
Der oberösterreichische Autozulieferer steigerte im ersten Halbjahr den Gewinn nach Abbau von 800 Stellen, musste aber im hat im zweiten Quartal weitere Abstriche beim Umsatz machen müssen. Eines der Hoffnungsgebiete ist Rüstung.
Er sei in das Thema Defence „hineingestolpert“, erzählte Markus Huemer, CEO des börsennotierten Kunststoffspezialisten Polytec, für eine trend-Coverstory über die Chancen österreichischen Unternehmen in der Rüstungswirtschaft. Eine hohe Automotive-Abhängigkeit zwingt in diesen Zeiten zur Suche nach Alternativen.
Das Polytec-Management will sein Geschäft abseits des kriselnden Automobilsektors ausbauen und erwartet sich davon mittelfristig positive Auswirkungen auf die Ertragslage. Im Kfz-Bereich geht Polytec für heuer laut Halbjahreszhalen „vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken, am europäischen Automotive-Markt bestehenden Produktionsüberkapazitäten und verschärftem Verdrängungswettbewerb" nur von einem geringen Umsatzwachstum aus.
In den aktuellen Zahlen ist die Transformation gut abgebildet. Das Unternehmen mit Sitz in Hörsching bei Linz baute binnen eines Jahres 800 Vollzeitstellen ab, den Großteil davon in Deutschland und Großbritannien. Polytec hatte Ende 2025 sein operatives Geschäft im Vereinigten Königreich verkauft und heuer im April sein Werk im deutschen Weierbach geschlossen. In Österreich hat der börsenotierte Konzern rund 480 Mitarbeiter, um 20 weniger als Mitte 2025, konzernweit arbeiten aktuell 2.800 für die Oberösterreicher.
Rüstung ist derzeit ein reiner Versuchsballon. Ab August werden die Polytec-Maschinen hochgefahren, um Kunststoffboxen zu produzieren, die man flexibel stapeln kann, ohne sie zusätzlich fixieren zu müssen. Darin können Drohnen ebenso transportiert werden wie Munition und militärisches Equipment. Der Werkzeugbau kommt von Haidlmair, ebenfalls aus Oberösterreich, die Entwicklung vom Start-up Booxit. Im modernen Drohnenkrieg zählt blitzschnelle Verlagerungsfähigkeit, sagt Peter Entenfellner, CEO von Booxit. Er träumt bereits von Umsätzen in dreistelliger Millionenhöhe, bisher seien die Boxen westlicher Armeen vorrangig aus Holz oder Karton. Polytec-Chef Huemer sieht das Ganze zwar noch nicht als strategisches Geschäftsfeld, geht es aber dennoch systematisch an: „Unser Ziel ist eine NATO-Zertifizierung.“
Nach sechs Monaten lag der Nettogewinn bei 4,6 Mio. Euro, nach 1,3 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2025. Der Umsatz schrumpfte auf 287 Mio. Euro, nach 358 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand 560 bis 590 Mio. Euro Umsatz.
Die Personalkosten sanken im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 17 Mio. Euro, davon entfielen 10,6 Mio. Euro allein auf das zweite Quartal.