Was er über Ihr Gehirn weiß, hilft im Wandel, vorne zu bleiben.

In Kooperation mit Dr. Marcus Täuber.
Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
Artikelbild
  1. home
  2. Specials
  3. Special

Neurobiologe und Mentalcoach Prof. Dr. Marcus Täuber trainiert Eurofighter-Piloten und begleitet Extremsportler zu Weltrekorden. Im trend.-Interview verrät er, wie das Gehirn Höchstleistungen erzielt – und was Manager von Kampfpiloten über echte Belastbarkeit lernen können.

Früher hat er Gehirne seziert. Heute verändert er Gehirne.

Mit zwölf Jahren beginnt Täuber mit einem Selbstversuch. Daheim entdeckt er ein Buch über autogenes Training, legt sich ins Badezimmer und folgt einer einfachen Anweisung: Er stellt sich vor, seine rechte Hand werde warm. Und tatsächlich spürt er Wärme. „Ich fühlte mich wie Houdini", erinnert er sich. „Wenn Gedanken das können – was ist dann noch möglich?" Die Frage wird zum roten Faden seiner Karriere. Täuber studiert Neurobiologie, promoviert und forscht zu den Mechanismen im Gehirn. Er kann auf rund 30 Publikationen verweisen. 

Marcus Täuber steht vor Vorständen und Vertriebsteams auf der Bühne, arbeitet als psychologischer Coach mit Führungskräften und wird dort hinzugezogen, wo Menschen unter besonderer Belastung funktionieren müssen. Seine Keynotes verbinden Hirnforschung mit Live-Experimenten und unmittelbarer Selbsterfahrung. 

trend. sprach mit ihm darüber, warum klassische Change-Kommunikation häufig wenig verändert, was Unsicherheit mit unseren Entscheidungen macht – und was das Management von Menschen lernen kann, die unter extremem Druck Leistung abrufen müssen.

„Das Gehirn verändert sich nicht durch Information“.

trend.: 

Herr Täuber, Sie sagen, die meisten Menschen verändern sich nicht. Wirklich? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Ja. Sie reden darüber, lesen Bücher, besuchen Seminare. Aber im Gehirn passiert nichts, was bleibt. Und solange das so ist, bleibt auch alles beim Alten. Das ist für Unternehmen, die derzeit ein Transformationsprogramm nach dem anderen aufsetzen, keine besonders gute Nachricht. 

Nein. Zu glauben, Information führe automatisch zu Veränderung, ist ein fundamentaler Irrtum. Einsicht allein verändert noch kein Verhalten. Entscheidend ist, dass das Gehirn eine neue Erfahrung macht. Dass es etwas emotional erlebt und verinnerlicht. Je nach Thema braucht es dafür Training und Wiederholung. Genau deshalb reicht es nicht, Mitarbeitern zu erklären, was sie künftig anders machen sollen. 

trend.: 

Sie versuchen, das in Ihren Vorträgen unmittelbar erfahrbar zu machen. Wie? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

In diesen Formaten wird der Seminarraum zum Labor für Veränderung. Ich arbeite auf der Bühne mit Experimenten, Erlebnissen und Selbsterfahrung. Dazu greife ich auf eine Sammlung wissenschaftlich fundierter Werkzeuge zurück, die sogenannte Marc Brain Box. Sie kann im Meeting, bei Präsentationen, im Moment der Entscheidung einen gewaltigen Unterschied machen. 

trend.: 

Das klingt für ein Business-Event ungewöhnlich.

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Viele Vorträge vermitteln vor allem Inhalte. Oder bekannte Persönlichkeiten erzählen, wie toll sie sind. Mir geht es um Veränderung. Um den Moment, in dem Wissen beim Publikum etwas auslöst. Und ich gebe konkrete, praxistaugliche Tools an die Hand. 

trend.: 

Ist das auch eine Abrechnung mit der Selbstoptimierungsbranche? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Zum Teil schon. Vieles basiert dort auf Motivation, Mindset-Parolen und positivem Denken. Das fühlt sich vielleicht gut an, bringt aber allein wenig. Veränderung ist ein neurobiologischer Prozess.

