
Rund 100 Millionen Dosen Tierfutter stellt Austria Pet Food im Jahr her.
©Austria Pet FoodAustria Pet Food, an dem das Land Burgenland beteiligt ist, spielt eine wichtige Rolle in Europas Haustier-Futtertrögen. Es drohen jedoch Preiserhöhungen.
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Geht es nach der Eigenbeschreibung, dann ist das burgenländische Tierfutterunternehmen Austria Pet Food einer der wichtigsten Tiernahrungserzeuger Europas. Die Zahlen, die Geschäftsführer Bernd Berghofer dazu liefert, sind jedenfalls beeindruckend. 100 Millionen Dosen wurden 2025 in Pöttelsdorf produziert, mit rund 100 Mitarbeiter:innen erwirtschaftete man einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Hergestellt wird in erster Linie für die großen Handelsketten, aber auch für europäische Onlineplattformen wie Zooplus, Fachmärkte wie Fressnapf und für Tiernahrungshersteller, die keine eigene Dosenlinie betreiben. „Wir sind nicht mit eigenen Produkten am Markt vertreten, wir betreiben ganz klassisches B2B-Geschäft“, so Berghofer.
85 Prozent des Umsatzes werden dabei außerhalb Österreichs lukriert. Das sei übrigens typisch für die österreichischen Tiernahrungserzeuger. Die Branche ist generell sehr exportorientiert, erzählt Berghofer, der auch Präsident der Österreichischen Heimtierfuttermittelvereinigung (ÖHTV) ist. Als wichtigste Märkte für Austria Pet Food nennt der Geschäftsführer dabei Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien, aber auch die Schweiz und die Balkanstaaten. „Zudem wachsen wir auch außerhalb Europas, vor allem in Afrika, im südostasiatischen Raum und in Nordamerika.
Der Zenit ist noch nicht erreicht, gilt doch Tierfutter als lukratives und einigermaßen konjunkturunabhängiges Geschäft. Entsprechend wurde in den vergangenen Jahren branchenweit kräftig in den Ausbau von Kapazitäten investiert. Auch bei Austria Pet Food. 40 Millionen Euro sind in die Erweiterung der Produktionsstätte geflossen. Wichtigster Eigentümer ist das Land Burgenland über seinen Risikokapitalfonds Athena. Beteiligt ist man seit der Gründung des Unternehmens 2012, aktuell hält das Land 40 Prozent. Nun wurde die Produktion auf fast 100.000 Tonnen Jahresproduktionsvolumen verdoppelt, um, wie Berghofer betont, im europäischen Wettbewerb auch weiterhin bestehen zu können, denn: „Unsere Mitbewerber sind über ganz Europa verteilt und investieren ebenfalls sehr kräftig.“
Einfach wird es nicht. Der große Post-Corona-Boom, als sich viele Menschen Haustiere zulegten, ist vorbei. Und neue Herausforderungen zeigen sich auch hier. Vor allem setzt den Produzenten zu, dass in West- und Zentraleuropa immer weniger Fleisch gegessen wird. „Wenn für die Humanernährung weniger geschlachtet wird, haben wir für die Tiernahrung weniger Rohstoffe zur Verfügung. Parallel dazu steigt die Zahl der Tiere, die wir füttern müssen. Weniger Angebot bei mehr Nachfrage führt zu steigenden Preisen“, so Berghofer.
Er mag übrigens das oft verwendete Wort „Schlachtabfälle“ im Zusammenhang mit Tiernahrung gar nicht gerne: „Die Teile des Tiers, die bei der Schlachtung nicht für die menschliche Ernährung verwendet werden, gehen in unsere Produkte. Das sind hochwertige Rohstoffe und definitiv keine Abfälle.“
Das ist mehr als eine semantische Frage. Tiernahrung ist streng reglementiert. In einer Dose Hunde- oder Katzenfutter müssen alle notwendigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralien enthalten sein, damit ein Tier auch dann lebenslang gesund bleibt, wenn es ausschließlich dieses eine Futter bekommt. Gute, ausgewogene Produkte zu entwickeln und den Standard konstant zu halten, ist daher entsprechend kostenintensiv. Zudem gewinnt das Thema Nachhaltigkeit auch in der Tiernahrung immer mehr an Bedeutung: „Jeder Ernährungstrend der Menschen, von Bio über Regionalität bis zu Clean Label, findet sich eins zu eins auch beim Tierfutter wieder“, so Berghofer. Er beobachtet, dass für Konsument:innen eine hochwertige, auf die Bedürfnisse des Tieres speziell zugeschnittene, ausgewogene Ernährung immer wichtiger wird.
Kleine Tiere, große Geschäfte
Noch nie gaben Österreicher:innen so viel Geld für Hund, Katze und Co. aus. Davon profitieren internationale Konzerne wie Nestlé ebenso wie heimische Start-ups. Wohin sich der umkämpfte Milliardenmarkt rund um Haustiere entwickelt, lesen Sie in der Cover-Geschichte des trend.PREMIUM vom 4. September 2026.