Kampf gegen die Dürre: Hilfspakete und Notverordnungen

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Die Dürre beschäftigt nicht nur Österreichs Regierung: Auf welche Maßnahmen Österreichs Nachbarländer setzen.

Jetzt geht es schnell. Das neue Klimagesetz, wonach Österreich bis 2040 klimaneutral sein muss, soll bereits nächste Woche in die Begutachtung gehen. Das war die Voraussetzung für das Hilfspaket von 240 Millionen Euro für die heimische Landwirtschaft in Folge der anhaltenden Dürre – die genauso auch Österreichs Nachbarländer betrifft. Ein Blick auf die Maßnahmen in Deutschland, Italien, Ungarn und der Schweiz.

Deutschland: Natur als Wasserspeicher

Der heiße und trockene Sommer führte in Deutschland zu erheblichen Problemen. Besonders betroffen war der Rhein: Die niedrigen Pegelstände schränkten die Binnenschifffahrt stark ein und belasteten die Industrie. Zwar entspannte sich die Situation inzwischen, eine vollständige Erholung wird jedoch erst im Herbst erwartet. Allein hier drohen Schäden von fast einer Milliarde Euro. Auch die Landwirtschaft litt unter der anhaltenden Trockenheit: Der deutsche Raiffeisenverband schätzt die Einnahmeverluste auf über 600 Millionen Euro.

Um die unmittelbaren Folgen der Dürre abzufedern, stellte die Bundesregierung unter anderem ein Sofortprogramm von 200 Millionen Euro für betroffene landwirtschaftliche Betriebe bereit. Die Bundesregierung setzt auch zunehmend auf einen nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Wasser. Dazu gehört die Nationale Wasserstrategie, mit der Deutschland langfristig besser auf Wasserknappheit vorbereitet werden soll. Vorgesehen sind unter anderem eine effizientere Wassernutzung, eine bessere Anpassung der Wasserinfrastruktur und eine stärkere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Auch soll bei Wasserknappheit klarer geregelt werden, welche Nutzungen Vorrang haben. So soll insbesondere die Trinkwasserversorgung auch während längerer Dürreperioden gesichert werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der natürlichen Speicherung von Wasser. Flüsse und Auen sollen renaturiert, Moore wiedervernässt und Böden sowie Wälder widerstandsfähiger gegen Trockenheit gemacht werden. Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz stehen insgesamt 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) fordert, den Hitzeschutz zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen zu machen. So könnten Maßnahmen zur Klimaanpassung bundesweit besser umgesetzt werden. Dafür wäre eine Änderung des Grundgesetzes notwendig. Einen konkreten Vorschlag will die Bundesregierung in den kommenden Monaten vorlegen. Für eine Grundgesetzänderung wäre – wie auch in Österreich bei vergleichbaren Verfassungsänderungen – eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Die Grünen signalisierten bereits ihre Unterstützung.

Italien: Wasser als Milliardenprojekt

Der Po, der längste Fluss Italiens, sieht derzeit an manchen Stellen wie ein kleiner Bach aus. Die Po-Ebene gilt als das größte landwirtschaftliche Anbaugebiet Südeuropas. Auch hier machen sich die Folgen der anhaltenden Trockenheit bemerkbar. Der italienische Bauernverband „CIA-Agricoltori Italiani" schlägt Alarm: Durch den niedrigen Wasserstand drängt Salzwasser vom Meer rund 25 Kilometer in die Mündungsarme. Dadurch wird das Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung zu salzhaltig. Die Folge: Die Bewässerung musste teilweise eingestellt werden. Zahlreiche Ernten sind gefährdet. Auch die Flussökosysteme und die Süßwasserfischerei leiden unter dem Salzwasser. Der Bauernverband schätzt die Schadenssumme in der Landwirtschaft im heurigen Jahr auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Um die Situation im Po-Einzugsgebiet zu entschärfen, hat sich die italienische Regierung auf eine Notfalllösung mit der Schweiz geeinigt. Vom Schweizer Luganersee soll mehr Wasser in den italienischen Lago Maggiore umgeleitet werden. Die beiden Seen sind durch einen kleinen Fluss verbunden. Dadurch soll die Bewässerung der Landwirtschaft unterstützt werden.

Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen investiert Italien auch in langfristige Lösungen. Die Regierung hat im Juli 2026 ein Programm mit Wasserprojekten und einem Gesamtvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro bestätigt. Die Projekte umfassen unter anderem die Verbesserung und den Ausbau von Wasserspeichern wie Stauseen und Wasserleitungen. Seperat stellt das Infrastrukturministerium etwa eine Milliarde Euro speziell für die Trinkwasserinfrastruktur bereit - auch hier liegt der Fokus auf Ausbau und Verbesserung. Weitere 700 Millionen Euro sollen in Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft fließen.

