„Das Wort Exit kommt bei uns gar nicht vor“

In Kooperation mit Loxone Lighthouse
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13 min
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Rainer Eisner, Geschäftsführer von Loxone Lighthouse, über Unternehmensnachfolge, langfristige Eigentümerschaft und warum sein Modell ohne Exit funktioniert.

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Wie ist Loxone Lighthouse entstanden?

Rainer Eisner

Ausgangspunkt war ein konkreter Bedarf nach Audiolösungen für Loxone. Mit Quadral aus Hannover haben wir ein passendes Unternehmen gefunden, und das war unser Start ins Beteiligungsgeschäft. Daraus ist Schritt für Schritt ein Modell entstanden, das heute deutlich breiter aufgestellt ist und weit über diesen ersten Anwendungsfall hinausgeht.

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Die Gründung fiel mitten in die Pandemie. Welche Rolle hat diese Zeit gespielt?

Rainer Eisner

Wir haben den denkbar schlechtesten Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung gewählt. Hotels waren geschlossen, Reisen schwierig, vieles war unklar. Also haben wir pragmatisch reagiert: Wir haben uns in den Camper gesetzt und sind durch Deutschland getingelt. Drei Unternehmen haben wir uns angesehen, zwei davon haben tatsächlich zum Erfolg geführt. Gleichzeitig war das eine prägende Phase, weil wir erkannt haben, wie viele interessante Unternehmen es gibt – auch abseits klassischer strategischer Überlegungen. Diese Erfahrung hat unseren Blick auf potenzielle Partner deutlich erweitert.

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Wann wurde klar, dass Sie kein klassischer Investor sein wollen? 

Rainer Eisner

Sehr früh. Wir wollen uns nicht nur an Unternehmen beteiligen, sondern der neue Eigentümer sein – und zwar langfristig. Genau das ist der zentrale Unterschied. Das Wort Exit kommt bei uns gar nicht vor. Wir kaufen Unternehmen nicht, um sie nach einigen Jahren weiterzuverkaufen, sondern um sie dauerhaft weiterzuentwickeln und zu begleiten.

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Was bedeutet das konkret für Ihr Geschäftsmodell?

Rainer Eisner

Wir sind kein Finanzvehikel. Das Kapital kommt aus der Gruppe, nicht von externen Investoren. Unser Team besteht ausschließlich aus Kolleg:innen mit operativer Erfahrung in der Wirtschaft. Wir arbeiten aktiv mit unseren Geschäftsführern zusammen. Nicht nur über Reports oder formale Meetings, sondern im laufenden Austausch. Diese Nähe ist für uns zentral und ermöglicht schnelle Entscheidungen.

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Nach welchen Kriterien wählen Sie Unternehmen aus?

Rainer Eisner

Uns interessieren erfolgreiche Mittelständler im deutschsprachigen Raum mit mindestens einer Million Euro EBIT und mehr als 30 Mitarbeitern. Branchen sind für uns zweitrangig. Entscheidend ist, dass das Unternehmen Substanz hat, eigenständig funktioniert und nicht komplett von einer einzelnen Person abhängig ist. Nur dann lässt sich ein nachhaltiger Übergang sicherstellen.

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Gerade die Nachfolge in der Geschäftsführung ist oft der schwierigste Teil. Wer füllt diese Rolle bei Ihnen vor Ort aus, und wie finden Sie die Richtigen? 

Rainer Eisner

Abgang entsteht eine große Lücke, die nur schwer zu schließen ist. Gemeinsam mit dem Verkäufer und unseren internen Spezialisten suchen wir nach einer geeigneten Nachfolge. Dabei ist uns wichtig: Die Person muss sowohl fachlich als auch menschlich hundertprozentig zum Unternehmen passen.

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Wie viel Freiheit haben die Geschäftsführer? 

