
Russland verschärft die Gangart gegenüber westlichen Firmen, er sehe jedoch „keine Anzeichen“ einer Zwangsverwaltung. Höllerer bekräftigt den Rückzugswillen aus dem Putin-Reich.
von
Russland hat zuletzt die Zügel gegenüber westlichen Unternehmen angezogen und viele unter Zwangsverwaltung gestellt – betroffen waren beispielsweise der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlè und der deutsche Handelskonzern Metro. In Österreich hat der Kranbauer Palfinger mit einer Abschreibung seiner russischen Aktivitäten reagiert.
Dass der Russland-Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) etwas Ähnliches passieren könnte, glaubt RBI-Chef Michael Höllerer nicht. „Die Gefahr einer Zwangsverwaltung – möglicherweise sogar Zwangsenteignung – sehen wir nicht“. Höllerer hat im Klub der Wirtschaftspublizisten den Wunsch der Bank aus Russland auszusteigen, erneut bekräftigt. „Ich glaube, dass es wirklich auf Dauer schwierig ist, in Russland tätig zu sein,“ so Höllerer: „Ich glaube, dass das einfach so nicht mehr darstellbar ist.“ Da sich ein Ausstieg aber weiter schwierig gestaltet, setzt Höllerer die Priorität auf die Lösung des Rechtsstreits mit derm russischen Strabag-Aktionär Rasperia.
Es gibt darin Fortschritte. Ende September hatte das österreichische Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien der RBI und ihrer russischen Tochter AO Raiffeisen rund 3,15 Mrd. Euro Schadenersatz zugesprochen. Mit dem Urteil will die RBI auf in Österreich liegende Vermögenswerte von Rasperia zugreifen. Dabei handelt es sich um ein Paket von 28,5 Millionen Aktien des Baukonzerns Strabag sowie um Dividenden seit dem Geschäftsjahr 2021 und eine Barausschüttung aus dem März 2024. Derzeit sind diese Vermögenswerte aufgrund von EU-Sanktionen eingefroren. Rasperia kann noch Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.
Sollte das Urteil halten, könne die RBI in Folge bei der Finanzmarktaufsicht als zuständiger Sanktionsbehörde die Freigabe der Vermögenswerte beantragen, so Höllerer. Danach gehe es in die Verwertung der Anteile. Die RBI selbst will keine Anteile an dem Paket behalten, die Bank wolle kein Strabag-Aktionär auf Dauer sein, sagte der RBI-Chef. Die Verwertung werde dann nicht von der RBI selbst, sondern von einer Investmentbank übernommen.
Anders als in Russland sieht Höllerer hingegen in der Ukraine eine Zukunft für seine Bank. Im Kriegsland ist die RBI die viertgrößte Bank nach Assets. „Für uns ist das ganz klar ein Langzeitinvestment“, sagt Höllerer. „Wir wollen auch beim Wiederaufbau eine Rolle spielen.“