Länger arbeiten als bis Regelpension lohnt sich – wann es Abschläge gibt

Wer kein Schwerarbeiter oder Invalide ist und vor dem Regelpensionsalter von 65 Jahren in Frühpension geht erhält deutlich weniger Pension. Zudem sinken die Pensionen seit der Reform des Pensionssystems 2014. Wer hingegen länger arbeitet, den erwarten Zuschläge.

Länger arbeiten als bis Regelpension lohnt sich – wann es Abschläge gibt

Wer drei Jahre früher in Pension geht, erhält 15 Prozent weniger Pension.

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Pensionsantrittsalter Ländervergleich

Österreich ist ein Land der Frühpensionisten. „Wir leben im Rentenparadies“, so Pensionsexperte Bernd Marin auf einem Vortrag des Branchenmagazins Fonds Professionell.


90 Prozent der Österreicher gehen vor dem regulären Pensionsalter in Rente
Bernd Marin
Pensionsexperte

Österreicher arbeiten bis 62, Japaner bis 70 und Amerikaner bis 67
Eine Million Menschen in Österreich haben das Regelpensionsalter noch nicht erreicht, beziehen aber bereits Pension. Pensionsexperte Marin: „90 Prozent der Österreicher gehe vor dem regulären Pensionsalter in Rente.“ Zu den fleißigsten im Alter zählen die Österreicher damit nicht. Vielmehr liegt das Land mit einem durchschnittlichen Pensionsantrittsalter von rund 62 deutlich unter dem Schnitt der OECD-Länder, in denen Männer im Schnitt mit 65 ihre Pension antreten.

In Japan denkt mit 60 noch keiner an die Pension. Bis 70 arbeiten dort die Männer, die Frauen bis 66..

Ganz anders ticken die Uhren im Alter dagegen in Japan und den USA. Im Land der aufgehenden Sonne geht der Mann erst mit 70 in die Pension, Frauen mit 68. Auch in Amerika ist Schuften bis ins hohe Alter angesagt. Dort arbeiten Männer bis 67, Frauen bis 66.


So funktionieren Pensionssysteme mit hohem Pensionsantrittsalter

In Europa zählen Finnland und Schweden zu den Ländern in denen die Menschen am längsten Arbeiten.

Schweden: Pensionssystem passt sich automatisch an demografische und ökonomische Entwicklungen an

In Schweden hat man das Recht, bis zum Alter von 67 Jahren weiter zu arbeiten. Theoretisch kann man jedoch noch viel länger arbeiten und in die Rente einzahlen, sofern der Arbeitgeber dem zustimmt. Zudem wird sichergestellt, dass alle sich eine Betriebsrente leisten können. Es gibt steuerliche Anreize für all jene, die länger arbeiten. Für gerechte Scheidungen, was die Pension betrifft, wurden spezielle Regelungen zum Schutz beider Pensionsinteressen getroffen. 2,5 Prozent der Renteneinzahlungen müssen Arbeitnehmer in privaten Fonds Geld ansparen. Wer vor kurz vor Pensionsantritt hohe Verluste im Depot erleidet, hat das Nachsehen. Die Schweden können auch in Teilpension gehen, um gleichzeitig noch Teilzeit zu arbeiten.

Die Pensionshöhe ergibt sich bei Pensionsantritt, indem das angesparte Kapital am Pensionskonto auf die erwartete Pensionsdauer aufgeteilt wird. Wer früher zu arbeiten aufhört, bekommt auch eine niedrigere Auszahlung, weil die erwartete Pensionsdauer steigt und weniger auf das Konto eingezahlt wurde. Pensionsbezüge werden ebenso automatisch gekürzt, wenn sich die konjunkturelle Entwicklung Schwedens verschlechtert. Bei steigender Lebenserwartung sinkt die Pension ebenso. Das bedeutet auch: die Höhe der Pension ist unsicher.

Finnland: Wer länger als gesetzlich vorgeschrieben arbeitet, wird belohnt und kann so mit einigen hundert Euro mehr im Monat rechnen.

Finnland: Pensionszeiten ab 63 sind vier Mal so viel wert

Die Frühpension wurde schon vor Jahren abgeschafft und ein flexibles Pensionsantrittsalter zwischen 63 und 68 Jahren eingeführt. Wer länger arbeitet, bekommt aber deutlich mehr Pension. So sind die Pensionsbeiträge zwischen 63 und 67 Jahren vier Mal so viel wert wie die Zeit davor. Das kann einige hundert Euro pro Monat ausmachen.


Pensionssystem in Österreich - Wer trotz Frühpension eine abschlagsfreie Pension erhält

Wer nach 45 Arbeitsjahren abschlagsfrei in Pension gehen kann

Diese Möglichkeiten vor der Regelpensionsalter in Pension zu gehen, gibt es
- Schwerarbeitspension
- Korridorpension

Wer 45 Erwerbsjahre bzw. 540 Monate erworben hat, kann ohne Abschläge in Pension gehen – und zwar auch dann, wenn man vor dem Regelpensionsalter (Männer 65 Jahre, Frauen 60 Jahre) in Pension geht. Schwerarbeiter können ab 60 Jahren in Pension gehen, wobei bis zu fünf Jahre der Kindererziehungszeit angerechnet werden. Langzeitversicherungspension (Hacklerregelung) wurde mit 2022 abgeschafft. Bisher haben ausschließlich Männer davon profitiert, oft gutverdienende Angestellte und nicht Hackler.
Für Frauen gilt derzeit noch ein Regelpensionsalter von 60 Jahren, ab dem sie abschlagsfrei in Pension gehen können. Für Nachtschwerarbeiter ist das Sonderruhegeld abschlagsfrei.

