Corona-Krise nicht Hauptgrund für Unternehmenspleiten

Trotz größter Belastungen für Unternehmen ist die Covid-Krise nicht der Auslöser Nummer 1 für Unternehmenspleiten in Österreich. Die finanzielle Misere in Unternehmen hat größtenteils einen anderen Ursprung.

Corona-Krise nicht Hauptgrund für Unternehmenspleiten

Neun von zehn heimischen Unternehmen müssen sich mit den finanziellen Folgen der Pandemie beschäftigen. Die massiven Umsatzausfälle und Rückgänge, teils Schließungen von Unternehmen sind aufgrund der staatlich verordneten Corona-Maßnahmen zählen aber dennoch nicht zu den Hauptursachen der Unternehmenspleiten. Das ist das Ergebnis einer Erhebung der Kreditschutzverbandes KSV1870, Die Corona-Krise war demnach in den vergangenen zwölf Monaten nicht zum Auslöser Nummer eins von Firmenpleiten.

In seiner Ursachenanalyse hat der KSV1870 rund 1.300 Firmenpleiten seit Beginn des ersten Lockdowns untersucht. 39 Prozent der Unternehmenspleiten haben demnach ungeachtet der Krise operative Ursachen (nach 42,5 Prozent im Jahr 2019). Auf Platz zwei rangieren mit 19 Prozent „Unbeherrschbare Umstände“ – zu dieser Kategorie zählt auch die Corona-Krise mit knapp 14 Prozent.

Zu den operativen Mängeln zählt der KSV1870 Absatz- und Finanzierungsschwächen, eine schlechte Kostenstruktur aufgrund einer fehlerhaften Organisation, mangelndes Controlling und Fehler in der Auswahl oder Führung von Mitarbeitern - alles Gründe, die mit der Covid-Krise nicht ursächlich um Zusammenhang stehen.

Nur zum Teil wurden demnach auch Pleiten beschleunigt, deren finanzielle Miseren einen gänzlich anderen Ursprung haben. Schlimmeres wurde bisher allerdings durch staatliche Fördermaßnahmen noch abgebremst. Denn der KSV1870 rechnet damit, dass mit Auslaufen der Staatshilfen die Zahl der pandemiebedingten Pleiten dennoch kräftig steigen werde.

"Der Faktor Corona wird ab jenem Moment steigen, in dem die staatlichen Hilfsgelder ein Ende finden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müssen auch jene Unternehmen der finanziellen Realität ins Auge blicken, die aktuell künstlich am Leben gehalten werden“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Für viele Betriebe wird dann der Schuldenberg nicht mehr zu stemmen sein und es besteht vielerorts die Gefahr einer vollständigen Liquidation. "Seitens der Unternehmen wird häufig zu lange mit einer Sanierung gewartet und in einem späten Stadium mitunter nicht einmal mehr die Gerichtskosten gedeckt werden können", so Götze.

Weniger Pleiten, wenig Erfreuliches

In den vergangenen sechs Monaten wurden hierzulande um rund 60 Prozent weniger Firmenpleiten als vor der Krise gezählt. „Das auf den ersten Blick positive Ergebnis ist für die heimische Wirtschaft alles andere als erfreulich. Langfristig gesehen können dadurch weitaus gravierendere Probleme entstehen als dies zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin schon der Fall ist“, warnt Götze.

Zusätzlich geht es auch darum, dass nicht noch mehr Betriebe in eine finanzielle Instabilität geraten, die aktuell auf wirtschaftlich gesunden Beinen stehen. Das würde aus volkswirtschaftlicher Sicht eine weitere nachhaltige Schwächung des gesamten Wirtschaftsstandortes Österreich bedeuten.

Gründungsfehler treiben Unternehmen in den Ruin

Ein Faktor, der nach wie vor zahlreiche Betriebe in die Insolvenz schlittern lässt, sind mit etwas mehr als 17 Prozent (gegenüber 20,9 Prozent in 2019) gravierende Gründungsfehler seitens der Unternehmer selbst.

Fehlendes Branchen-Know-how, das Fehlen jeglicher Eignung als Unternehmer oder zu geringes Eigenkapital sind die Hauptursachen fürs Scheitern. Knapp dahinter auf Position vier rangiert mit knapp 15 Prozent persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit. Zu dieser Kategorie zählen strafbare Handlungen, die Nachlässigkeit der Geschäftsführung oder zu hohe Entnahmen.

Strategische Fehler eher die Ausnahme

Im Gegensatz zu den Jahren zuvor sind strategische Ursachen mit knapp 6 Prozent im Moment etwas seltener (- 4,6 Prozent gegenüber 2019) der Auslöser für eine Firmenpleite. Als Hauptgrund ist hier eine mangelhafte oder zu späte Reaktion auf etwaige Marktveränderungen zu nennen.

Darüber hinaus sind externe Vorkommnisse (knapp 4 Prozent) in Form von plötzlich auftretenden rechtlichen Änderungen, kurzfristig veränderten Finanzierungsrahmen oder einem zahlungsunfähigen Geschäftspartner weiterhin jene Ursachen, die in den seltensten Fällen zu einer Insolvenz führen.

Anstieg erst im 2. Halbjahr 2021 erwartet

Die derzeit niedrigen Insolvenzzahlen täuschen laut KSV-Insolvenzexperte Götze über den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft hinweg.

Dass es nach wie vor eine derart geringe Anzahl an Unternehmenspleiten gibt – im ersten Quartal 2021 wurde der niedrigste Wert seit 1977 erzielt –, und sich darüber hinaus auch die Corona-bedingten Fälle in einem überschaubaren Ausmaß bewegen, ist nicht zuletzt den politischen Kunstgriffen ins heimische Insolvenzsystem geschuldet.

Ein System, das seit vielen Jahrzehnten ein Erfolgsmodell ist – selbst im internationalen Vergleich. Der KSV1870 geht derzeit davon aus, dass sowohl die Zahl der Unternehmenspleiten als auch jene der Corona-bedingten Insolvenzen frühestens im Herbst 2021 steigen werden.

Zudem ist es durchaus vorstellbar, dass am Ende des laufenden Jahres die Zahl der Unternehmenspleiten nicht dramatisch höher ausfallen könnte als im Vorjahr. Mit einem "Insolvenztsunami", der bis Weihnachten noch von verschiedenen Seiten prognostiziert wurde, rechnet der KSV1870 auch heute nicht.

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