Benteler – Autozulieferer und Stahlrohrbauer mit langer und robuster Geschichte
Das deutsche Traditionsunternehmen Benteler mit Sitz in Österreich bringt es auf über 146 Jahre Geschichte: Vom Eisenwarengeschäft zum Hightech-Autozulieferer. Im aktuellen trend Ranking der 500 größten Unternehmen Österreichs liegt Benteler auf Rang 9.
Bentler, ein wichtiger Partner der Automobilindustrie
ARTIKEL-INHALT
- Facts: Benteler International AG
- Die Firmengeschichte von Benteler
- Die Geschäftsbereiche von Benteler
- Die Verlegung der Konzernzentrale von Paderborn nach Salzburg
- Der Vorstand: Erstmals kein Familienmitglied
- Die Sanierung
- Benteler auf Social Media
- Mehr zu Benteler
Facts: Benteler International AG
- Gründung: 1876
- Firmensitz: Benteler International Aktiengesellschaft, Schillerstraße 25-27, 5020 Salzburg (seit 2010), davor Paderborn (Deutschland)
- Mitarbeiter: 23.319 Mitarbeiter in 40 Ländern an 150 Standorten, 78 Werke, darunter in Deutschland, China, Brasilien, USA, Mexiko, Südafrika
- Tätigkeit: Automobilzulieferindustrie, Maschinenbau, Stahlindustrie, Energie
- Umsatz 2021: 7,28 Mrd. Euro (85 Prozent Automotive, 15 Prozent Stahl/Rohre)
- Gewinn (EBITDA) 2021: 332 Mio. Euro
- Umsatzanteile nach Regionen: Europa 53 Prozent, Asien/Pazifik 20 Prozent, Nordamerika 21 Prozent, Südamerika 4 Prozent, Afrika 2 Prozent
- Eigentümer: Hubertus Benteler Ges.m.b.H. und der Dr. Ing. E.h. Helmut Benteler GmbH – jeweils 50 Prozent
- Management: Ralf Göttel (CEO) (seit 2017), erstmals ein CEO, der nicht zur Familie Benteler gehört; Frank Jehle (CFO), Michael Baur (Chief Restructuring Officer/CRO)
- Aufsichtsrat: Henri Steinmetz (Aufsichtsratsvorsitzender / AR Vors.)
Georg Pachta-Reyhofen (Stellvertreter des AR Vors.)
Hubertus Benteler (*1946) von 1991 bis 2017 Vorstandsvorsitzender, ab April 2017 (Mitglied des Aufsichtsrats) - Website: www.benteler.com
Die Firmengeschichte von Benteler
Obwohl das Unternehmen seit 2010 seinen Sitz in Salzburg hat und nach Umsatz laut "trend-Rangliste TOP500 - Österreichs größte Unternehmen" das neuntgrößte Unternehmens Österreichs ist, kennen hierzulande nur Insider das Unternehmen.
Der im westfälischen Bielefeld im Jahre 1876 von dem damals 23jährigen Carl Benteler übernommene Eisenwarenladen hat sich im Verlauf der über 146 Jahre zu einen Fixplatz in der Automobilgeschichte erkämpft. Rund 85 Prozent des Unternehmensumsätze kommen heute aus der Autoindustrie (diverse Fahrwerks-Komponenten, Abgas-Systeme), Stahl und Rohre tragen 15 Prozent des Gesamtumsatzes von 7,28 Mrd. Euro bei.
Nachdem das Unternehmen die ersten rund 40 Jahre hauptsächlich als Händler von Eisen und Stahl agierte, startete Eduard Benteler als Nachkommen des Gründers eine eigene Produktion von Rohren. 1916 hatte der Spross des Gründers eine Maschinenfabrik übernommen, wo die ersten gezogenen Rohre hergestellt wurden. 1923 wurde von den Standorten Paderborn und Schloss Neuhaus nahtlose und geschweißte Rohren hergestellt.
1935 stieg Benteler in das Geschäft als Automobilzulieferer ein. Im zweiten Weltkrieg produzierte Benteler Rohre für Flakgeschütze im Werk Bielefeld, das 1944 durch einen Angriff der Alliierten zerstört wurde.