Ungarn: Dürreschutz beginnt beim Grundwasser

Etwas weniger als drei Stunden von Wien entfernt liegt in Ungarn der Velence-See, der drittgrößte See des Landes. Dieser könnte schon bald der Vergangenheit angehören, denn er droht auszutrocknen. Was sich am Velence-See beobachten lässt, ist symptomatisch für ein weit größeres Problem: Rund 90 Prozent der ungarischen Landesfläche sind von Dürre und Trockenheit betroffen. In manchen Regionen ist der Grundwasserspiegel so stark abgesunken, dass das Wasser selbst für Brunnen und die Wurzeln von Bäumen nicht mehr erreichbar ist. Für dieses Jahr rechnet Ungarn mit einem Verlust bei der Getreideernte von rund 2,4 Millionen Tonnen – dem zweitgrößten in Europa. Nur Frankreich ist noch stärker betroffen. Die Schäden werden auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Damit das künftig verhindert wird, unterstützt die ungarische Regierung Bewässerungsprojekte im Wert von umgerechnet mehr als 58 Millionen Euro.

Auch die Energieversorgung bleibt von der Trockenheit nicht verschont. Wegen des niedrigen Wasserstands der Donau musste das Atomkraftwerk Paks zeitweise abgeschaltet werden. Diese Maßnahme ist Teil einer Energiespar- und Notverordnung, die wegen der Dürre erlassen wurde. Die Situation zeigt, wie abhängig die Energieversorgung von ausreichenden Wasserständen ist.

Ungarn plant bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Im Zuge dessen sollen bis 2030, 30 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Im Vergleich dazu ist Österreich deutlich weiter: Rund 87,5 Prozent des hier erzeugten Stroms stammen aus erneuerbaren Energiequellen.

Künftig plant Ungarn auch, Überschwemmungswasser nicht mehr schnell durch Flüsse abzuleiten, sondern länger zu halten um Grundwasserspeicher aufzufüllen. Umgesetzt werden soll das mit Rückhaltebecken, Speichern und der Renaturierung von Bächen, die zuvor begradigt wurden. Das Ziel: den natürlichen Wasserkreislauf wiederherstellen und Ungarn widerstandsfähiger gegen Dürre zu machen.

Schweiz: Zwischen Engpässen und Anpassung

Auch im Alpenland Schweiz setzt die Trockenheit der Landwirtschaft zu. Die Versicherung Hagel Schweiz schätzt den dürrebedingten Schaden in der Landwirtschaft auf umgerechnet über 20 Millionen Euro. Betroffen sind vor allem Sommerkulturen wie Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen. Wie auch in Österreich, müssen schweizer Bäuer:innen ihre Wintervorräte den Tieren verfüttern, weil auf den Wiesen zu wenig wächst. Um die Landwirt:innen zu entlasten hat die Schweizer Regierung aufgrund der anhaltenden Trockenheit zollfreie Importe von Mais und Heu erlaubt.

Trotz der starken Trockenheit sieht der Schweizer Bundesrat keine Notwendigkeit für überkantonale Maßnahmen, die aktuelle Gesetzgebung sei ausreichend. Die Situation werde jedoch laufend überwacht. Die Wasserhoheit liegt bei den einzelnen Kantonen, die selbstständig Notmaßnahmen ergreifen können. So bieten etwa einzelne Kantone Landwirt:innen bei Liquiditätsengpässen die Möglichkeit, zinslose Darlehen zu beantragen.

Dennoch setzt man auch genauso auf langfristige Schritte, wie eine nationale Klimastrategie. Diese soll unter anderem die Züchtung von Pflanzen fördern, die besser an Trockenheit angepasst und dürreresistenter sind. Zudem stehen mehr finanzielle Mittel für den Ausbau von Bewässerungsinfrastrukturen zur Verfügung. Auch bodenschonende Anbauverfahren sollen stärker gefördert werden, um den Humus, der große Mengen Wasser speichern kann, zu erhalten und wiederaufzubauen. Diese Anpassungsmaßnahmen können die unmittelbaren Folgen der Trockenheit nicht verhindern. Sie sollen aber dabei helfen, Landwirtschaft und Versorgung langfristig widerstandsfähiger gegen zunehmende Wasserknappheit zu machen.

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