
Aussichtsreiche Perspektive. Seine innovativen Montagesystems für Gebäudefassaden exportiert das junge Unternehmen Konatec in die ganze Welt.
©Johannes Puch (2), Martin HofmannKärntner Unternehmen entwickeln Lösungen für die grüne Transformation der Industrie. Ihr Erfolgsrezept ist die enge Zusammenarbeit von Betrieben, Forschung und Gründungszentren.
Ob bei Menschen generell oder bei potenziellen Geschäftspartnern im Speziellen – es ist immer gut, hinter die Fassade zu schauen. Tut man das bei einem Hochhaus auf dem Gelände des ehemaligen Wiener Nordbahnhofes, der Klinik Wien-Ottakring oder der neuen Großkaserne in Villach, stößt man auf Hightech „made in Carinthia“. Denn die innovativen Montagesysteme für die hinterlüfteten Fassaden stammen von der Firma Konatec aus Spittal an der Drau. Das Spitzenprodukt des erst 2024 gegründeten Unternehmens ist eine Aluminium-Unterkonstruktion mit Thermomaterial, die den Wärmeleitwert reduziert und dadurch die Heizkosten um rund 20 bis 30 Prozent senken kann.
Das Einzige, was bei dieser Darstellung täuscht: Die genannten Referenzprojekte stellen eine Minderheit dar. „Wir haben das Unternehmen von Beginn an international ausgerichtet“, betont Manuel Unterweger, der Konatec gemeinsam mit Joel Studer und Samuel Bregenzer gegründet hat, „daher entfallen 60 bis 70 Prozent unseres Geschäftes auf das Ausland, das reicht bis in die USA.“
Guter Standort. Von der Lebensqualität bis zu den engen Netzwerken: „In Kärnten passen viele Komponenten zusammen“, sagt Manuel Unterweger.
© Johannes Puch (2), Martin HofmannSchalldämpfer für Wasserstoff.
Von Kärnten aus in die ganze Welt liefert auch das Familienunternehmen Glaunach. Der Klagenfurter Betrieb ist auf Industrieschalldämpfer im Kraftwerks- und Anlagenbau spezialisiert. Geliefert wird in über 90 Länder, die Exportquote beträgt 95 Prozent. „Ein aktuelles Zukunftsthema ist Wasserstoff“, sagt Firmenchef Alexander Glaunach. Das Unternehmen hat deshalb einen speziellen Wasserstoffschalldämpfer aus hundert Prozent Edelstahl entwickelt, der den bei der Handhabung, der Betankung und der Entlüftung von Wasserstoff entstehenden Lärm reduziert. „Damit kann der Einsatz von Wasserstoff etwa an Tankstellen oder in Elektrolyseanlagen umwelt- und anrainerverträglicher gestaltet werden“, erläutert Glaunach.
Leise zum Erfolg. Das Unternehmen von Alexander Glaunach verkauft Schalldämpfer für Industrieanlagen in über 90 Länder. Exportquote: 95 Prozent.
© Johannes Puch (2), Martin HofmannDie Schalldämpfer aus Klagenfurt und die wärmebrückenfreien Fassadenkonsolen aus Spittal sind nur zwei Beispiele für eine nicht zu übersehende Entwicklung: Kärntens Betriebe liefern Technologien und Komponenten für die grüne Transformation der Industrie. Kärnten ist also mehr als Seen und Berge. Knapp 60 Prozent Bruttowertschöpfung des Bundeslandes entfallen auf die Kärntner Industrie und die industrienahen Sektoren.
Engmaschiges Netzwerk.
Und die beiden Beispiele zeigen auch, was hinter diesen Erfolgen steht. Rund um große Leitbetriebe wie Infineon, Intel, Flex und Lam Research und Mahle und unterstützt von Forschungseinrichtungen wie den Silicon Austria Labs, die in Villach den größten Forschungsreinraum Österreichs zur Verfügung haben, den Lakeside Labs, Fraunhofer Austria und Joanneum Research Robotics im Lakeside Park -Klagenfurt ist ein wirkungsvolles Netzwerk entstanden, dass Ideen und Innovationen und deren Umsetzung fördert.
