"Echte Salzburger Mozartkugel" rollt vorerst weiter

Die insolvente Salzburg Schokolade die Produktion nach einer Geldspritze durch eine Bank vorerst fortführen. Der Schaden wäre bei einer sofortigen Schließung höher ausgefallen. Heidi Chocolat will den Mozartkugel-Hersteller Salzburg Schokolade kaufen.

"Echte Salzburger Mozartkugel" rollt vorerst weiter

Die "Echte Salzburger Mozartkugel" rollt vorerst weiter vom Fließband: Der Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade in Grödig darf nach dem vor zwei Wochen angemeldeten Konkurs den Betrieb zunächst fortführen. Ein heimisches Bankhaus ist eingesprungen und hat die Liquidität des Unternehmens wiederhergestellt. Eine Sanierung mit Unterstützung von dritter Seite scheint aus derzeitiger Sicht realistisch, informiere der Kreditschutzverband KSV1870 am Montag in einer Aussendung.

Am Vormittag fand am Landesgericht Salzburg im Insolvenzverfahren die erste Gläubigerversammlung und Tagsatzung statt. Dort wurde die Fortführung des Betriebs beschlossen, weil mit der Geldspritze eines "renommierten österreichischen Bankhauses" die Zahlungsfähigkeit wieder hergestellt wurde. Das Aufrechterhalten der Produktion sei für alle Beteiligten als wirtschaftlich sinnvoll eingestuft worden, weil bei einer sofortigen Schließung der Schaden für die Gläubiger "weitaus höher" ausgefallen wäre als bei einer Fortführung für die nächsten vier bis sechs Wochen, so der KSV. Rationalisierungsmaßnahmen im betrieblichen Ablauf müssten aber erfolgen, sagte die Standort- und Insolvenzleiterin des KSV1870, Aliki Bellou, gegenüber der APA. Ob dafür auch Kündigungen notwendig sind, sei derzeit nicht abschätzbar.

Wie hoch die Forderungen der Gläubiger ausfallen, steht derzeit noch nicht fest, da die Anmeldefrist dafür noch gar nicht abgelaufen ist. Bei der Eröffnung des Konkursverfahrens am 30. November war der Schuldenberg laut ersten Informationen 27,29 Millionen Euro (Liquidationswert) hoch, dem auf der Haben-Seite 23,35 Millionen Euro gegenüberstehen sollen. Rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 614 Gläubiger sind betroffen.

Pandemie als Insolvenzursache

Salzburg Schokolade begründete die Insolvenz mit den Folgen der Pandemie. Nach Jahren mit Gewinnen sei das Unternehmen ab 2020 schwer von Corona getroffen worden, so Geschäftsführer Christian Schügerl. Aufgrund des massiven Rückgangs von Touristen, Veranstaltungen und Anlässen wie Geburtstags- und Hochzeitsfeiern sei die Nachfrage nach den Süßwaren gesunken - was zu einem signifikanten Umsatzrückgang geführt habe. Zudem seien Süßwarenfachgeschäfte in Wien und Salzburg wegen fehlender Touristen teilweise wochenlang geschlossen gewesen. Trotz neuer Kunden im Exportgeschäft und der staatlichen Corona-Hilfen werde man - wie schon im Vorjahr - auch heuer einen erheblichen Verlust einfahren. "Der aktuelle Lockdown und erhebliche Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie, Löhnen, Logistikkosten und Verpackungsmaterialien waren weitere Gründe", so Schügerl.

Bekannt ist Salzburg Schokolade nicht nur für Süßigkeiten für den Endverbraucher - etwa seine Marken Bobby Schokoriegel, "Maria Theresia"-Taler und Salzburg Confisérie. Das Traditionsunternehmen stellt exklusiv für den US-Konzern Mondelez auch die "Echte Salzburger Mozartkugel" von Mirabell her. Außerdem beliefert die Firma Großverbraucher wie Bäckereien und Konditoren unter der Marke "nordpol" mit Halbfabrikaten wie Nougat, Marzipan, Couverturen, Waffeln oder Glasuren. Mehrheitseigentümer ist die Philipp Harmer Beteiligungs-GmbH. Während der Umsatz im Jahr 2019 noch 28,7 Millionen Euro betrug, sank er laut Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbands im Coronajahr 2020 um sieben Millionen Euro (24,4 Prozent) auf 21,7 Millionen Euro. Die Bücher wiesen für 2020 einen Verlust von rund 1,2 Millionen Euro aus.

Heidi Chocolat will übernehmen

Die Meinl-Tochter Heidi Chocolat will den insolventen Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade kaufen. Eine Sanierung des insolventen Unternehmens wäre damit wahrscheinlich. Noch offen ist allerdings eine Einigung mit dem US-Konzern Mondelez bezüglich der Markenrechte für die "Echte Salzburger Mozartkugel" von Mirabell.

Der Masseverwalter und die Gläubiger hätten der Investorengruppe um Julius Meinl V bereits ihre Zustimmung gegeben, heißt es in einer Aussendung. Nun sei noch Mondelez am Zug. Der US-Konzern hält nämlich die Markenrechte an der "Echten Salzburger Mozartkugel" für Mirabell und muss der Übernahme zustimmen, damit die rund 130 Jobs bei der Salzburg Schokolade auch zur Gänze gerettet werden können.

Heidi Chocolat beschäftigt aktuell 160 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von knapp 20 Mio. Euro. Mit dem Kauf von Salzburg Schokolade würde sich die Zahl der Mitarbeiter nahezu verdoppeln. Eine Übernahme in dieser Größenordnung wäre kein Novum für das Unternehmen. 2013 hat Heidi Chocolat bereits den heimischen Schwedenbombenhersteller Niemetz, der damals kurz vor dem Aus stand, übernommen.

Falle finanzielle Selbstüberschätzung: Die aktuelle hohe Teuerungsrate erfordert einen kontrollierteren Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln.

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