Zahl der Privatpleitiers ist um 13,6 Prozent auf 6.921 Fälle zurückgegangen. Die Zahl der Unternehmenspleiten auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. So mussten 2017 5.079 Unternehmen Insolvenz anmelden, was gegenüber dem Jahr 2016 ein weiterer Rückgang von 2,8 Prozent bedeutet.

Als Ursache für den kräftigen Rückgang der Pleiten nennt der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) die Gesetzesnovelle zum Insolvenzrecht, die im Vorjahr im Nationalrat beschlossen wurde.

Trotz kräftigem Rückgang bei den Privatinsolvenzen ist die durchschnittliche Einzelverschuldung spürbar gestiegen ist. „Die im November in Kraft getretene Gesetzesnovelle sieht Erleichterungen, aber auch neue Pflichten für Schuldner vor", sagt Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870. Die neuen Regelungen und die Diskussion im Vorfeld hätten dazu geführt, dass Schuldner mit der Konkursanmeldung gewartet haben. Beim KSV rechnet man damit, dass der dadurch entstandene "Rückstau" im Jahr 2018 zu einer Zunahme bei den Privatkonkursen führen wird.

"Wie von uns prognostiziert, hat sich dieser Rückstau nach Inkrafttreten jedoch nicht schwunghaft aufgelöst. Ich gehe davon aus, dass er in den nächsten Monaten stetig abgetragen werden wird", sagt Kantner.

Eine ähnliche Situation gab es bei den Unternehmensinsolvenzen im Jahr 1997. Aufgrund einer Insolvenzrechtsreform (IRÄG 1997) hatte es damals nur 4.816 Firmeninsolvenzen gegeben. Der Grund war damals eine wesentlich längere und aufwändigere Prüfung durch die Gerichte. Im Folgejahr 1998 stiegen die Insolvenzen wieder aufgrund eines Nachzieheffekts.

Die insolventen Unternehmen haben einen Schuldenberg von rd. 1,9 Mrd. Euro angehäuft. Betroffen sind dabei laut KSV 75.100 Gläubiger. Im Jahr 2016 war der Schuldenberg mit 2,8 Mrd. Euro noch um 35 Prozent höher (s. Grafik,u.).

Besonders ausgeprägt ist der Rückgang der Pleiten in den Bundesländern Wien, Oberösterreich und in der Steiermark. Vier der fünf größten Firmenzusammenbrüche hatte aber Oberösterreich zu verkraften. Es handelt sich um die Imperial-, die Wozabal- und die Reifen Bruckmüller-Gruppe sowie die FS Agrartechnik GmbH (vormals BISO Schrattenecker.

Die Pleiten am Smartphone

Um noch schneller über Insolvenzfälle zu informieren, hat der KSV1870 nun einen Insolvenzticker als WhatsApp-Service gelauncht. Nutzer können somit das Service laufend via Smartphone nutzen „Zwei Mal täglich spielen wir nun die aktuellen Unternehmensinsolvenzen über den Ticker aus. Die Informationen sind nach Anmeldung erhältlich, topaktuell und kostenfrei verfügbar“, sagt KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral.

Das Service soll den KSV-Kunden helfen bei der Schadenseindämmung. “Tritt eine Insolvenz ein, so kann mit einer raschen Reaktion in vielen Fällen der Schaden begrenzt werden, etwa indem Lieferungen eingestellt werden", sagt KSV-Chef Vybiral. "Zeit ist dabei Trumpf. Mit unserem neuen Service verschaffen wir Unternehmen einen Informationsvorteil, damit sie rechtzeitig die Notbremse ziehen und ihre Forderungen rasch anmelden können.“

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