Was Konatec und Glaunach noch belegen: Der Export von Kärnten in die Welt ist nicht nur auf Große zugeschnitten. Konatec hat 14 Beschäftigte, Glaunach zwölf. Beide profitieren vom guten Namen Kärntens als Hightech-Standort, den das Standortmarketing über Jahre gezielt und kontinuierlich aufgebaut hat. Gerade Klein- und Mittelbetrieben sind dadurch Türen geöffnet, die sonst nur mühsam und mit erheblichen Kosten entsperrt werden müssten.
Effektive Starthilfe.
Zudem unterstreicht die Erfolgsgeschichte beider Betriebe, wie gut die in Kärnten aufgebauten Netzwerke in der Praxis funk-tionieren. So erhielt Konatec in der Gründungsphase wichtige Unterstützung vom Gründungszentrum build!; um ausreichendes Startkapital aufzustellen, beteiligte sich der Carinthian Venture Fonds mit fünf Prozent an dem Unternehmen.
Gerade „build!“ spielt eine wichtige Rolle im Wirtschaftsökosystem. „Einerseits begleiten wir Start-ups von der Ideenphase bis über die Gründung hinaus in die erste Wachstumsphase, andererseits schaffen wir direkte Zugänge zur Industrie, zu Forschungsinfrastruktur und zu Entscheidungsträgern“, sagt Geschäftsführer Martin Trink.
Für ihn ist das ein zentraler Baustein für Kärntens Erfolge: „Kärnten ist besonders stark, wenn es darum geht, von der anwendungsorientierten Forschung über die Prototypenentwicklung bis hin zur Serienentwicklung zu kommen.“ Konatec-Chef Unterweger bestätigt das: „Die mit der Lebensqualität in Kärnten verbundene hohe Work-Life-Balance, die enge Vernetzung – sehr viele Komponenten haben am Standort gut zusammengepasst.“
Auch Alexander Glaunach nennt als wichtigen Faktor für die Innovationskraft des Unternehmens die enge Zusammenarbeit mit anderen Akteuren. Mit den Silicon Alps Labs besteht eine enge Kooperation, insbesondere bei Softwarethemen, Fördermöglichkeiten und der Vernetzung mit relevanten Forschungseinrichtungen. Auch mit HTLs arbeitet das Unternehmen zusammen, um neue Lösungen zu entwickeln.
Fokus auf Qualität.
Doch über allem steht noch ein anderes Thema, das leicht übersehen wird: Topqualität. So gehört Glaunach weltweit zu den teuersten Herstellern von Industrieschalldämpfern. „Für die Kunden steht aber Qualität im Vordergrund“, sagt Glaunach, „gerade internationale Kunden schätzen eine transparente Lieferkette und die europäische Fertigungsqualität.“ In den USA sind die Klagenfurter unter anderem im Wasserstoffbereich aktiv und arbeiten dort auch mit Zulieferern der NASA zusammen.
Qualität, Innovation, Kooperationen mit Forschungs- und Fördereinrichtungen, gut ausgebildete Fachkräfte – Kärnten ist nicht nur für Start-ups und KMU ein interessanter Standort, es darf auch einige Nummer größer sein. So hat der deutsche Autozulieferer Mahle – 11,3 Milliarden Euro Umsatz, 64.000 Beschäftigte weltweit – entschieden, seine neue Produktionslinie für Luftbefeuchter in brennstoffzellenbetriebenen Fahrzeugen im Kärntner Werk zu produzieren. Der Standort St. Michael ob Bleiburg mit seinen 1.300 Beschäftigten ist ein Leitwerk im Bereich Thermomanagement und Filtersysteme. Beide Segmente gewinnen im Zuge der Elektrifizierung zunehmend an Bedeutung.
„Die neue Produktionslinie soll ab 2029 in Betrieb gehen und stellt einen wichtigen Investitionsschritt für den Standort dar“, sagt Roland Kaimbacher, Head of Simultaneous Engineering bei Mahle in St. Michael. Die Entscheidung für Kärnten als Produktionsstandort fiel aufgrund seines umfassenden Prozess-Know-hows, insbesondere in den Bereichen Schweiß-, Klebe-, Spritzguss- und Medientechnologie.
Kaimbacher: „Unser Team hat bereits mehrfach seine Fähigkeit bewiesen, neue Technologien erfolgreich zu implementieren. Die Entscheidung für die neue Produktionslinie ist ein klares Bekenntnis zur Stärkung des Standorts St. Michael.“
Das Standortmarketing Kärnten
zeichnet für die Vermarktung des Standorts Kärnten verantwortlich. Mehr Informationen dazu finden Sie auf www.carinthia.com.