370 Gläubiger machen Thomas Cook Austria die Rechnung

370 Gläubiger machen Thomas Cook Austria die Rechnung

Thomas Cook-Pleite: Schlechte Aussichten auf Entschädigung für die Gläubiger. Die Schulden belaufen sich auf fast dem Dreifachen als der vom Insolvenzverwalter bisher anerkannten Forderungen.

Wien. Die österreichischen Gläubiger des Reisekonzerns Thomas Cook Austria AG haben nun ihre Forderungen angemeldet: 370 Gläubiger haben am Handelsgericht Wien Forderungen im Gesamtwert von 10,4 Millionen Euro geltend gemacht.

Das ist einiges mehr, als der Insolvenzverwalter bislang festgestellt hat. Zuletzt wurden nur Forderungen in der Höhe von 3,8 Millionen Euro anerkannt. Laut Gläubigerschutzverband KSV1870 sei mit weiteren Anerkennungen von Forderungen zu rechnen. "möglicherweise bestehen Haftungen für verbundene Unternehmen im höheren Millionenbereich", teilt der KSV mit. "Bis dato wurden jedoch keine Forderungsanmeldungen aufgrund dieser Haftungen im Insolvenzverfahren geltend gemacht. Aus diesem Grund ist derzeit auch keine seriöse Quotenprognose möglich."

Bei der Konkurseröffnung im Herbst war man noch von Aktiva in Höhe von 41 Mio. Euro und Passiva bis zu 38 Mio. Euro ausgegangen - bisher angemeldet wurden aber nur die oben genannten Forderungen von gut 10 Mio. Euro. "Es ist schwer abzuschätzen, was wirklich dazukommt - das kann explodieren", sagt Insolvenzexpertin Tanja Schartel vom KSV1870. Doch auch die Aktiva könnten sich noch vermehren. "Wir haben sehr viele Forderungen gegenüber anderen Gesellschaften - zum Beispiel gegenüber Deutschland haben wir einen Überhang von 1 Mio. Euro aus einem Gesellschafterdarlehen."

Über dem Verfahren schweben noch Haftungen "im höheren Millionenbereich", so die vorsichtige Formulierung der Kreditschützer. "Wenn die geltend gemacht werden, ist es eine Nullquote - wenn nicht, ist es eine schöne Quote, dann können die Gläubiger mit 20 Prozent rechnen", sagte die KSV-Insolvenzexperting Schartel.

In der Bilanz der Thomas Cook Austria stehen jedenfalls Haftungen gegenüber der ebenfalls insolventen britischen Muttergesellschaft Thomas Cook plc drin, die aber laut Masseverwalter Hödl "abgewehrt werden können". Die Formulierung zwischen der britischen und der österreichischen Gesellschaft dürfte Branchenkennern zufolge "nicht ganz korrekt gelaufen sein", deshalb stünden die Chancen gut, da herauszukommen.

Eine positive Überraschung in dem Verfahren gab es bereits, obwohl kaum jemand noch damit gerechnet hatte. Die 100-prozentige Ungarn-Tochter NUR Neckermann der österreichischen Thomas Cook konnte um 4 Mio. Euro verkauft werden. "Die Verwertung der Ungarn-Gesellschaft hat uns bisher hauptsächlich beschäftigt", berichtete Schartel. Der Betrieb in Ungarn habe seitens der Geschäftsführung aufrechterhalten werden können, da im Firmenwortlaut nicht die Bezeichnung "Thomas Cook" aufscheine, meinte der KSV1870. Anders als in Österreich, wo man mit der Eröffnung der Insolvenz auch gleich die Tichterfirmen hierzulande geschlossen hatte, weil unter dem Firmennamen Thomas Cook keine Aussicht bestand überhaupt Reisen noch verkaufen zu können.

Die Verwertung der Vermögensgegenstände hatte in Österreich bisher lediglich 1,3 Millionen Euro erbracht, die auf dem Konto des Insolvenzverwatlers gelandet sind.

Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook Austria AG war mit einer Überschuldung von insgesamt 38 Millionen Euro im Jahr 2019 die drittgrößte in Österreich. Kurz nach der Insolvenz wurde die Österreich-Tochter geschlossen.

Auf der ursprünglichen Gläubigerliste, die auch bei Gericht aufliegt, stehen 10.000 bis 15.000 Gläubiger weltweit - darin enthalten sind laut KSV1870 vermutlich auch Pauschalreisende. Alle seien vom Gericht über das Verfahren verständigt worden. "Es werden sicher noch Gläubiger kommen", ist Schartel überzeugt. Einige Hotels hätten beispielsweise versucht, ihre Forderungen direkt beim Masseverwalter anzumelden, statt bei Gericht. "Es sind so um die 30 Hotels vor allem in Tirol, Salzburg und Kärnten betroffen, die gegenüber der österreichischen Thomas Cook im Schnitt jeweils 5.000 Euro offen haben. Ein spanisches Hotel versuche, eine Forderung in Höhe von 700.000 Euro geltend zu machen.

Auf österreichischer Seite von den Gläubigerschützern schwer einschätzbar ist allerdings, wie viel die heimischen Hotels bei der Schweizer Thomas Cook International an Forderungen haben. "Das müssen sie in der Schweiz anmelden, dort geht das direkt beim Verwalter, nicht bei Gericht", erklärte Schartel. Das ist für die Gläubiger billiger. Allerdings liefen früheren Angaben der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) zufolge fast alle Verträge der österreichischen Beherbergungsbetriebe über die Schweizer Gesellschaft. Die Schweizer Thomas Cook war "der wichtigste Vertragspartner" für die österreichischen Hotels und ist seit 1. Oktober 2019 in Konkurs.

In Deutschland haben Betroffene der Thomas-Cook-Pleite laut Versicherung bisher einen Schaden von 250 Millionen Euro gemeldet. Die kürzlich erfolgte Absage aller Thomas-Cook-Reisen nach dem Jahreswechsel werde die Forderungen weiter erhöhen, erklärte der Schadenvorstand der Versicherers Zurich Gruppe Deutschland, Horst Nussbaumer, im Touristik-Fachmagazin fvw.



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