Immofinanz: Ex-Vorstände verdienten mit dubiosen Luftgeschäften Millionenvermögen

Neue dubiose Provisionszahlungen belasten drei ­Ex-Verantwortliche der Constantia Bank in der Immofinanz-Affäre. Mit fingierten Optionen und Scheinrechnungen für Immo-Deals sollen sie über 20 Millionen Euro verdient haben.

Am späten Vormittag des 22. November 2009 fand für Norbert Haslhofer eine Signierstunde der besonderen Art statt. Im Eiltempo paraphierte der Staatsanwalt ein halbes Dutzend Anträge an das Wiener Straflandesgericht. Jedes Schreiben hatte den identen Titel: „Anordnung zur Auskunftserteilung“. Und auch inhaltlich drehte es sich stets um dasselbe Thema: die Immofinanz-Affäre.

Vorstände unter Verdacht
Nach Dutzenden Einvernahmen, unzähligen Hausdurchsuchun­gen und nächtelangem Aktenstudium hatte sich Haslhofer durchgerungen, mehr als 25 Kontenöffnungen durchführen zu lassen. Von der Soko Constantia, die seine Aufträge zu exekutieren hat, sollten Geldflüsse im beruflichen und privaten Umfeld von drei Hauptverdächtigen unter die Lupe genommen werden. Dabei handelt es sich um Ex-Immofinanz-Chef Karl ­Petrikovics, um Norbert Gertner, dessen früheren Kollegen im Vorstand der Constantia Privatbank (CPB), und um den einstigen CPB-Aufsichtsrat Helmut Schwager. Unter dem Aktenzeichen 611 St 25/08x ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien seit zwei Jahren wegen Betrugsverdachts und möglicher Untreue. Für alle Personen gilt freilich die Unschuldsvermutung. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagt Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. „Von einer Einstellung kann derzeit keine Rede sein. An der Verdachtslage hat sich nicht geändert.“

Brisante Vorwürfe
Tatsächlich brachte die Ermittlungsarbeit unter der Führung des (mittlerweile ausgeschiedenen) Staatsanwalts Haslhofer einige Ungereimtheiten ans Tageslicht. Diese sind in einem FORMAT exklusiv vorliegenden Gerichtsbeschluss über die Kontenöffnung penibel dokumentiert. Sie erhärten den Verdacht, dass Petrikovics und Co über dubiose Provisionszahlungen sowie durch fingierte Optionsgeschäfte mit Immofinanz-Aktien widerrechtlich Millionen verdient haben. „Im Zuge des Ermittlungsverfahrens ergab sich der ­dringende Tatverdacht, dass Karl Petrikovics, Norbert Gertner, Helmut Schwager und Christian Thornton das Verbrechen der Untreue gemäß Paragraf 153 Strafgesetzbuch dadurch began­gen haben, dass sie zum Nachteil der Constantia Privatbank Corporate Finance Consulting (CPB CFC) Scheinrechnungen erstellten und zur Auszahlung brachten“, heißt es im Gerichtsbeschluss vom 22. November 2009. Konkret sol­len die drei über Zwischengesellschaften falsche Honorarnoten für „Vermittlungstätigkeiten betreffend Liegenschaften“ in Rechnung gestellt haben. So erhielt die STF Immobilien­handels GmbH von Petrikovics 304.500 Euro brutto und die PNG Immobilien GmbH von Gertner 201.000 Euro. Schwager verrechnete über eine Schweizer Treuhandgesellschaft ­pauschal 250.000 Euro inklusive „Reisespesen und sonstige Auslagen“.

Ashwien Sankholkar

Die vollständige Story über die fingierten Optionsgeschäfte der beschuldigten Constantia-Banker lesen Sie in der aktuellen FORMAT-Ausgabe 10/10.

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