Nach Baumax-Pleite: Museum Essl wird für Besucher geschlossen

Nach Baumax-Pleite: Museum Essl wird für Besucher geschlossen
Nach Baumax-Pleite: Museum Essl wird für Besucher geschlossen

Alleine im Museum: Karlheinz Essl

Das von Baumax-Gründer Karlheinz Essl initiierte Kunstmuseum Essl in Klosterneuburg muss nach 17 Jahren den Ausstellungsbetrieb einstellen. Das Museum wird am 1. Juli geschlossen und künftig nur noch als Depot genutzt. Der Leihbetrieb soll fortgeführt werden.

Das Essl Museum in Klosterneuburg stellt mit 1. Juli 2016 den Ausstellungsbetrieb ein. Die Finanzierung sei trotz aller Bemühungen nicht mehr möglich, erklärte der Museumsgründer und frühere Baumax-Chef Karlheinz Essl am Dienstag anlässlich der Presseführung zur Schau "Body & Soul", die am Abend eröffnet wird.

Das Museum war aufgrund der finanziellen Probleme der Baumax-Kette von Museumsgründer Karlheinz Essl in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner hatte sich schließlich über eine Stiftung an der Kunstsammlung Essls mit 60 Prozent beteiligt und einen "sparsameren Museumsbetrieb" angekündigt.

Die Sammlung Essl, an der sich im Zuge der Baumax-Turbulenzen der Industrielle Hans-Peter Haselsteiner beteiligt hat, bleibt von der Schließung des 17-jährigen Ausstellungsbetriebs unberührt, sagte Karlheinz Essl. Das Museum werde weiterhin als Depot für die Werke genutzt, Archiv, Restaurierung und Technik bleiben - mit vier Mitarbeitern - ebenso erhalten wie der internationale Leihverkehr.

Die übrigen der insgesamt 42 Mitarbeiter verlieren allerdings ihren Job, bedauerte der Sammler, der seinem hervorragenden Team dankte. Um einen besseren Übergang dafür zu schaffen, neue berufliche Herausforderungen zu finden, sei die Schließung des von Architekt Heinz Tesar geplanten Hauses um ein Quartal hinausgezögert worden.

Verlust für Niederösterreich

Das Land Niederösterreich wäre bereit gewesen, einen "wesentlichen Beitrag" für den Betrieb zu leisten, wenn der Bund im selben Ausmaß eingestiegen wäre. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) habe aber abgelehnt, so Essl (angedacht war eine Finanzierung zu je einem Drittel). Die Finanzierung der Ausstellungsbetrieb kann Essl alleine nicht stemmen.

Nach der heutigen Eröffnung von "Body & Soul" wird am 4. Mai mit "Die Sammlung eSeL", einem partizipativen Ausstellungsprojekt von Lorenz Seidler, noch eine allerletzte Ausstellung eröffnet, Konzerte und Lesungen stehen ebenfalls noch auf dem Programm. Vom 25. bis 30. Juni sollen dann "open days" bei freiem Eintritt die letzte Möglichkeit geben, das Museum zu besuchen.

"Die Familie Essl hat den Bau des Essl Museums und alle laufenden Kosten für Betrieb und Ausstellungen 17 Jahre lang aus eigenen Mitteln finanziert. Dies ist nun leider nicht mehr möglich", begründete Karlheinz Essl die mit Juli angekündigte Schließung des Hauses, nachdem eine Finanzierungszusage des Bundes ausgeblieben war.


Unser Herz schlägt für die Kunst

In 50-jähriger Sammeltätigkeit sei es ihm und seiner Frau Agnes immer Anliegen gewesen, österreichische Kunst sichtbar und für die Menschen zugänglich zu machen sowie jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten, betonte Essl. "Wir haben die Kunstwerke nie als unseren Besitz betrachtet. Die Kunst gehört allen Menschen." Die Sammlung decke einen großen Teil der österreichischen Kunstgeschichte nach 1945 und ihrer internationalen Vernetzungen ab. Das Aus für das Haus tue ihm sehr leid, sagte der Sammler, dem man seine emotionale Bewegung anmerkte. Seine Frau und er würden weiterhin aktiv am Kunstgeschehen teilnehmen: "Unser Herz schlägt für die Kunst."

Im Rückblick auf die Entwicklung des 1999 eröffneten Museums - "es war eine aufregende Zeit" - verwies Essl auf viele maßgebliche Schauen wie etwa die weltweit erste Ausstellung der neuen Leipziger Schule oder "Blut & Honig - Zukunft ist am Balkan". Die Kunstvermittlung sei eine Säule der Aktivitäten des "offenen Hauses" gewesen, seit 1999 wurden Konzerte Neuer Musik aufgeführt, ab 2011 kam eine Schiene für aktuelle Literatur dazu. Essl hob weiters die Bedeutung des Essl Art Award CEE für die junge Kunstszene sowie die Zusammenarbeit mit großen und kleinen Museen weltweit hervor. Auf seinen Reisen habe er die internationale Wertschätzung des Klosterneuburger Museums, das auch von der Wissenschaft als Kompetenzzentrum anerkannt worden sei, erfahren.

"Viele innovative Projekte konnten wir nur durchführen, weil wir all die Jahre unabhängig und privat waren", betonte Essl, dass man frei und flexibel - ohne politischen Einflüsse - agieren konnte. Die Kunst brauche solche Felder, wo es keine Zwänge gebe, wo die Programmatik nicht von den Gesetzen des Marktes oder von Besucherzahlen bestimmt wird, zeigte er sich überzeugt. Vorrangiges Ziel sei es gewesen, den Menschen durch Kunst Freude zu bereiten.

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