Die Favoriten für den Öbag-Traumjob

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 © FFG/SARAH KATHARINA, WOLFGANG WOLAK, A1/RENEE DEL MISSIER

THOMAS GANGL (l.), 54, ist im OMV-Konzern und auch in der niederösterreichischen ÖVP gut vernetzt. HENRIETTA EGERTH, 55, ist Expertin für Forschungsförderung und Zukunftstechnologien - und ein Profi auf dem politischen Parkett. THOMAS ARNOLDNER, 48, ist als Telekom-Topmanager mit dem Öbag-Biotop vertraut.

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Für den Alleinvorstand in der Staatsholding Öbag sind massig Bewerbungen eingegangen. Die Zahl der Favoriten ist aber überschaubar. Neben Thomas Arnoldner, Henrietta Egerth und Thomas Gangl wird auch Ex-A1-Boss Hannes Ametsreiter ins Spiel gebracht.

Eine für die gesamte heimische Wirtschaft weitreichende Entscheidung, die bis Oktober ansteht, sorgt auch in der politischen Sommerpause hinter den Kulissen für große Betriebsamkeit. Es gilt, sich auf die nächste Führungsperson für die Staatsholding Öbag zu einigen. Der Vertrag der aktuellen Alleinvorständin Edith Hlawati läuft nämlich am 31. Jänner 2027 aus.

Die 69-jährige ehemalige Topanwältin pochte in den vergangenen fünf Jahren stets auf Unabhängigkeit gegenüber der Politik und hat sich darüber geradezu selbst definiert. Diese Haltung brachte ihr in Wirtschaftskreisen zwar Respekt ein, Beobachter glauben allerdings, dass sie deswegen Teilen der aktuellen Regierung als warnendes Beispiel für einen Zustand gilt, den man so nicht prolongieren will. Weshalb nach einer Lösung gesucht werde, die wieder mehr politischen Einfluss ermöglicht. Eigentümervertreter ist Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, der dieses Ansinnen auch schon durchblicken ließ. Bei der letzten Öbag-Besetzung 2021 gingen in Summe 120 Bewerbungen ein. Auch dieses Mal wird von einer dreistelligen Zahl ausgegangen. Allerdings schafft es nur ein Bruchteil der Interessenten zu einem persönlichen Gespräch mit dem externen Berater Andreas Landgrebe, Managing Partner beim Executive-Search-Unternehmen Boyden.

Wer im Favoritenkreis ist

Wie sich die Lage laut trend-Recherchen momentan präsentiert, kristallisieren sich drei Favoriten heraus. Einer davon ist Thomas Gangl, 54, ehemaliger Vorstand der Öbag-Beteiligung OMV und danach CEO der OMV-Tochter Borealis. Der gebürtige Oberösterreicher ist vor allem in der niederösterreichischen ÖVP, die sich vehement einzubringen versucht, gut vernetzt und wäre verfügbar. Allerdings soll sich sein Verhältnis zum Öbag-Aufsichtsratspräsidenten und Chef des Nominierungsausschusses Günther Ofner zuletzt etwas abgekühlt haben, weil Gangl im Rennen um den OMV-Chefsessel stark vom Betriebsrat gefördert wurde. Der Volkspartei noch deutlich enger verbunden ist der einstige Bundesobmann-Stellvertreter der Jungen ÖVP und Wiener Bezirksobmann Thomas Arnoldner. Er gehört seit vielen Jahren dem Vorstand der ebenfalls zum Öbag-Portfolio zählenden A1 Telekom Austria an. Seit Alejandro Plater dort als CEO fungiert, hat dessen nunmehriger Stellvertreter Arnoldner, 48, aber an Gewicht verloren. Ein durchaus möglicher Wechsel an die Spitze der Staatsholding würde ihn zweifellos reizen. Außerdem ist Arnoldner so wie Ofner und Hattmannsdorfer in einem Kartellverband, was seinen Chancen nicht unbedingt abträglich ist.