Frühstarterbonus statt Hacklerregelung seit 2022

Statt der abschlagsfreien Hacklerregelung gilt seit dem 1. Jänner 2022 ein "Frühstarterbonus". Menschen, die zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr gearbeitet haben, sollen monatlich einen Fixbetrag von bis zu 60 Euro zusätzlich zu ihrer Pension erhalten. Die Basis für die Berechnung sind die tatsächlich in dem Alter gearbeiteten Monate.


Frühpension: Abschläge von bis zu 15,3 Prozent

Wer in Österreich weder Schwerarbeiter noch Invalide ist und vor Vollendung der 45 Versicherungsjahre beispielsweise mit 62 Jahren, also drei Jahre vor dem Ende regulären Pensionsantritt, in Rente geht, muss gegenüber der alten Pensionsregelung mit einer schmerzlich geringeren Pension auskommen.

Bei der Korridorpension sind die Einbußen am höchsten

Wer eine Korridorpension in Anspruch nimmt, muss pro Jahr das er früher in Pension geht, einen Abschlag von 5,1 Prozent für je zwölf Monate in dem die Pension früher in Anspruch genommen wird, in Kauf nehmen. Das gilt stets, wenn diese vor dem Erreichen der Regelpension die Rente antreten. Auf diese Weise kann je nach Pensionsantritt, der Rentenanspruch um bis zu 12,6 Prozent vermindern.

Was ist eine Korridorpension?

Diese Form der Frühpension kann frühestens nach der Vollendung des 62. Lebensjahres in Anspruch genommen werden. Der Pensionsantritt ist möglich, wenn zusätzlich die jeweilige Mindestzahl an Versicherungsmonaten vorliegt (480 Versicherungsmonate bzw. 40 Versicherungsjahre). Für Frauen ist die Korridorpension erst ab dem Jahr 2028 relevant, da erst ab dann eine Alterspension ab 62. Lebensjahres möglich ist.

Was nicht als Pensionszeiten gilt

  • Zeiten in denen Krankengeld, Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, nachgekaufte Schul- und Studienzeiten und Zeiten des Bundesheeres oder des Zivildienstes zählen nicht als Pensionsversicherungszeiten
  • Zeiten einer geringfügigen Beschäftigung mit Selbstversicherung zählen nicht für die Pension
  • Es gelten maximal fünf Jahre Kindererziehung für die Pension


Es lohnt sich, länger zu arbeiten
Bernd Marin
Pensionsexperte


Hohe Zuschlag für längeres Arbeiten: Bis zu 12,6 Prozent

Wird die Pension erst nach dem Erreichen des Regelpensionsalters in Anspruch genommen, erhöht sich diese bei Männern bis zur Vollendung des 68. Lebensjahres um 4,2 Prozent für je zwölfte Monate des späteren Pensionsantrittes, maximal also um 12,6 Prozent der Leistung.

Ein Mann, der bis 65 einen Job hat, wird, wie das Marin-Beispiel zeigt, mit einer Rente mit 1.978 Euro belohnt. Würde derselbe in der Arbeit bis 68 durchhalten, würde er nach 51 Versicherungsjahren eine Rente von 2.384 Euro beziehen. „Es lohnt sich länger zu arbeiten“, ergänzt der Experte.


Für alle, die im Juni 1968 geboren sind, schlägt die Pensionsreform bei Frauen voll durch. Sie und alle, die jünger sind, müssen bereits bis 65 arbeiten.

Ab Jahrgang 1968 müssen alle Frauen bis 65 arbeiten

Das neue Regelwerk für die Pension gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Bei Letzteren wird das Pensionsantrittsalter ab 2024 sukzessive um sechs Monate pro Jahr hinaufgesetzt. All jene, die ab dem 1. Juni 1968 geboren sind, müssen dann bis 65 arbeiten. Damit haben die Frauen jedoch auch erstmals die Chance, annähernd so viel Pension zu beziehen wie die Männer, wenn das auch mehr Arbeit bedeutet. „Heute gehen viele Frauen von der Arbeitslosigkeit direkt in die Rente“, kritisiert Marin.

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Pensionen in Österreich werden um ein Drittel sinken
Bernd Rürup
Pensionsexperte


Berechnungsgrundlage für die Pension

Statt der 15 besten Jahre werden Schritt für Schritt bis zum Jahr 2028 die Bemessungsgrundlage für die Pension auf 40 Versicherungsjahre herangezogen. Zudem wird es bei der Höhe der Pensionen, wie in der Vergangenheit, nicht bleiben. Denn durch das neue Pensionssystem werden die künftigen Pensionen in vielen Fällen deutlich geringer ausfallen als bisher.

Der Pensionsexperte Bernd Rürup erwartet durch das neue Pensionssystem für Österreich in Zukunft um ein Drittel weniger Pension. Denn seit 2014 werden nicht mehr die besten 15 Jahre zur Bemessung der Pensionshöhe herangezogen, sondern 40 Jahre. Damit schrumpfen die Pensionsansprüche automatisch. Weitere Informationen zur Berechnung der Pension finden Sie hier.

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