Kärnten: stark mit Chips und Chancen

In Kooperation mit dem Standortmarketing Kärnten
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140 Partner, 12,4 Milliarden Euro Umsatz: Kärnten hat sich zu einem führenden europäischen Standort für Mikroelektronik entwickelt. Getragen von spezialisierten Unternehmen, internationaler Spitzenforschung und einem eng geknüpften Netzwerk zieht dieses erfolgreiche Ökosystem immer neue Betriebe an.

Kärnten gilt als einer der Hotspots der Mikroelektronik. Doch wer dabei nur an Infineon denkt, verpasst einen relevanten Teil dieser Erfolgsgeschichte. Denn die Bedeutung Kärntens als starker Standort der Halbleiterindustrie beginnt lange vor der Herstellung eines Chips – und geht nach dessen Produktion mit der Entwicklung neuer und verbesserter Anwendungsmöglichkeiten weiter. Eine Vielzahl in Kärnten ansässiger Betriebe -fertigt Anlagen und hat Prüfsysteme und Verfahren für die Chipherstellung entwickelt. 

Ein Beispiel dafür ist die bereits 1998 von Walter Schober gegründete Mechatronic Systemtechnik GmbH mit Sitz in Fürnitz. Sie baut Anlagen, die hauchdünne Siliziumscheiben – die sogenannten Dünnwafer, Grundlage moderner Mikrochips – automatisch und schonend durch den Produktionsprozess bewegen. Ein herkömmlicher Greifer würde sie beschädigen. Schobers innovative Lösung: patentiertes, auf dem Bernoulli-Vakuum-Prinzip basierendes, berührungsloses Handling. 

91 Prozent Export.

„Wir haben ein sehr starkes Entwicklungs- und Produktionsteam. Viele Mitarbeitende sind bereits länger als 20 Jahre im Unternehmen“, betont Walter Schober. Die Mechatronik-Technologie trägt dazu bei, Ausschussraten zu minimieren und so Produktionsprozesse effizienter zu gestalten. Kein Wunder also, dass der Exportanteil mit 91 Prozent hoch ist, mehr als 500 dieser Systeme „Made in Carinthia“ sind weltweit im Einsatz. Die Auftraggeber kommen aus Taiwan, China, Singapur, Malaysia, Deutschland, von den Philippinen und aus den USA. Die klare Spezialisierung und die Exporterfolge des Unternehmens wurden heuer auch mit dem Österreichischen Exportpreis gewürdigt. 

Am anderen Ende der Wertschöpfungskette liegt die 1999 gegründete CISC Semiconductor GmbH. Der Klagenfurter Betrieb steht für Technologien, mit denen Funkchips und RFID-/NFC-Produkte entwickelt, geprüft und in der laufenden Produktion getestet werden können – wobei RFID die Abkürzung für Radio Frequency Identification ist, also die Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen oder Funkfrequenz-Identifikation. Mit der Near Field Communication (NFC) wiederum kann man Daten über eine sehr kurze Strecke von wenigen Zentimetern drahtlos übertragen, etwa wenn man das Smartphone als Geldbörse nutzt. CEO Markus Pistauer hält zahlreiche Patente, bewertet für die Europäische Kommission Forschungsprojektanträge und wirkt an der Vorbereitung künftiger Förderprogramme sowie an strategischen Forschungs- und Innovationsagenden im Bereich Mobilität mit. 

Die jüngste Erfolgsmeldung: Für den US-Technologiekonzern Wiliot entwickelte CISC ein Prüfsystem für dessen batterielose Mini-Funksensoren. Die Anlage aus Klagenfurt kann bis zu 6.500 dieser „IoT-Pixel“ pro Stunde und Testbahn kontrollieren und soll den weltweiten Ausbau deren Serienproduktion vereinfachen. 

Allerdings: Ein Selbstläufer mit garantiertem Erfolg ist das alles nicht. „Mikroelektronik hat vom Wachstum her auf jeden Fall seine Chancen“, sagt Pistauer, „mangelnde Technologieoffenheit und ein Übermaß an Regulierung in Europa hemmen diese Entwicklung aber.“ Punkten könne Europa im Bereich „Physical AI“, also der Verbindung künstlicher Intelligenz mit physischen Systemen wie Robotern und Drohnen, wodurch die KI in Echtzeitwahrnehmung die Umgebung erfassen, Daten verarbeiten und so autonome Handlungen setzen und adaptieren kann. Das ist für Pistauer der nächste Schritt.

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Neuer Erfolg. CISC-CEO Markus Pistauer hat für den US-Tech-Konzern Wiliot ein Prüfsystem für dessen batterielose Mini-Funksensoren entwickelt.

 © Daniel Waschnig

Starkes Cluster.