Was Manager von Extremsportlern lernen können.

trend.: 

Sie haben einen Apnoetaucher vor einem Rekordversuch begleitet. Was war das Problem? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Christian Redl wollte 75 Meter unter einer geschlossenen Eisdecke tauchen. Ohne Neoprenanzug, ohne Sauerstoffgerät. Das Problem: Sobald er im Training ins kalte Wasser stieg, verkrampfte sich sein Körper. 

trend.: 

Wie aufwendig war es, dieses Thema zu bearbeiten? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Die Intervention selbst, am 8. Januar 2024, hat nur 20 Minuten gedauert. Bereits am nächsten Tag blieben Atmung und Muskeln entspannt. Am 11. Februar 2024, im Weißensee in Kärnten, gelang der Tauchgang bei 2 Grad Celsius. Das ist außergewöhnlich und bedeutet natürlich nicht, dass sich jedes Thema so schnell verändern lässt. Aber: Bei mir muss niemand jahrelang ins Coaching kommen oder in der Kindheit wühlen. Unter bestimmten Bedingungen können sich neuronale Muster erstaunlich schnell verändern. 

trend.: 

Was kann ein Manager von einem solchen Extremfall lernen? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Dass es darauf ankommt, Fähigkeiten im entscheidenden Moment abrufen zu können. Stress oder Angst können genau diesen Zugriff blockieren. Beim Extremsport wird das besonders sichtbar – für Führungskräfte gilt dasselbe Prinzip. 

Wenn Unsicherheit zum Dauerzustand wird.

Viele Führungskräfte erleben derzeit geopolitische Unsicherheit, technologische Umbrüche, KI und Kostendruck gleichzeitig. Was macht das mit unserem Gehirn? Unsicherheit versetzt es in Alarmbereitschaft. Das ist normal und evolutionär sinnvoll. Problematisch wird es, wenn dieser Ausnahmezustand zum Dauerzustand wird. Dann verschiebt sich unsere Wahrnehmung. Und auch Entscheidungen und Leistungsfähigkeit können darunter leiden.

trend.: 

Kann man das Gehirn tatsächlich dagegen umprogrammieren? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Wir können lernen, unseren Zustand gezielt zu regulieren. Unser Gehirn ist nicht in Stein gemeißelt, sondern formbar wie Knetmasse – Stichwort Neuroplastizität. Es gibt Prinzipien, mit denen wir über innere Bilder und Auto-Suggestionen das Gehirn gezielt umgestalten können. Das ist genau mein Metier.

trend.: 

Was ist dabei der größte Denkfehler von Führungskräften?

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Zu glauben, sie hätten ihre Entscheidungen vollständig im Griff. Unbewusste Prozesse spielen dabei eine erhebliche Rolle, gerade unter Druck. Wer das versteht, kann bewusster mit den eigenen Reaktionen umgehen. 

trend.: 

Was bedeutet das für Leadership? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Führung beginnt mit Selbstführung. Wer emotional kippt, verliert zunächst den Einfluss auf sich selbst und dann auf andere. Mentale Stabilität wird damit zur Führungsaufgabe. 

Gehirnpflege wie Zähneputzen.

trend.: 

Sie sagen, wir sollten unser Gehirn pflegen wie unsere Zähne. Was bedeutet das für einen Manager am Montagmorgen? 

Prof. Dr. Marcus Täuber: 

Dass mentale Leistungsfähigkeit keine Maßnahme für Ausnahmesituationen sein sollte. Kleine, regelmäßig angewandte Routinen sind sinnvoller als der Versuch, erst dann gegenzusteuern, wenn die Belastung bereits zu groß geworden ist.

Zur Person

Prof. Dr. Marcus Täuber ist der Mann, der Gehirne verändert. Der Neurobiologe und Mental-coach hat bis dato 76.259 Bücher verkauft und 6.849 Menschen persönlich trainiert – und zählt damit zu den absoluten Koryphäen auf seinem Gebiet. 

Als Mental-Health-Experte bei trend. vermittelt er regelmäßig, wie Top-Manager Erkenntnisse aus der Neurobiologie für sich nutzen können. 

Mehr Informationen auf: https://ifmes.com

In Zusammenarbeit mit:
Kooperation
Mental Performancetrend.Med
Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages