
David Riedl und Laurenz Sutterlüty sind Gründer und Geschäftsführer von EnerCube
©kathrin gollackner fotografieEnerCube entwickelt und produziert modulare Wärmepumpenzentralen für Mehrfamilienhäuser. Wie das österreichische Unternehmen seine Innovationen schützt, erzählen die Gründer Laurenz Sutterlüty und David Riedl im Interview.
Was ist die Idee hinter EnerCube und wie ist das Unternehmen entstanden?
David Riedl: Wir entwickeln und produzieren Lösungen für die Wärme- bzw. Energiewende. Gestartet hat das Ganze mit externalisierten Wärmepumpenzentralen. Unser Ansatz ist, Produkte in einem seriellen Kontext zu entwickeln und damit Mehrparteiengebäude auf erneuerbare Heizsysteme umstellen zu können.
Laurenz Sutterlüty: Wir kommen beide aus dem technischen Bereich. Dort sind uns die Herausforderungen begegnet, die es beim klassischen Heizungstausch gibt: Oft fehlt der Platz im Gebäude, herkömmliche Anlagen sind oft unnötig komplex, die Umsetzung dauert lange und die Kosten laufen davon. Wir haben gesehen, dass der Wärmesektor Lösungen braucht, damit große Mehrfamilienhäuser in der notwendigen Geschwindigkeit auf erneuerbare Heizsysteme umgerüstet werden können. 2022 haben wir uns mit dieser Grundidee zusammengeschlossen. Im ersten Jahr haben wir auf theoretischer Basis entwickelt, konstruiert, simuliert und berechnet. 2023 haben wir dann offiziell das Unternehmen gegründet und das Produkt gebaut.
Was unterscheidet Ihre Wärmepumpenzentralen von herkömmlichen Lösungen?
Laurenz Sutterlüty: Durch die industrielle Fertigung und die serielle Umsetzung vor Ort standardisieren wir den Heizungstausch. Somit gewinnen wir Geschwindigkeit – sowohl in der Planung als auch bei der Umsetzung vor Ort. Grob gesagt können mit unserem Konzept in derselben Zeit drei bis sechs Heizungsanlagen getauscht werden, in der mit herkömmlichen Varianten eine Anlage umgesetzt wird. Zudem lagern wir die Technik aus dem Gebäude aus. Dadurch sind wir nicht von engen Kellerräumlichkeiten abhängig und können Heizungsanlagen auch im Winter tauschen. Außerdem haben wir lange an einem speziellen Schalldämpfersystem gearbeitet, damit die Cubes möglichst leise sind und nahe an den Gebäuden aufgestellt werden können.
Sie arbeiten auch laufend an weiteren Produkten, etwa einem Dachmodul oder digitalen Tools. Wie schützen Sie Ihre Innovationen?
Laurenz Sutterlüty: Wir haben einen starken Anreiz, unsere Entwicklungen zu schützen, weil wir in einem sehr umkämpften Markt tätig sind. Deshalb versuchen wir, sehr frühzeitig Patente anzumelden. Bisher haben wir sechs Patente national wie auch europäisch eingereicht und arbeiten am weiteren Ausbau von drei weiteren Patenten. Aber IP (Intellectual Property, Anm. d. Red.) betrifft für uns nicht nur Patente. Wir kümmern uns auch um das Markenrecht und haben mittlerweile Designs angemeldet. Man kann beispielsweise auch die optische Erscheinung des Cubes schützen. Wir verfolgen hier eine sehr konsequente Strategie, damit wir unseren Vorsprung halten und weiter vorangehen können.
Sie haben beim Innovationsschutz Unterstützung von der aws erhalten. Wie hat diese konkret ausgesehen?
David Riedl: Die aws bietet mehrere Arten der Unterstützung in diesem Bereich. Wir haben Unterstützung über die Green.IP-Förderung* bekommen. Dabei geht es einerseits um Beratung: In welche Richtung sollte man gehen? Wie setzt man die Strategie auf? Welche Wege sollte man einschlagen?
Andererseits gibt es finanzielle Unterstützung. Gerade als junges Unternehmen würde man sonst schon zwei- oder dreimal darüber nachdenken, ob man eine Patentanmeldung oder eine Markenanmeldung tatsächlich macht. Wenn man eine gewisse Grundunterstützung hat, denkt man darüber weniger nach und kann offensiver in der Patentstrategie vorgehen. Das ist für uns sehr essenziell.
Wie läuft die Beantragung einer solchen Förderung ab?
Laurenz Sutterlüty: Es gibt einen Bewerbungsprozess. Man beschreibt, welche Kosten voraussichtlich entstehen, was man damit vorhat und wie hoch der Innovations- und Technologiesprung ist. Anschließend wird das in Jury-Sitzungen bewertet.
Was würden Sie anderen Unternehmen empfehlen, die sich erstmals konkret mit dem Thema IP-Strategie beschäftigen?
Laurenz Sutterlüty: Ich würde definitiv empfehlen, diverse Fördermechanismen und auch Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Wir haben beispielsweise mit discover.IP, einem niederschwelligen Beratungsangebot von aws und Österreichischem Patentamt, begonnen. Man wird dabei zunächst einmal in die richtige Richtung geleitet. Man beschäftigt sich damit, wie man eine IP-Strategie aufsetzt, und kann abklopfen, ob es für die eigene Idee überhaupt Sinn macht, diesen Weg weiterzuverfolgen.
Wenn man anschließend sagt, dass man tatsächlich mehrere Anmeldungen machen möchte, kann man den nächsten Schritt gehen und eine umfassendere Förderung beantragen, bei der die Einreichung etwas aufwendiger ist.
* Redaktioneller Hinweis: Das GreenIP-Förderangebot wurde mit 12. August 2025 durch den aws Innovationsschutz advanced - IP. Schlüsseltechnologien ersetzt.
Innovationen strategisch schützen
Mit aws Innovationsschutz unterstützt die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH Unternehmen dabei, geistiges Eigentum zu erkennen, strategisch zu sichern und für das eigene Geschäftsmodell zu nutzen. Das Angebot verbindet Coaching mit finanziellen Zuschüssen für die Umsetzung von Innovationsschutzmaßnahmen.
Mehr Informationen: aws Innovationsschutz
Zu den Personen
David Riedl und Laurenz Sutterlüty sind Gründer und Geschäftsführer von EnerCube. Sie lernten einander im berufsbegleitenden Studium „Smart Building“ an der FH Kuchl kennen. Beide bringen Erfahrung aus der Energieberatung mit, Riedl zusätzlich aus Bauprojektmanagement und Produktionsunternehmen, Sutterlüty aus der TGA-Planung.