Umso wichtiger sind dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen. Dazu zählt vor allem ein starkes Netzwerk. Denn Netzwerk bedeutet Wissensaustausch und gut qualifizierte Fachkräfte, bedeutet entsprechende Fachschulen und Forschungseinrichtungen, bedeutet öffentliche Aufmerksamkeit, gesellschaftliche Akzeptanz und wirtschaftliche Relevanz.  Und genau damit kann Kärnten punkten: Der 2016 gegründete Silicon Alps Cluster mit Sitz in Villach und einem weiteren Standort in Graz verbindet mittlerweile 140 Partner. Gemeinsam erwirtschaften sie einen Umsatz von 12,4 Milliarden Euro, rund die Hälfte davon entfällt auf die Chipproduktion. 

Bemerkenswert ist die Struktur des Netzwerks: 64 Prozent der Partner sind kleine und mittlere Unternehmen. Mit einer Forschungsquote von 30 Prozent zählt der Cluster zu den innovations-intensivsten Wirtschaftsnetzwerken des Landes.

Dazu trägt auch Silicon Austria Labs (SAL) in Villach bei, gleichsam das wissenschaftliche Rückgrat des Netzwerkes. Das SAL MicroFab mit insgesamt 1.400 Quadratmetern bildet dabei das technologische Herzstück, das mit seiner Reinraum- und Dünnschichtinfrastruktur Forschung auf internationalem Spitzenniveau ermöglicht. Erst im Juni wurden im SAL das erste ULVAC-Ätzsystem Europas in Betrieb genommen und die europäische Pilotlinie für Ionenfallen-Chips eröffnet. Beides starke Signale für Kärnten als einer der zentralen europäischen Standorte für Mikroelektronik und Chipforschung.

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Von Kärnten in die Welt. Deutschland, USA, China. Taiwan: Die Fürnitzer Mechatronik Systemtechnik liefert ihre Anlagen zur Chipherstellung in die ganze Welt, die Exportquote beträgt 91 Prozent.

 © mechatronic

Globales Kompetenzzentrum.

Wie eng Forschung und Anwendung in Kärnten verzahnt sind, zeigt die frühere SEZ, die bereits seit den 80er-Jahren Anlagen zur Waferreinigung produziert und 2008 vom US-Konzern Lam Research übernommen wurde. Seitdem ist Villach das globale Kompetenzzentrum des Konzerns für Reinigungs- und Nassprozess-Technologien. Erst kürzlich konnten entsprechende Anlagen an einen großen japanischen Hersteller von Zwei-Nanometer-Logikchips verkauft werden. 

Dank der Aktivitäten des Standortmarketings Kärntens hat sich die Bedeutung des Bundeslandes für den Bereich der Mikroelektronik auch international herumgesprochen – und zieht internationale Unternehmen an. So hat sich mit der italienischen Meridionale Impianti ein weiteres internationale Unternehmen in Kärnten angesiedelt und dort bereits mehr als eine Million Euro investiert. 

Das Unternehmen stellt Spezialsysteme für die Mikroelektronik her, die bei der Herstellung von Microchips und Halbleitern eingesetzt werden. „Wir wollen in Villach vor allem unser Know-how verbessern und auch weitergeben“, betont Eigentümer Giovanni Raffa. Neben dem Service durch das Standortmarketing wurde die Ansiedlung auch von der Kärntner Betriebsansiedelungs- und Beteiligungsgesellschaft Babeg unterstützt. 

Eine starke Halbleiter-Community, moderne Infrastruktur und enge Kooperationen mit Forschungseinrichtungen: Das hat auch die deutsche Extoll-Gruppe überzeugt, sich im Villacher Technologiepark anzusiedeln. Das Unternehmen erstellt und lizenziert Funktionsblöcke für Hochleistungs-Datenverbindungen.

„Kärnten eignet sich für uns besonders als Standort, weil es dort ein Ökosystem in der Halbleiterbranche gibt“, erläutert Österreich-CEO Ulrich Krackhardt, „das macht es zum Beispiel einfacher, erfahrene Mitarbeiter zu gewinnen.“ Zudem spielen Forschung und Entwicklung für Extoll als Hightech- Unternehmen eine herausragende Rolle, und auch dafür biete Villach gute Möglichkeiten.

Top Branchentreff.

Nächstes Highlight der Community: Am 7. Oktober findet im Messecongress Graz die vom Silicon Alps Custer veranstaltete EBSCON statt, Europas wichtigste Konferenz für die Halbleiter- und Elektronik-Industrie. „Europa kann mit exzellenter Forschung, starken Universitäten und weltweit führenden Unternehmen aufwarten. Die Herausforderung besteht nun darin, Innovationen schneller in industrielle Anwendungen, wettbewerbsfähige Unternehmen und europäischen Wertschöpfung umzusetzen“, beschreibt Robert Gfrerer, Geschäftsführer des Silicon Alps Cluster und Präsident der Silicon Europe Alliance, das Leitthema der Konferenz, an der vergangenes Jahr 350 Interessierte aus 22 Nationen teilnahmen. 

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