Coronavirus fordert von Unternehmen einen Plan B

Österreichs Wirtschaft wird heuer mit Umsatzrückgängen kämpfen. Der Tourismus, aber auch die Industrie und das Handwerk sind vom Coronavirus betroffen, wenn Lieferketten unterbrochen werden oder Gäste ausbleiben.

Coronavirus fordert von Unternehmen einen Plan B

Österreichs Wirtschaft wird unter den Vorzeichen des Coronavirus mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. Nach den Absagen mehrerer Messen sowie dem Ausbleiben von Touristen aus Fernost wird es vor allem im Tourismus Umsatzrückgänge geben. Die Regierung hat angekündigt, Unternehmen im Hoteliersgewerbe Überbrückungskredite zu gewähren, die infolge der Corona-Epidemie in finanzielle Turbulenzen gekommen sind. Bis zu zehn Millionen Euro sollen bereitgestellt werden.

Österreichs Hoteliersvereinigung rechnen damit, dass die von der Regierung versprochenen Garantien wohl nicht ausreichen werden. Die Gastronomen rechnen mit Umsatzeinbußen von Millionenbeträgen im mindestens höheren zweistelligen Bereich.

Der Plan B für Unternehmen

"Man müsse sich ein differenziertes Bild machen", warnt KSV-Insolvenzexperte Hans Georg Kantner vor Hysterie und den Hang zu verfrühtem Aktionismus. Branchen wie der Tourismus, hier besonderes Kongress- und Messetourismus, trifft es derzeit besonders. Sie werden solche Epidemien freilich besonderes merken. Viele Unternehmen seien aber auf die Schreckensszenarien vorbereitet, schon alleine aus der Erfahrung der Vergangenheit, etwa mit der Finanzkrise. Dennoch fordert Kantner Unternehmen wachsam zu sein und aktiv zu bleiben. "Wer sich noch nicht mit dem Coronavirus befasst hat, der sollte spätestens jetzt beginnen einen Plan B aufzustellen", betont Kantner. Der KSV-Manager appelliert daher an die Adresse der Unternehmen, die möglichen Szenarien durchzuspielen.

Für Industrieunternehmen oder auch Handwerker sieht die Lage jedoch anders aus. Just-in-time-Konzepte aus den 80er Jahren, wonach Unternehmen ihre Ware zur Produktion direkt anliefern lassen, zugelieferte Waren nicht mehr auf Lager genommen werden, können Unternehmen nun zum Bumerang werden, wenn die Lieferkette abbricht.

Sollte Liefertermine nicht erfüllt werden, könnte das noch ein teures Nachspiel haben. "War dies ein unvermeidliches Ereignis? Wer ist verantwortlich?", so Kantner. Da wird man dann einmal mehr in die Verträge blicken und sollte die Verantwortlichkeit geklärt werden.

Eine kleine Delle

Kantner räumt ein, dass die Schlüsselfunktion von Unternehmen in der Industrie und in Manufakturen anders sind als etwa im Dienstleistungssektor.

Der Insolvenzexperte räumt ein, dass gerade bei Absagen von Messen oder großen Konferenzen die entgangenen Einnahmen nur schwer im Verlauf des Jahres wieder aufgefangen werden können. Und dennoch habe die Vergangenheit gezeigt, dass Unternehmen auch schon vorher mit Krisen leben mussten. "Und dies auch können", sagt Kantner.

Anstieg der Insolvenzen

Kantner rechnet damit, dass auch die Zahl der Insolvenzen im Zuge der Coronavirus-Epidemie steigen wird und "diese oder jene Corona-Ursache" beim Insolvenzantrag als Begründung genannt wird. Wie hoch der Zuwachs bei den Firmenpleiten sein wird, wollte der KSV-Experte jedoch nicht schätzen: "Erstens ist es noch zu früh. Und zweitens werden die ersten Unternehmen in die Insolvenz schlittern, denen es ungeachtet des Virus, schon vor Ausbruch der Epidemie nicht gut gegangen ist."

Krise unterschiedlicher Art auf internationaler Ebene haben freilich auch vor Österreichs Wirtschaft kaum Halt gemacht. "In vier bis sechs Wochen" wird man zum Ausmaß dann schon mehr sagen können." Die heimische Wirtschaft würde nach jetzigem Stand jedoch nur eine "kleine Delle" abbekommen.

Meldungen über Hamsterkäufe, wonach Menschen hierzulande in die Supermärkte stürmen, um sich mit mehr als nur dem Lebensnotwendigsten ausreichend einzudecken, kann Kantner nicht bestätigen. Genauso wenig wie einen Rückzug der Menschen in die eigenen vier Wände. Das Gegenteil könne er beispielhaft aus eigener Beobachtung bescheinigen. "Die Menschen haben am vorigen Wochenende einen Shopping-Tempel im Wiener Süden geradezu mit Tausenden Besuchern bevölkert", sagt Kantner. Geschäfte und Restaurants waren bestens besucht - "aber nicht wegen Hamsterkäufen." Die Leute würden sich von dem Coronovirus offenbar doch nicht so stark beeindrucken lassen.

Die Schockszenarien

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) prüft die Entwicklung der Epidemie ebenso ganz genau, wie Behördensprecher Klaus Grubelnik der APA bestätigt. Man habe die beaufsichtigten Unternehmen aufgefordert, zu überprüfen, ob die vorhandenen Geschäftsfortführungspläne geeignet sind, eventuelle Coronavirus-Herausforderungen abzufedern.

Beim "Business Continuity Management" (BCM) geht es um externe Schocks, also wenn zum Beispiel aufgrund einer Epidemie ganze Abteilungen ausfallen oder Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden. Einen "Alarmismus" gebe es nicht, es gehe lediglich darum, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, betonte der FMA-Sprecher.

Die heimische Finanzwirtschaft sei gut gerüstet, wie die regelmäßigen Stresstests zeigten. Die Banken erwiesen sich selbst bei Kurseinbrüchen von 30 bis 40 Prozent, von denen in einem typischen Stressszenario ausgegangen werde, als stabil. Und die coronavirusbedingten Kursrückgänge beliefen sich bisher auf nur rund 12 Prozent, so Grubelnik.

Drastische Maßnahmen in Italien

In Italien sollen die Regeln indes einmal mehr verschärft werden. Die Schulen und Universitäten des Landes sollen bis zum 13. März vorübergehend zugesperrt, Theater und Kinos sollen ebenso geschlossen werden. Kongresse und Sportveranstaltungen sollen verschoben werden. Fußballspiele der höchste Spielklasse sollen vorläufig auch nur vor leeren Rängen und somit unter Ausschluss der Zuschauer ausgetragen werden. Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch des SARS-CoV-2-Virus betroffene Land. Bis Mittwoch wurden 79 Tote und rund 2.500 Infektionen registriert. In Österreich sind derzeit 27 Menschen infiziert.

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