Kurz nach dem Weltkrieg hatte Eduard Benteler der dritten Generation die Führung des Unternehmen übergeben, die den Wiederaufbau des Unternehmens gestartet haben. Die Geschäftsanteile hatte Eduard Benteler zu gleichen Teilen an seine Kinder Ilse, Erich und Helmut übertragen.

Waren es Anfangs noch Rohre, Auspuffe und Stahl, mit in Deutschland Ford und später die halbe Autoindustrie beliefert wurde, produzierte das Unternehmens 1952 sogar selbst einen Kleinwagen. Dies dürfte aber lediglich der Liebhaberei geschuldet sein. Nur 2000 „Champion“ wurden hergestellt und verkauft. Kurzzeitig produzierte Benteler in den Nachkriegsjahren auch Kühlschränke.
1955 produzierte Benteler erstmals den eigenen Stahl. In den Jahren danach wurde das Stahlgeschäft forciert, mehrere Produktionsanlagen wurden in Betrieb genommen. Unter anderem wurden auch Unternehmensaufkäufe realisiert. So wurde 2007 der Schweizer Spezialhersteller Rohrits AG übernommen, das geschweißte Präzisionsrohre hergestellt hatte.
1974 wurde in Lingen (Ems) ein Werk für die Produktion von Elektrostahl errichtet, das bis heute noch Stahl für die Warmrohrwerke von Benteler in Dinslaken und Paderborn sowie für externe Kunden fertigt.
Relativ spät begann die Internationalisierung des Automobilzulieferers und Stahlrohrherstellers: Erst 1979 begann die weltweite Expansion mit der Eröffnung des ersten Werkes in den USA. Im Verlauf der Jahre wurden neben Distributions- und Lagerniederlassungen auch reihenweise neue Werke errichtet. Die Benteler Gruppe ist bis zum Jahr 2022 in über 40 Ländern an 150 Standorten präsent. In 78 Werken vor allem in den Ländern Deutschland, China, Brasilien, USA, Mexiko, Spanien und Südafrika präsent werden Benteler-Produkte hergestellt. Die letzte Werkseröffnung erfolgte 2019 mit einer sogenannten Smart Factory in Mos in Spanien, wo Automobilteile in einer hochautomatisierten Produktion gefertigt werden. In Spanien wurde somit das 8. Werk eröffnet.
Jahr | Umsatz (in Mio. €) | +/- ggü. Vorjahr in % |
---|---|---|
2015 | 7.598,00 | 0,56 |
2016 | 7.423,00 | -2,30 |
2017 | 7.856,00 | 5,83 |
2018 | 8.072,00 | 2,75 |
2019 | 7.713,00 | -2,85 |
2020 | 6.358,30 | -17,56 |
2021 | 7.825,00 | 14,57 |
Die Geschäftsbereiche von Benteler
In weiterer Folge wurde die Produktpalette sukzessive erweitert, um auch hochwertige Produkte für die Autoindustrie zu liefern. Die Produktion von Fahrwerken, PKW-Achsen, Achsträgern Karosserien sowie Motoren bis hin zu Abgaskomponenten haben Benteler zu einem begehrten Hightech-Partner für die Automobilindustrie gemacht. Schon seit 1957 führt Benteler eine eigenes Röhren- und Stahllager. Die Distribution ist für Benteler ein bedeutender Geschäftsbereich.
Benteler zählt weltweit zu den Top-5 der Autozulieferer. Allerdings in Konkurrenz mit keinen geringeren wie Magna oder Voestalpine, die ebenso als hochwertige Zulieferer immer stärker in der Autoindustrie als Hightech-Lieferanten von kompletten Systemen und vor allem auch beim Zukunftsthema E-Mobility kräftig mitmischen.

Die Klimawende und totale Neuorientierung der Autoindustrie in Richtung E-Mobility ist indes für Benteler die nächste große Herausforderung, innovativ und im Gleichklang mit der Autoindustrie die Zukunft zu gestalten.
