Immofinanz: Vorstände gönnten sich Wandelanleihenkauf in Millionenhöhe

Fünf Vorstände der Immofinanz-Gruppe kauften im großen Stil Wandelanleihen des Unternehmens. Brisant: Finanziert wurden die Millioneninvestments mit Anlegergeld.

In der Immofinanz-Gruppe werden alte Traditionen gut gepflegt. Auf Anleger­kos­ten und mit Aufsichtsratssanktus verdienten der frühere Immofinanz-Chef Karl Petrikovics und sein Vorstandskollege Norbert Gertner ein Millionenvermögen. Am lockeren Umgang mit Investorengeld hat sich seither wenig geändert. Zumindest legt das der FORMAT exklusiv vorliegende Prospekteentwurf zur in Planung befindlichen Immofinanz-Kapitalerhöhung nahe. Demnach sind die Nachfolger von Petrikovics und Gertner in Bezug auf die Verwendung von Anlegergeld nicht sehr streng.
Gemäß dem unter Verschluss gehaltenen Geheimpapier (Titel: „Projekt Gold“) hat der Immofinanz-Aufsichtsrat fünf Topmanagern im Rahmen eines sogenannten „Long Term Incentive Program“ ein be­sonderes Goodie gewährt: Das Bonusprogramm ermöglicht den Vorstandsdirektoren Millionenkredite für private Immofinanz-Wertpapierkäufe.

Wandelanleihen in Millionenhöhe
Kurze Rückblende: Die Immofinanz kaufte heuer Wandelanleihen im Nominalwert von 74,9 Millionen Euro zurück. Der Rückkauf erfolgte mit ­Abschlägen von über 70 Prozent und machte hinsichtlich Schuldenabbau Sinn. Was weniger einleuchtet: Immofinanz-Chef Eduard Zehetner (im Bild) und vier Vorstandskollegen wurden die rückgekauften Convertible Bonds (CB) zum Erwerb angeboten. Konkret durften sie pro Nase CBs im Wert von bis zu 1,049 Millionen Euro kaufen. Das Limit wurde komplett ausgenutzt. „Insgesamt kauften alle Management Board Members Wandelanleihen im Wert von 5,245 Millionen Euro“, heißt es laut Immofinanz-Geheimpapier. Doch es kommt noch besser: Die Finanzierung für das Wertpapiergeschäft erfolgte nicht über eine Bank, sondern über die Immofinanz. Der Aufsichtsrat genehmigte entsprechende Millionendarlehen und akzeptierte sogar die erworbenen Wandelanleihen als Pfand. „Dem Vorstand wurden Darlehen für Wertpapierkäufe gewährt“, bestätigt Immofinanz-Aufsichtsratschef Herbert Kofler gegenüber FORMAT. „Mit dem Bonifikationsprogramm würdigen wir die harte Arbeit des Vorstands im Sinne der Aktionäre.“ An der Regelung sei nichts verwerflich.

Risikolose Profite
Für die Immofinanz-Topmanager ist der Anleihendeal schon jetzt ein Bombengeschäft. Sie erwarben die Convertibles im Mai 2009, als der Kurs bei etwa 35 Euro lag. Mittlerweile notieren die Papiere bei über 70 Euro. Die investierte Million Euro hat sich somit bereits verdoppelt. Die beiden Bonds laufen bis 2014 bzw. 2017. Den Besitzern liefern sie bis Laufzeitende saftige Kuponzinsen. Und danach winkt noch mehr: Die Anleihen werden zum Nominale, also 100 Euro, getilgt. Nach Darlehensrückzahlung bliebe so für jeden Vorstand ein Gewinn von rund zwei Millionen Euro – risikolos und finanziert von den Anlegern.

Ashwien Sankholkar

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