Griffner-Boss: "Große Visionen können für eine Firma zum Sargnargl werden"

2013 schlitterte der Fertigteilhausspezialist Griffner mit 24 Millionen Euro in die Pleite. Im März 2013 übernahm Georg Niedersüß, Sproß einer der ältesten Unternehmerfamilien Österreichs, um sechs Millionen Euro die Marke Griffner, samt Mitarbeiter und Produktion und startete neu durch. Heuer will Niedersüß und Stefan Jausz, mit dem er gemeinsam die Geschäfte leitet, bereits wieder schwarze Zahlen schreiben.

Griffner-Boss: "Große Visionen können für eine Firma zum Sargnargl werden"

Format: Herr Niedersüß, Sie haben eine Firma übernommen, bei vor der Übernahme so ziemlich alles falsch gemacht worden ist, was man falsch machen kann. Ist das nicht ein hohes Risiko so eine Firma zu übernehmen? Selbst wenn Sie nur die Mitarbeiter und das gesamte Umlaufvermögen also die Marke, Patente und dergleichen übernommen haben, ohne die Schulden?

Niedersüß: Wir sind bei Null gestartet. Der Vorteil war, dass Stefan Jausz, der nunmehrige Geschäftsführer von Griffner, bereits vor der Übernahme im Management von Griffner gearbeitet hat. So hat er unter anderem den italienischen Markt aufgebaut und das Marketing vorangetrieben. Er hat aber 2009 die Firma verlassen, weil er das Vorgehen des übrigen Managements nicht mehr mittragen wollte. Nachdem ich die Firma übernommen habe, hat er durch seine Vorkenntnisse die Situation leichter beurteilen können und wir konnten so rasch Prioritäten setzen. Ohne dieses Wissen wäre es tatsächlich ein Sprung ins kalte Wasser gewesen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie ausgetauscht oder gekündigt?

Niedersüß: Die Firma hatte vor der Insolvenz knapp 200 Mitarbeiter. Nach der Restrukturierung haben wir mit den 100 besten wieder von vorne angefangen. Ein paar Monate nach der Übernahme ist dann die Organisationsstruktur wieder gestanden.

Wann haben Sie das erste Fertigthaus nach der Übernahme verkauft?

Niedersüß: Sieben Wochen später haben wir das erste Haus produziert und aufgestellt. Im Vorjahr haben wir, nachdem wir im März gestartet sind, schon acht Millionen Euro umgesetzt. 2014 wollen wir den Umsatz verdoppeln.

Haben Sie manchmal daran gezweifelt, dass Sie das Ruder tatsächlich herumreißen können?

Niedersüß: Wir haben gerade in der Anfangsphase nicht gewusst, ob es wirklich funktionieren wird. Wir hatten schließlich nicht nur eine Restrukturierung zu bewerkstelligen, sondern haben es auch mit 50 höchst verärgerten Altkunden zu tun gehabt. Deren Häuser waren vor der Insolvenz nicht mehr in der geforderten Qualität geliefert wurden oder es sind Teile nicht mehr geliefert worden.

Ist es Ihnen gelungen die verärgerten Kunden zufrieden zu stellen?

Niedersüß: Es ist uns zu 95 Prozent gelungen, die Mängel zu beheben. Dort wo es Schwierigkeiten gab, die im Zusammenhang mit der Insolvenz aufgetreten sind, haben wir versucht alle so weit als möglich wieder in Ordnung zu bringen. Nicht dass die Qualität bei Griffner davor nicht gut war. Im Gegenteil, aber als es Richtung Insolvenz ging, hatten die Mitarbeiter zum Teil kein gutes Material und keine gute Ausrüstung mehr zur Verfügung. Keine guten Voraussetzungen um Kunden zufrieden zu stellen. Besonders hart hat es einen Kunden aus Italien getroffen. Er hat 14 Tage vor der Insolvenz das gesamte Geld für sein Griffner-Haus überwiesen und hätte de facto alles verloren. Aber wir haben uns dafür eingesetzt, dass alle Lieferanten mitgeholfen haben und etwa die bereits für ihn gefertigter Fenstern und andere Teile fast umsonst bekommen hat. Auf diese Weise hat er letztlich nur eine geringe Summe verloren.

Wenn ein Unternehmen in die Insolvenz schlittert, das auf den Bau von Familienhäusern spezialisiert ist, geht auch das Vertrauen verloren. Schließlich stehen bei so einer Investition meist das gesamte Ersparte und ein hoher Kredit noch dazu auf dem Spiel. Wie haben Sie es geschafft, dass Kunden wieder in Griffner-Häuser investieren?

Niedersüß: Wir haben alle potentiellen Kunden nach Griffen eingeladen sich die Produktion anzuschauen und sich selbst ein Bild zu machen. Außerdem haben wir, nachdem wir für die ersten Kunden bereits Häuser fertiggebaut haben, nach Rücksprache mit diesen, Interessenten dazu eingeladen, sie sollen Kunden, die bereits ein Haus von uns haben, anrufen und sie nach ihren Erfahrungen fragen. Wer aber trotzdem unsicher war und eine Erfüllungsgarantie wollte, hat sie auch bekommen. All diese Maßnahmen haben letztlich gewirkt.

Auch Ihr guter Name dürfte seinen Anteil daran gehabt haben.

Niedersüß: Das Unternehmen meiner Familie gibt es seit 1707 und zählt damit zu den ältesten Familienunternehmen Österreichs. 2007 haben wir eine große Firmenbroschüre herausgegeben, die wir den Leuten, die ein Griffner Haus kaufen wollten, gezeigt haben. Das hat ihnen sicher auch noch zusätzliches Vertrauen gegeben.