Rainer Eisner

Solange sich alles im vereinbarten Rahmen bewegt, hat der Geschäftsführer des Partnerunternehmens völlig freie Hand. Wir definieren einmal im Jahr gemeinsam die Richtung. Die Planung kommt de facto vom Geschäftsführer, wir spiegeln unsere Sicht dazu. Und bei Bedarf – etwa bei der Strategieentwicklung, Investitionen oder anderen aktuellen Themen – unterstützen wir gerne intensiver.

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Sie sprechen bewusst von Partnerunternehmen. Warum? 

Rainer Eisner

Eine „Beteiligung“ hat für uns Investorencharakter und impliziert, dass man Verantwortung nur zu einem Teil übernehmen will. Wir sprechen jedoch von einer vollständigen Übernahme und einer langfristigen Eigentümerschaft. Diese Art der Zusammenarbeit funktioniert nur offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Es ist keine klassische Investorenbeziehung, sondern eine operative Partnerschaft, die im Alltag und auch nach Feierabend gelebt wird.

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Welche Rolle spielen Emotionen bei solchen Entscheidungen?

Rainer Eisner

Das Emotionale ist oft das Wichtigste überhaupt. Für viele ist das Unternehmen ein Lebenswerk, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um Vertrauen, Verantwortung und die Frage, wie es mit Mitarbeitern, Standort und Unternehmenskultur weitergeht.

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Was raten Sie Unternehmern, die vor einer Nachfolge stehen? 

Rainer Eisner

Informiert euch rechtzeitig und führt Gespräche – aber im kleinen Kreis. Und vor allem: nicht nur auf die Euros schauen, sondern auf das Gesamtpaket. Die entscheidende Frage ist: In welche Hände gebe ich mein Lebenswerk? Wer sich früh damit beschäftigt, hat am Ende deutlich mehr Gestaltungsspielraum.

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 © istockphoto

Wenn der Nachfolger fehlt

Loxone Lighthouse setzt auf langfristige Unternehmensnachfolge statt schnelle Exits. Zwei Praxisbeispiele zeigen, wie Übergaben gelingen können.

Die Übergabe von Unternehmen ist meist ein heikles Unterfangen. Denn was auf den ersten Blick wie eine nüchterne wirtschaftliche Entscheidung wirkt, ist in der Praxis oft ein hochsensibler Prozess. Es geht nicht nur um Zahlen oder Verträge, sondern um Verantwortung, Vertrauen und nicht zuletzt um ein Lebenswerk. Bis 2029 stehen allein in Österreich rund 52.000 Unternehmensnachfolgen an. Dennoch schieben viele Unternehmer diese Frage lange vor sich her. Denn nicht selten droht die Nachfolgesuche auch zu scheitern.

Wie zum Beispiel bei Flexopack. Das oberösterreichische Familienunternehmen ist seit seiner Gründung im Jahr 1987 auf das Bedrucken und Bearbeiten von flexiblen Verpackungsmaterialien wie Folien oder Papier spezialisiert. Nach Gesprächen innerhalb der Familie gab es nach langer Überlegung eine finale Entscheidung: Es benötigt eine externe Person, die die Nachfolge des Unternehmens übernimmt. „An der Suche nach einem Nachfolger in der Geschäftsführung ist es mit anderen Käufern auch gescheitert“, erklärt der Gründer Engelbert Hundsberger. Wie es weitergehen kann, war zunächst unklar. 

Aus einem zufälligen Erstkontakt mit Loxone Lighthouse, Partner für mittelständische Unternehmensnachfolgen im deutschsprachigen Raum, entwickelten sich dann jedoch konkrete Gespräche über eine Nachfolgelösung. „Rasch folgten konkrete Planungen, ein Informationsaustausch und ein Due-Diligence-Umfang, der der Größe des Unternehmens angepasst war“, sagt Hundsberger.

Mit Thomas Kaisermair fand Flexopack in Zusammenarbeit mit Loxone Lighthouse schließlich einen Geschäftsführer aus der Branche, der zudem regional verankert ist. Im ersten Jahr führten Kaisermair und Engelbert Hundsberger das Unternehmen gemeinsam, mittlerweile wurden Hundsberger und seine Frau Silvia in die Pension verabschiedet. Seit Jänner 2025 ist Flexopack Teil der Loxone-Lighthouse-Gruppe. Seither wurde unter anderem in Gebäude und Grundstück investiert. Für Hundsberger war dabei vor allem entscheidend, dass das Unternehmen langfristig weitergeführt wird, mit Erhalt von Standort und Strukturen.

„Einige Unternehmer kommen auf uns zu, weil sie aus Altersgründen jemanden für ihre Nachfolge suchen. Andere wiederum möchten sich strategisch neu ausrichten oder suchen einen Partner, um das Wachstum ihres Unternehmens zu beschleunigen und von Synergien zu profitieren“, sagt Rainer Eisner, Geschäftsführer von Loxone Lighthouse. Von den insgesamt zwölf Partnerunternehmen befinden sich neun in Deutschland und drei in Österreich. Laut Loxone Lighthouse liegt der Fokus auf etablierten mittelständischen Unternehmen mit langfristiger Perspektive und funktionierenden Strukturen.

Ein anderes Beispiel zeigt wiederum, wie komplex Unternehmensnachfolge werden kann, wenn mehrere Eigentümer beteiligt sind.

EOS Data Systems wurde 1990 von Wolfgang Dittrich und Manfred Kirisits gegründet. Das Wiener Unternehmen hat sich auf die sichere Verwaltung großer Datenmengen spezialisiert und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Behörden und Sportverbänden zusammen. So läuft etwa die gesamte Verwaltung des europäischen Handballverbandes von Mitgliedern und Spielen bis hin zur Übertragung über die Software des Unternehmens.

Die Herausforderung bei der Nachfolge lag hier weniger in der operativen Führung als vielmehr in der Eigentümerstruktur. Denn es gab zwar mit Daniel Dittrich, dem Sohn von Wolfgang Dittrich, einen möglichen Nachfolger, allerdings nur für einen der beiden Gründer. Gesucht war daher eine Lösung, die beiden Eigentümern gerecht wird und gleichzeitig einen reibungslosen Übergang auf die nächste Generation ermöglicht.

Mit Loxone Lighthouse fand EOS Data Systems einen Partner, der genau diese Konstellation abbilden konnte. Die Übergabe erfolgte bewusst schrittweise: In den ersten Jahren nach der Übernahme führten Wolfgang und Daniel Dittrich das Unternehmen gemeinsam, Kirisits blieb als Prokurist an Bord. Seit 2025 liegt die operative Verantwortung vollständig bei Daniel Dittrich, sein Vater fungiert weiterhin als Prokurist, Manfred Kirisits befindet sich mittlerweile im Ruhestand.

„Unsere Arbeit läuft ungestört weiter, während wir von den Vorteilen eines größeren Netzwerks profitieren“, sagt Wolfgang Dittrich. Vorteile sieht er unter anderem bei der Mitarbeiterausbildung und beim Recruiting, das „deutlich effektiver geworden ist“. Seit März 2022 ist EOS Data Systems Teil der Loxone-Lighthouse-Gruppe, seither ist auch die Zahl der Mitarbeitenden um rund 15 Prozent gestiegen.

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Daniel und Wolfgang Dittrich

Wonach Loxone Lighthouse sucht

Loxone Lighthouse konzentriert sich auf mittelständische Unternehmen in Österreich und Deutschland mit stabiler wirtschaftlicher Basis und langfristiger Perspektive.

Kriterien für Übernahmen:

  • Umsatz über zehn Millionen Euro 

  • Nachhaltiges EBIT über eine Million Euro 

  • Mindestens 30 Mitarbeiter 

  • Funktionierendes Management oder Bereitschaft, gemeinsam eine Nachfolge aufzubauen.

Aktuell umfasst die Gruppe zwölf Partnerunternehmen, neun davon in Deutschland und drei in Österreich.

In Zusammenarbeit mit:
Entgeltliche Einschaltung.
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