
Das eben beschlossene Doppelbudget bezeichnet er als Etikettenschwindel: Der Wirtschaftsethiker Martin Rhonheimer rät zur Kettensäge, hinterfragt soziale Gerechtigkeit und geißelt die Infantilisierung der Bürger durch den Staat.
von
Carina Kerschbaumer
trend: Das Doppelbudget 2027/2028 hat wie die Budgets der letzten Jahre eine Frage in den Mittelpunkt gestellt: die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Die einen rufen, Österreich habe ein Ausgabenproblem, die anderen verweisen auf neue Steuerquellen als Problemlösung, und ein ehemaliger Chef der Budgetsektion bezeichnet die Lage als „highway to hell“. Wo sieht der Wirtschaftsethiker das größte Problem in dieser Debatte?
Martin Rhonheimer: Soziale Gerechtigkeit ist ein Schlagwort, das niemand definiert. Es wird letztlich gleichgesetzt mit Ungleichheit. Es gibt natürlich soziale Ungerechtigkeit, wenn Menschen diskriminiert, ausgeschlossen werden und damit weniger Chancen haben. Aber der Begriff soziale Gerechtigkeit ist unqualifiziert und unspezifiziert, er ist nicht sinnlos, aber man müsste ihn eingrenzen und sagen, was gemeint ist. Das will aber niemand, weil er appelliert einzig an Emotionen. Die Frage müsste sein, wo man ungerechte Ungleichheiten ortet.
trend: Papst Franziskus bezeichnete die Ungleichverteilung der Einkommen als Wurzel aller sozialen Übel.
Martin Rhonheimer: Es wird leider vergessen, dass nicht die Sozialpolitik den Wohlstand schafft, es ist der Kapitalismus, es sind die in einer Marktwirtschaft im Wettbewerb stehenden Unternehmer, die ihn schaffen. Und der Kapitalismus schafft auch Ungleichheit, die aber nicht ungerecht ist. Extreme, ungerechte Ungleichverteilung in armen Ländern ist die Folge von mangelnder Rechtsgleichheit und fehlendem Eigentumsschutz, was eine funktionierende Marktwirtschaft verunmöglicht.
trend: Der Kapitalist als Menschenfreund?
Martin Rhonheimer: Es gibt sicher unter Unternehmern Leute, die keineswegs Heilige sind, aber in ihrer Gesamtheit sind sie es, denen wir den allgemeinen Wohlstand verdanken. Nehmen wir Elon Musk, keine sympathische Figur, er hat aber Putzfrauen seines Unternehmens über Nacht zu Millionärinnen gemacht. Viele Angestellte hatten Anteile an seiner Firma und können heute schon mit ihrem Aktienpaket zur Bank gehen und eine Hypothek bekommen für ein Einfamilienhaus (...)
Lesen Sie den ganzen Artikel im trend.PREMIUM vom 17. Juli 2026.