
Jahresergebnis: Ohne das Russland-Geschäft konnte die Raiffeisen Bank International im Vorjahr ihren Gewinn um 48 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro steigern.
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Angesprochen auf einen möglichen Zukauf in Rumänien, gab sich RBI-Chef Johann Strobl im Analysten-Call nach Bekanntgabe der Jahresergebnisse 2025 zugeknöpft. Laut rumänischen Medienberichten von Mitte der Woche hat die RBI ein Übernahmeangebot für die Garanti Bank Romania gelegt, Mitbewerber sind ING und Intesa. „Ich kommentiere keine Marktgerüchte", so Strobl, der gleichwohl auf Nachfrage „Interesse in einzelnen Märkten, zum Beispiel Rumänien" bestätigte.
Die Jahresergebnisse 2025, die Strobl am Freitag bekannt gab, waren erfreulich. Die RBI hat ihren Gewinn ohne das Russland-Geschäft im Vorjahr um 48 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro gesteigert. Geholfen haben deutlich niedrigere Vorsorgen für Fremdwährungskredite in Polen. Zudem stiegen die Erträge dank eines stärkeren Kreditwachstums an. In Russland schrieb die Bank dagegen einen Verlust nach Steuern von 86 Mio. Euro.
Das Kreditwachstum legte im Jahresvergleich um 6 Prozent zu. Zum Jahresende stand das Kundenkreditvolumen bei 101,2 Mrd. Euro. Vor allem im vierten Quartal habe sich das Kreditgeschäft in allen Ländern des Konzerns beschleunigt. Das stützte auch die Erträge der Bank: Der Zinsüberschuss erhöhte sich um 1 Prozent auf 4,18 Mrd. Euro, der Provisionsüberschuss kam um 9 Prozent höher bei 2,0 Mrd. Euro zu liegen.
Im Zuge der Zahlen will der Vorstand der Hauptversammlung am 9. April 2026 eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie vorschlagen.
Auf seine berüchtigt trockene Art kommentierte Strobl seinen Nachfolger Michael Höllerer. Dieser kenne die RBI „in- und auswendig". Höllerer, derzeit noch Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, wird Strobl mit Anfang Juli nachfolgen.
Risikokosten gesunken
Auch die Qualität des Kreditportfolios sei gut, so die Bank. Die Quote notleidender Kredite lag bei 1,7 Prozent (2024: 2,1 Prozent). Auch die Risikokosten der Bank sind im Vorjahr spürbar gesunken und lagen Ende 2025 bei 192 Mio. Euro, nach 287 Mio. Euro im Jahr davor.
Die Harte Kernkapitalquote ohne Russland belief sich auf 15,5 Prozent (2024: 15,1 Prozent). Die Zahl sieht ein Worst-Case-Szenario vor, bei dem die Bank die Russlandtochter zur Gänze abschreiben muss und das gesamte Eigenkapital verliert.
Russland-Abbau geht weiter
In Russland baut die Bank ihr Geschäft weiter ab. Seit Kriegsbeginn sei das Kreditvolumen um 60 Prozent gesunken, die Kundeneinlagen seien seit Februar 2022 um 40 Prozent gesunken. Die Bank zahlt schon seit längerem keine Zinsen mehr an Einlagekunden aus. Unterm Strich schrieb die Bank in Russland einen Verlust von 86 Mio. Euro. Geschuldet ist das Minus vor allem russischen Gerichtsstreitigkeiten zwischen Strabag und Rasperia Trading Limited.
Nachdem bereits ein Urteil im Frühling die Russland-Tochter zu einer Zahlung eines Schadenersatzes an den russischen Strabag-Aktionär Rasperia von rund 2 Mrd. Euro verpflichtet hatte, kam im vierten Quartal eine zusätzliche Rückstellung in Höhe von 339 Mio. hinzu. Die Bank musste den Betrag zurücklegen, nachdem ein russisches Gericht die Strabag-Hauptaktionäre zu einer Zahlung von 339 Mio. Euro verpflichtet hatte. Die Raiffeisen Russland (AO Raiffeisenbank) ist nur in den Fall involviert, da sie in einem Verwandtschaftsverhältnis zum Strabag-Aktionär Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien steht.
Ausblick 2026
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die RBI (ohne das Russland-Geschäft) mit einem Zinsüberschuss von 4,4 Mrd. Euro und einem Provisionsüberschuss von 2,1 Mrd. Euro. Das Kreditwachstum wird mit 7 Prozent beziffert. Die harte Kernkapitalquote soll über 15 Prozent bleiben.