Die Verlegung der Konzernzentrale von Paderborn nach Salzburg
Die Benteler Group, die sich nach Eigendefiniton stets als deutsches Familienunternehmen mit internationalem Fußabdruck verstanden hat, hatte sich erst im Jahr 2010 den Hauptsitz vom Stammhaus in Paderborn (Nordrhein-Westfalen) ins 700 Kilometer entfernte nach Salzburg verlegt. "Man hat damals entschieden, eine taktische Distanz zum operativen Geschäft zu haben und mehr über die Strategie zu führen“, sagte Ralf Göttel, seit 2017 CEO und Vorstandsvorsitzender von Benteler. Erstmals in der Firmengeschichte hatte das Unternehmen einen „Externen“, also kein Familienmitglied, als Chef in die Führungsspitze des Familienunternehmens berufen.
Steuerliche Gründe seien nicht ausschlaggebend gewesen. Eher schon das Interesse von Hubertus Benteler, wie gemunkelt wird, der Deutschland aus verschiedenen Gründen den Rücken gekehrt hatte. Die Steuerlast soll ein Grund gewesen sein. Benteler soll aber persönlich die Liebe für Österreich entdeckt und daher seinen Hauptwohnsitz schon davor nach Salzburg verlegt haben. Auf Schloss Neuhaus im Salzburger Stadtteil Gnigl residiert der Firmenpatriarch. Das Herz des Unternehmens, die Produktion, schlägt weiterhin am Rande des Ruhrpotts in Paderborn. Dort ist auch weiterhin das Innovationszentrum des Konzerns. Das "Hirn" mit der Kommandozentrale hingegen, wie es salopp heißt, steht seit 2010 im damals eigens errichteten neuen Headquarter in Salzburg.
Jahr | Umsatz (in Mio. €) | +/- ggü. Vorjahr in % |
---|---|---|
2015 | 27.764 | 0,74 |
2016 | 27.917 | 0,55 |
2017 | 27.955 | 0,14 |
2018 | 28.578 | 2,23 |
2019 | 26.987 | -0,33 |
2020 | 24.908 | -7,70 |
2021 | 23.319 | -6,38 |
Die Führung mit fremder Hand
Der Patriarch des Unternehmens in vierter Generation, Hubertus Benteler (*1946), hatte sich 2017 aus der operativen Führung zurückgezogen. Der damals 71-Jährige hatte als „einfaches Mitglied“ in den Aufsichtsrat gewechselt, nachdem er 26 Jahre das Unternehmen geführt hatte und bei der Expansion ab den 1990er-Jahren aufs Tempo gedrückt hat. Benteler hatte mit der Übernahme der Chefposition erst einmal den verbissenen Kampf innerhalb der Familie mit
Öffentliche Auftritte sind dem Patriarchen und seiner Familie fremd. Die Unternehmerfamilie scheut seit jeher geradezu das Licht der Öffentlichkeit. Benteler war als Manager anders als andere Unternehmenslenker, für die Rendite das Nonplusultra, das Mantra des Kapitalismus, ist, wie das Manager-Magazin im Jahr 2004 geschrieben hatte. Der Tradition verpflichtet, achtete der Patriarch sehr genau auf den Betriebsfrieden. Auf Betriebsversammlungen hörte er besonnen die Nöte seiner Mitarbeiter an.
Trotz erstmaliger Bestellung eines Externen an die Führungsspitze versteht sich das Unternehmen selbst noch immer als Familienunternehmen, das in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt, aber weltweit tätig ist. Nicht auszuschließen, dass ein Benteler in der Zukunft wieder die Führung des Unternehmens übernehmen wird.

Ralf Göttel ist der erste CEO im traditionsreichen Unternehmen Benteler, das erstmals in seiner über 140jährigen Geschichte in vierter Generation von einem externen Manager geführt wird. Die Stabübergabe vom Patriarchen Hubertus Benteler erfolgte 2017.
Für Kontinuität und Innovation ist dennoch gesorgt. Der neue Benteler-CEO Ralf Göttel (Jahrgang 19966) kommt aus den eigenen Reihen und war kein Unbekannter. Der studierte Maschinenbauer der der deutschen Top-Universität Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen kam nach seiner Tätigkeit als Entwicklungsingenieur bei einem deutschen Automobilhersteller im Jahr 2010 zum Autozulieferer. Zwischen 2014 und 2018 war der Diplomingenieur bereits Chef der Benteler Automobiltechnik GmbH, ehe er 2017 mit der Leitung der Benteler Group betraut wurde.
