Autonomes Fahren: Was Autos können sollen

Autonomes Fahren: Was Autos können sollen

Autonomes Fahren: Das Steuer aus der Hand zu geben ist für viele Österreicher heute noch unvorstellbar.

Selbst einparken, alleine in die Waschanlage fahren oder gleich das Steuer komplett übernehmen? Wie die Österreicher zum autonomen Fahren stehen.

"Man wird die Menschen bald nicht mehr ans Steuer eines Autos lassen", ist sich der IT-Experte, Autor und Berater Mario Herger sicher. Im Interview mit dem trend begründet er das auch: Nicht die Autos seien das Problem, sondern die Menschen und ihre Fehleranfälligkeit. Unachtsamkeit, Übermüdung, Überforderung, Überschätzung, überhöhtes Tempo, Stress, Alkohol oder Drogen sind in nahezu allen Fällen die Ursache von Verkehrsunfällen, bei denen alleine in Österreich jährlich immer noch rund 400 Menschen ums Leben kommen. Weltweit sind es 3.500 - täglich.

Durch laufend verschärfte Sicherheitsvorschriften, Tempolimits, die Gurtenpflicht oder auch den verpflichtenden Kindersitz ist es gelungen, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr vom traurigen Höchststand von 2.948 im Jahr 1972 bis auf 427 im Jahr 2016 zu reduzieren. Das Restrisiko ist jedoch geblieben, und Verfechter des autonomen Fahrens wie Herger oder der Google-Manager James Lee (siehe Interview) sind sich sicher, dass dieses trotz aller Bemühungen nur dann ausgeschaltet werden kann, wenn Autos eingreifen und die Kontrolle übernehmen.

Verkehrstote in Österreich von 1961 bis 2017 (Stichtag 12.11.2017) Quelle: Statistik Austria

Verkehrstote in Österreich von 1961 bis 2017 (Stichtag 12.11.2017) Quelle: Statistik Austria

Im Silicon Valley ist man sich bereits einig, dass Autos die besseren und sichereren Fahrer sind. Über 40 Unternehmen haben dort bereits selbstfahrende Autos im Testbetrieb und Start-ups arbeiten daran, die heute zugelassenen, noch manuell gesteuerten Autos, für das autonome Fahren umzurüsten. Doch wie stehen die Österreicher zu dem Thema?

Skeptische Österreicher

Das Meinungsforschungsinstitut Makam Research ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass die Österreicher noch skeptisch sind. Während in den USA aus Sicherheitsgründen die Weichen in Richtung autonomes Fahren gestellt werden - es gibt die Mission Zero, nach der es bis 2040 keine Verkehrstoten mehr geben soll - glaubt nur etwas mehr als die Hälfte der Österreicher daran, dass die Sicherheit durch autonome Fahrzeuge wirklich verbessert wird.

Nur 56 Prozent sind der Meinung, dass die Sicherheit für die Insassen von Fahrzeugen durch die technischen Neuerungen erhöht wird, nahezu ebenso viele (57 Prozent) sehen dadurch auch positive Auswirkungen auf die Sicherheit anderer VerkehrsteilnehmerInnen. Ein gutes Drittel (35 Prozent) befürchtet sogar, dass es als Folge des autonomen Fahrens zu mehr Unfällen im Straßenverkehr kommen wird.

Dass dieser Fall so schnell eintreten wird glaubt ebenso kaum jemand. Man kann sich zwar vorstellen, dass sich in rund zehn Jahren die ersten Autos fahrerlos im Straßenverkehr bewegen, sich selbst sehen aber bis dahin nur 16 Prozent der Befragten als Passagiere in autonomen Fahrzeugen. Den Zeithorizont dafür sieht der Großteil der Befragten erst in 25 bis 50 Jahren.

Was Autos können sollen

Am ehesten kann man sich hierzulande noch vorstellen, dass Autos selbst einen Parkplatz suchen und einparken, viel weiter reicht die Phantasie allerdings oft nicht. Schon die Vorstellung, von einem autonom fahrenden Auto fahrerlos abgeholt zu werden, kann nur noch jeder Zweite (51 Prozent) nachvollziehen. Dabei ist das in der Praxis bereits Realität. Wiederum muss man dafür allerdings in die USA schauen: Im November wurde in Phoenix, Arizona ein erster öffentlicher Shuttle- und Taxidienst mit fahrerlosen Autos eingerichtet (siehe Artikel "Die Zukunft hat begonnen"), weitere werden in den nächsten Monaten folgen. Der US-Autokonzern General Motors (GM), der aktuell Testfahrten in San Francisco durchführt, will im Jahr 2019 Roboter-Taxis auf die Straße bringen. Daimler, Uber und Renault hegen ähnliche Pläne.

General Motors hat an der Entwicklung durchaus auch finanzielle Interessen. Finanzchef Chuck Stevens geht davon aus, dass der Markt für Roboter-Taxis bis 2025 ein Volumen von mehreren Hundert Milliarden Dollar erreicht und Gewinnspannen von 20 bis 30 Prozent drin sind. Das wäre deutlich mehr, als man bei der Autoproduktion verdient. Um die Entwicklung autonomer Fahrzeuge voranzutreiben hat GM unter anderem im März 2016 das Start-up Cruise Automation um 581 Millionen Dollar übernommen. Die Mitarbeiterzahl von Cruise Automation hat sich seither von 40 auf über 400 verzehnfacht.

n = 500; Quelle: Makam Research

n = 500; Quelle: Makam Research

Nur noch Passagier in einem autonom fahrenden Auto zu sein, sich selbst ganz und gar dem Fahrzeug in die Hände zu geben und sich von GPS-Signalen, Computern und Sensoren kutschieren zu lassen - das ist allerdings bislang nur für jeden fünften Österreicher (22 Prozent) vorstellbar. Etwas aufgeschlossener zeigen sich die Befragten, wenn es darum geht, bei schlechten Bedingungen wie Nebel, Regen oder Dunkelheit das Steuer kurzfristig aus der Hand zu geben und einem Autopiloten zu vertrauen. Diese Option würden ganze 47 Prozent der Befragten nutzen. Der Wobei das nicht wirklich schlüssig erscheint, denn wenn man gerade bei schwierigen Bedingungen das Auto selbst fahren lässt, warum dann nicht auch, wenn die Bedingungen gut sind?

Die weiteren Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Vorstellung, wozu autonome Fahrzeuge imstande sein können und wie sie genutzt werden können, noch sehr vom klassischen Bild des Autofahrens wie man es seit gut einem Jahrhundert kennt dominiert wird. Dass Autos selbst zur Reinigung, in die Werkstatt oder zum Tanken fahren könnten halten rund zwei Drittel der Befragten für unwahrscheinlich.


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