Mit Henrietta Egerth, 55, findet sich auch eine Frau unter den aussichtsreichsten Kandidaten. Die langjährige Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG hat Expertise auf dem Gebiet der öffentlichen Technologieförderung und ist durch frühere Tätigkeiten im Wirtschaftsministerium sowie in der Industriellenvereinigung ebenfalls in der Volkspartei verankert. Sie pflegt vor allem zu Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ein enges Verhältnis. So sitzt sie auch im Aufsichtsrat der NÖ Kulturwirtschaft GmbH. Wie ihre zwei männlichen Mitbewerber verfügt Egerth außerdem über ein breites Kontaktnetz in Oberösterreich, dem Heimatbundesland von Hattmannsdorfer.

Gleiches gilt für zwei von dort stammende Topmanager, die von verschiedenen Seiten für den Topjob in der Öbag angesprochen wurden, jedoch abgewunken haben: zum einen Palfinger-Boss Andreas Klauser, für den die Option zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt. Denn er hat eine Vereinbarung mit Eigentümer Hubert Palfinger, noch wenigstens zwei Jahre bei dem erfolgreichen Kranhersteller zu bleiben. Und diese Zusage will er nicht brechen. Zum anderen Michael Strugl, der als Ex-Politiker in Oberösterreich ein logischer Kandidat wäre. Sein noch bis Ende 2028 laufender Vertrag als CEO des Verbund ließe sich mit der Öbag als Hauptaktionärin wohl leichter vorzeitig auflösen, aber Strugl will definitiv nicht. Dennoch wurde das Bemühen, ihn zu überreden, noch nicht ganz aufgegeben.

Ist Ex-Telekom-Boss im Rennen?

Darüber hinaus wird auch über Hannes Ametsreiter heftig spekuliert. Der 59-Jährige war CEO von A1 in Österreich und von Vodafone in Deutschland, danach bis Anfang 2025 Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Jetzt fungiert er als Aufsichtsratschef des Mobilfunkers 1Global mit Sitz in Amsterdam – eine Aufgabe, die Raum für die Führung der Öbag ließe. Wenn Topmann Ametsreiter, der in München lebt, tatsächlich Ambitionen hat, wäre er von der rein fachlichen Kompetenz her zu favorisieren. Politisch instrumentalisierbar ist er aber bestimmt nicht.

Den Wunsch der SPÖ nach einem zweiten Vorstandssessel in der Öbag hat die ÖVP bereits früh abgeschmettert. Hattmannsdorfer verspürt wenig Lust auf lange Abstimmungen mit dem Koalitionspartner. Und er macht keinen Hehl daraus, eine stärkere Rolle spielen zu wollen. Die Distanz zur Politik, die Edith Hlawati etwa mit der Bestellung der irischen Managerin Emma Delaney als Vorstandsvorsitzende der OMV verdeutlichte, wird künftig vermutlich schrumpfen. Der Wirtschaftsminister hat vor allem die Energiekonzerne OMV und Verbund im Fokus, beide sind zentrale Player für die Versorgung in Österreich. Das legt nahe, dass die Öbag auch bei politisch populären Maßnahmen mithelfen soll, damit die Regierung Handlungsfähigkeit in Sachen Teuerung demonstrieren kann – siehe die getätigten Eingriffe in Stromund Spritpreise. Ob die Holding auch zu einem Vehikel zur strategischen Weiterentwicklung des Standortes in Richtung Zukunftstechnologien aufgewertet wird, bleibt indes ungewiss.

Auf absehbare Zeit wird die Öbag dafür gar kein Geld haben, weil sie ihre Dividenden zur Gänze abliefern muss, um das Budgetdesaster abzumildern. Die Idee eines Staatsfonds, der, wenn auch in abgespeckter Form, zur langfristigen Industriestrategie beiträgt und als Investor standortrelevante Investitionen außerhalb des bestehenden, rund 26 Milliarden Euro schweren Portfolios tätigt, wird zwar gerne kommuniziert, lässt sich unter diesen Umständen aber ohnehin nicht realisieren. Für den oder die neue CEO wird es nicht unbedingt einfacher, mutige Entscheidungen gegen parteipolitische Begehrlichkeiten durchzusetzen.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 14. August 2026 erschienen.

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