Seit der Stabübergabe baut Göttel vom Headquarter in Salzburg den Konzern um, trennte sich von einigen Tochtergesellschaften, die mit dem Kerngeschäft für die Zukunft nicht mehr so richtig zusammen passten. Göttel genießt in der Automobilbranche einen exzellenten Ruf.
Für die Zukunft sah sich Benteler-Chef Göttel bestens gerüstet, wie er dem trend in einem Interview im Jahr 2018 noch bestätigt hat. Der Konzern hat sich über die Jahre als globales Unternehmen aufgestellt und folgt so auch seinen Kunden aus der Autoindustrie nach. Und setzt den Fuß auch auf die Zukunftsmärkte. Dazu zählen etwa China, die USA, Mexiko und Brasilien. Damit könne das Unternehmen auch auf die Szenarien von Handels- und Währungskonflikten aktiv umgehen. „Wir glauben, dass wir Überraschungen auf dem einen oder anderen Markt abfedern können“, sagt Göttel.
Die Sanierung
Das Unternehmen gerät im Jahr 2020 finanziell in Schieflage. Mit dem aggressiven Expansionskurs etwa in die USA noch unter der Leitung von Hubertus Benteler als CEO, soll sich das Unternehmen kräftig verhoben haben. Die Mitarbeiterzahl hatte sich unter Bentelers Führung verdreifacht, der Umsatz ist von 1,3 Milliarden auf rund 7,7 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2019) gestiegen.
Die Banken hatten die seit Jahren anwachsenden Schulden urgiert und im Jahr 2020 endgültig den Stoppknopf gedrückt. Die Zahlen waren für die Banken ernüchternd. Es wurde sogar von einem Steuerberatungsunternehmen geprüft, ob das Unternehmen überhaupt noch sanierungsfähig sei. Nachdem im Geschäftsjahr 2018 bei einem Umsatz von acht Milliarden Euro nur ein Konzernergebnis von gerade einmal 31 Millionen Euro erzielt wurde. Über die zwei Mrd. Euro hatte sich das Unternehmen bei gut 30 Banken Banken geliehen, darunter Commerzbank, DZ Bank, LBBW, NordLB und Erste Bank.

Schwerer Job für den Chef und seine zwei Vorstandmitglieder: CEO Ralf Göttel muss seit 2020 eine beinharte Sanierung stemmen. Zur Seite gestellt wurde ihm Michael Baur als Chief Restruction Officer (CRO). Frank Jehle wacht als CFO wie bisher über die Finanzen.
Im Dezember 2020 hat sich Benteler-Chef Göttel mit den Banken geeinigt über eine Refinanzierung der gesamten Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Die Banken hatten das Unternehmen zudem zu einer Sanierung verpflichtet. Seither gibt es im Vorstand auch mit Michael Baur einen Chief Restructuring Officer (CRO), beidem direkt die Sanierungsagenden angesiedelt sind. Über vier weitere Jahre haben so die Banken dem Konzern finanzielle Stabilität zugesichert. Eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von 225 Millionen Euro sei zudem eingeräumt worden. „Wir haben positive Cashflows, die Liquidität entwickelt sich entsprechend unserer Planung. Wir haben zusätzliche Kreditlinien, die wir aber derzeit nicht für das Betreiben unseres Geschäfts benötigen. Wir leben also nicht auf Pump“, erklärte Göttel im Interview mit dem „Handelsblatt“ im Dezember 2020.
Im Konzern hofft man indes mit Göttel den Strukturwandel in die E-Automobilzukunft ohne weitere Kollateralschäden zu schaffen. Vor allem auch ohne großen Kahlschnitt beim Personal. Das von Göttel im Zuge der Refinanzierung von den Banken geforderte Sanierungsprogramm sieht einen verstärkten Fokus auf das Automobilgeschäft und Stahlrohrgeschäft vor.
Der Ukraine-Krieg mit einem drohenden Stopp der Gaslieferungen aus Russland machen dem Autozulieferer zusätzlich Sorgen. Ohne russisches Gas könnte der Benteler rund 60 Prozent der Produkte nicht mehr herstellen. Zusätzliche Sorgen machen dem Benteler-Chef die Situation in China.