Wann erwarten Sie schwarze Zahlen?

Niedersüß: Ich gehe davon aus, dass wir bereits heuer, im ersten vollen Geschäftsjahr, positiv bilanzieren. Wir werden heuer rund 70 bauen und maximal 100 Häuser verkaufen. Unser Ziel ist es jedoch mittelfristig im Schnitt 100 bis 150 Fertigteilhäuser zu bauen.

Griffner ist auch in Norditalien, Süddeutschland und der Ostschweiz vertreten. Wo sehen Sie in diesen Ländern das größte Wachstumspotential?

Niedersüß: Vor allem in Deutschland ist der Anteil von Fertigteilhäusern mit 16 Prozent vergleichsweise niedrig. Aber die Tendenz ist steigend. Aber auch in Norditalien sehen wir gute Chancen, wenn der Anteil auch bei 30 Prozent liegt. Außerdem sprechen sowohl Stefan Jausz als auch ich italienisch, was doch ein erheblicher Vorteil ist. Zwei Drittel der Häuser verkaufen wird aber derzeit in Österreich.

Die Banken sind bei der Vergabe von Krediten auch für Häuselbauer restriktiver geworden. Schwächt das Ihre Wachstumsmöglichkeiten?

Niedersüß: Dafür sind die Kredite günstiger als früher. Der Nachteil wird dadurch in etwa aufgewogen.

Griffner zählt jedoch zu den hochpreisigen Anbietern. Planen Sie in Zukunft auch kleinere Fertigteilhäuser oder mit günstigeren Materialien ausgestattete Häuser anzubieten.

Niedersüß: Nein, wir bleiben unserem Verständnis ökologische und qualitativ hochwertige Fertigteilhäuser mit viel edlem Holz zu bauen treu. Aber wir haben den Wunsch zahlreicher Kunden aufgekommen und bieten nun erstmals eine Bungalow-Serie an.

Sind Bungalows nicht meist kleiner als zweistöckige Häuser?

Niedersüß: Nur niedriger. An der Gesamtfläche des Fertigteilhauses wird sich nichts ändern. Wir stehen dafür, dass unsere Architektur ein großzügiges Raumangebot ermöglicht. Die Bungalows benötigen eine doppelt so große Grundfläche wie der Klassiker von Griffner Haus. Das erste Musterhaus wird im Herbst in der Blauen Lagune in Vösendorf präsentiert. Der Spatenstich war gerade vor wenigen Tagen. Das kleinste Modell hat eine Wohnfläche von 137 Quadratmeter und das gibt es ab 260.000 Euro. Generell gibt es schlüsselfertige Häuser ab 2.000 Euro pro Quadratmeter. Wer Heizung, Elektroinstallationen, Fußboden, Fließen und Türen selber einbauen lassen will, zahlt rund 1.300 Euro pro Quadratmeter. Aber wer es gerne luxuriös hat, sollte 3.000 Euro einkalkulieren.

Wird sich die Architektur der neuen Bungalow-Serie stark vom bisherigen Klassiker abheben?

Niedersüß: Wir wollen an den Erfolg des Griffner Classic Hauses anschließen und haben daher Ari Griffner, der bereits den Klassiker entworfen hat, für die Bungalow-Serie engagiert.

Ex-Griffner-Geschäftsführer Thomas Lenzinger wollte in das Gewerbebaugeschäft groß einsteigen. Wie sieht es mit diesen Plänen aus?

Niedersüß: Der Gewerbebau ist ein hartes Geschäft. Da geht es auch stark darum, wer den günstigsten Preis bieten kann. Aber dieser Wettbewerb kann sich für einen Anbieter, der wie wir auf Qualität setzt, nicht rechnen.

Lenzinger wollte Griffner auch wesentlich internationaler aufstellen.

Niedersüß: Wir besinnen uns lieber auf unsere Wurzeln als solides mittelständisches Unternehmen. Zu viele Visionen können, wie man gesehen hat, auch zum Sargnagel einer Firma werden.

Ihre Firma hat bis 2010 in Kärnten und der Steiermark neun Obi-Märkte besessen und hat mit 420 Mitarbeitern 70 Millionen Euro im Jahr Umsatz gemacht. Stammt daher die Affinität zum Hausbau?

Niedersüß: Ich habe die Märkte nicht nur betrieben, sie wurden unter meiner Leitung auch gebaut. Nachdem ich alle Obi-Märkten verkauft habe, habe ich mich um die Entwicklung der Familien-Immobilien gekümmert, aber mich während dessen bereits intensiv um den Zukauf eines mittelständischen Unternehmens bemüht.

Warum ist ihre Wahl auf Griffner gefallen?

Niedersüß: Weil es ein schönes Geschäftsmodell ist. Als ich die Obi-Märkte geleitet habe, hatte ich zwei Millionen Kunden und kaum einen davon gekannt. Jetzt kenne ich alle Kunden persönlich und erlebt mit wie ein Haus entsteht und sie sich daran erfreuen. Außerdem habe ich schon immer gerne gebaut. Manche haben früher schon behauptet, dass mir das Bauen von Obi-Märkten lieber war, als sie zu betreiben. Privat würde ich am liebsten auch noch ein Haus bauen. Durch meine Erfahrungen bei Obi kann ich neben den kaufmännischen Erfahrungen auch von denen im Einkauf profitieren. Schließlich wurden rund 100.000 Quadratmeter unter meiner Führung gebaut. Jausz wieder, der vor Griffner Chef des Fertigteilhausanbieters Wigo Haus war, bringt neben Marketing auch viel Vertriebserfahrungen mit. Wir ergänzen uns also sehr gut.

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