
Mehr als vier Fünftel der Umsätze von Wollsdorf Leder kamen aus Leder-Lenkradbezügen.
©APA/APA/ERWIN SCHERIAU/ERWIN SCHERIAUAls Ursachen für die Pleite der steirischen Wollsdorf Leder wurden die Maul- und Klauenseuche in einigen Nachbarländern sowie die Krise in der Automotive-Industrie genannt.
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Der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder ist insolvent. Die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH sowie die Holdinggesellschaft Wollsdorf International GmbH haben einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht Graz eingereicht, wie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV am Freitag mitteilten. Hintergrund seien „die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie". Insgesamt sind 365 Dienstnehmer und etwa 660 Gläubiger betroffen.
Nach Angaben des KSV1870 liegen die Aktiva der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH bei rund 10,6 Mio. Euro, die Passiva betragen 26,7 Mio. Euro. Bei der Holdinggesellschaft liegen die Aktiva bei 320.000 Euro, die Passiva bei 32,2 Mio. Euro. Beide Unternehmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren vom Tag der Annahme des Sanierungsplanvorschlages an.
Wie der KSV1870 mitteilte, hätten die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie zuletzt Wollsdorf Leder schwer getroffen. Seit September 2024 seien für die gesamte Wollsdorf-Gruppe, die zu einem erheblichen Teil von der Konjunktur europäischer Autobauer abhängig ist, Nachfragerückgänge erkennbar gewesen. Die hätten sich im weiteren Jahresverlauf zugespitzt. Zwar habe sich die Nachfragesituation im Geschäftsjahr 2025 erholt, doch das Umsatzniveau vor der Automotive-Krise von 2024 konnte nicht mehr erreicht werden.
Wollsdorf Leder habe sich bemüht, die Materialkosten zu senken. Es wurden daher neue Preise mit Lieferanten für Rohhäute ausverhandelt, teilweise wurden auch die Lieferanten gewechselt. Im März und April 2025 sei es zu Lieferengpässen aufgrund zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei gekommen. Diese hatten offenbar signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität und damit auf die Produktion.
„Die Qualitätsprobleme konnten nicht behoben werden, da die Qualitätssicherungsstandards im Werk in Österreich nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnten. Eine den erwähnten Qualitätsstandards entsprechende, künftige gewinnbringende, Produktion wäre nur im Rahmen einer Verlagerung des Produktionsstandorts nach Mexiko möglich", hieß es in der Aussendung der Kreditschützer. Mit den finanzierenden Banken seien Restrukturierungsvereinbarungen abgeschlossen worden und es kam zu Kündigungen, doch die Maßnahmen seien schlussendlich gescheitert.
Beide Unternehmen sind teilweise zu 100 Prozent an Tochterunternehmen unter anderem in Hongkong, Kroatien, Uruguay und Mexiko beteiligt. Innerhalb der Wollsdorf-Gruppe führt die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH den zentralen Produktionsstandort in Wollsdorf in der Gemeinde St. Ruprecht an der Raab im Bezirk Weiz. Dort werden gegerbte, zugerichtete und gefärbte Lederhäute hergestellt, die als Vorprodukt für das Stanzwerk in Varaždin in Kroatien (Automobilindustrie und Flugzeugleder), aber auch als Endprodukt für die Möbelindustrie dienen. Der Produktionsstandort in Wollsdorf umfasst die volle Fertigungstiefe, von der rohen Rinderhaut bis zur zugerichteten und gefärbten Lederhaut.
Die Wollsdorf-Gruppe hatte sich vor allem auf die Produktion von Autoleder spezialisiert und ist Weltmarktführer bei Lenkrad-Lederbezügen. 81 Prozent des Umsatzes werden damit erzielt. Über 60 Prozent der verarbeiteten Lederhäute dienen zur Herstellung von Lenkrad-Lederbezügen. Das weitere Portfolio umfasst Airbag-Leder, Instrumententafel-Leder, Schaltknüppel-Leder sowie Sitz- und Türlederverkleidung. Der überwiegende Teil des Automotive-Umsatzes entfällt auf drei europäische OEM, so der KSV1870.
Mit rund 7 Prozent Umsatzanteil wird auch Möbelleder produziert. Die Sparte Flugzeugleder stellt den geringsten Umsatzanteil mit rund 6 Prozent dar. Das von Wollsdorf produzierte Flugzeugleder wird von großen Airlines als auch von Herstellern kleiner Privatflugzeuge eingesetzt.