Inflation: warum Preise steigen und alles teurer wird

Im Schatten des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Pandemie steigt die Inflation und die Sorge vor einem weiteren, deutlichen Anstieg der Preise. Eine solche Teuerung und Geldentwertung kann in vielerlei Hinsicht ein Problem werden. Was die Inflationsrate beeinflusst. Wie sie berechnet wird.

Thema: Der Euro
Steigende Inflation lässt den Wert des Geldes schrumpfen. Das macht politsche Gegenmaßnahmen notwendig.

Steigende Inflation lässt den Wert des Geldes schrumpfen. Das macht politsche Gegenmaßnahmen notwendig.

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Was ist Inflation?

Werden Waren, Güter und Dienstleistungen teurer, spricht man von Inflation. Diese auch "Teuerung" genannte Entwicklung führt zwangsläufig dazu, dass die Kaufkraft der Währung sinkt. Die Inflationsrate ist der Maßstab für diese Entwicklung. Sie gibt die prozentuale Entwicklung der Preise eines Preisindex - im Normalfall des Verbraucherpreisindex (VPI) - im Jahresabstand wieder.

Eine Inflationsrate von zwei Prozent bedeutet demnach, dass sich die Waren, die diesen Index bestimmen, gegenüber dem Jahr zuvor um 2 Prozent verteuert haben. Eine solche niedrige Inflationsrate ist ein Zeichen des Wachstums. Sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die US-Notenbank Fed (Federal Reserve) haben daher Inflationsraten von zwei Prozent als für die Wirtschaft gesunde Raten definiert.

Quantitative Easing: Eine der Maßnahmen zur Stimulierung der Inflation

Das 2-Prozent-Ziel konnte nach der Finanz- und Wirtschaftskrise jahrelang nicht erreicht werden. In der Eurozone lag die Inflationsrate von 2007 bis Mitte 2020 zum Teil deutlich unter 2 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zur Stimulierung der Inflation aus diesem Grund als eines von mehreren finanzpolitischen Maßnahmen das Quantitative Easing" (QE) Programm - Deutsch "Quantitative Lockerung eingeführt. Dabei wurden über Anleihenkäufe viele Billionen Euro investiert, um die Inflation im Euroraum anzukurbeln und damit die Wirtschaft in der Eurozone zu stärken. Ähnlich ist man in den USA vorgegangen.

Ob die finanzpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken zielführend waren, darüber schieden sich mit Fortdauer der Maßnahmen die Geister. Fakt ist jedoch, dass die Inflationsraten in den USA und in der Eurozone erst Mitte 2021 angezogen haben. Der auslösende Faktor dafür waren die anziehende globale Nachfrage nach der großteils überstandenen Corona-Pandemie und die gleichzeitig auftretenden Probleme in den internationalen Lieferketten, den Supply-Chains.

Zusätzlich befeuert wurde die Inflation seit Ende Februar 2022 durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Im Juni 2022 erreichte die Inflation in der Eurozone den Rekordwert von 8,7 % - die höchste Rate Europa-Statistikamt Eurostat seit 47 Jahren. In Österreich lag die Teuerungsrate im Juni 2022 laut Statistik Austria gleich hoch wie in der EU - ein Wert den es zuletzt im Jahr 1975 gab.

Inflationsentwicklung seit dem Jahr 2000

Inflationsentwicklung in EU, China und USA 2000 - 2021

Die Inflation entwickelt sich weltweit nicht konstant, sondern auf einzelne Währungen bezogen zeitlich und geographisch unterschiedlich. Aus der Grafik ist der markante Anstieg der Inflation in den USA und in der Eurozone seit 2020 ersichtlich.

Was sind die Folgen von Inflation?

1. Preise steigen.
Im Windschatten einer Teuerung steigen in der Regel die Preise von Eigenheimen, Edelmetallen, Aktien und sonstigen Vermögenswerten. Ob auch ihr realer Wert steigt, hängt davon ab, ob der Vermögenspreisanstieg stärker ist als die Inflationsrate. Der reale Wertzuwachs kann verschiedene Gründe haben - etwa weil die Nachfrage steigt.

2. Konsum und Investitionen werden angekurbelt.
Im Regelfall steigen in einer Volkswirtschaft die Preise langsam und es kommt zu einer schleichenden Geldentwertung. Das ist auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll: Wenn die Preise langsam steigen, animiert das die Menschen zum Konsum und die Wirtschaft zu Investitionen.

3. Spareinlagen verlieren an Wert.
Spareinlagen verlieren hingegen real an Wert, wenn die Inflation höher ist als der Zinsertrag.

4. Die Kaufkraft sinkt.
Ein halber Prozentpunkt mehr Inflation pro Jahr bedeutet über 20 Jahre einen zusätzlichen Kaufkraftverlust von zehn Prozent. Von Anfang 2017 bis Ende 2021 erlitten die Österreicher laut Berechnungen von Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Leiter des Economica Instituts, bei vergleichsweise niedriger jährlicher Inflation einen Kaufkraftverlust von knapp 16 Prozent..

5. Die Löhne sind betroffen.
Der Kaufkraftverlust durch Inflation wird in Normalzeiten durch Lohnverhandlungen in der Regel kompensiert, weil sie ihre Kaufkraft erhalten wollen. In Österreich werden bei den KV-Verhandlungen allerdings die bisherige, nicht die antizipierte Inflationsrate herangezogen. Steigt die Inflation in der Folge unerwartet deutlich, dauert es ein Jahr bis zwei die nächsten Verhandlungen stattfinden.

Tipp: Bei einer steigenden Inflation sollte das Ersparte in Realwerte wie Aktien oder Immobilien investiert werden. Veranlagungen, die dem Nominalwert oder Nennwert entsprechen - Sparbücher oder Anleihen - verlieren hingegen durch die Inflation real stets an Wert.


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Was ist Deflation?

Während eine Inflation die Preissteigerung bezeichnet, bedeutet die Bezeichnung Deflation das Gegenteil: Das Preisniveau eines Landes sinkt. In diesem Fall steigt der Wert des Geldes, der von Sachgütern sinkt. Im Fall einer Deflation ist die Inflationsrate negativ.

Was sind die Folgen von Deflation?

1. Konsum und Investitionen werden gebremst.
Eine anhaltende Deflation ist aus ökonomischer Sicht schlecht, weil dadurch der Konsum und die Investitionstätigkeit eingedämmt und somit die Wirtschaft gebremst wird.

2. Steigender Kostendruck.
Relevanter für die Wirtschaft ist bei einer Deflation jedoch, dass bei sinkenden Preisen nominell fixierte Größen real steigen. So sind etwa die Lohnkontrakte fixiert. Sind Unternehmen mit steigenden Reallöhnen und mit steigenden Kosten konfrontiert, verstärkt das in einem deflationären Umfeld die wirtschaftliche Schieflage. Die Preiserhöhungen können bei einem sinkenden Preisniveau nicht weitergegeben werden.

3. Realzinsen steigen.
Auch die Realzinsen steigen und dämpfen somit die Wirtschaftsentwicklung. Es ist äußerst schwierig, aus dieser Abwärtsspirale wieder herauszukommen.


Was ist Stagflation?

Die Wortschöpfung Stagflation wird dem früheren britischen Finanzminister Iain Macleod und John Overcountry zugeschrieben. Als Stagflation wird in der Ökonomie eine Situation bezeichnet, in der eine Phase höherer Inflation mit einer wirtschaftlichen Stagnation einhergehen - wie das etwa zur Zeit der Ölkrise in den 1970er Jahren in nahezu allen westlichen Volkswirtschaften der Fall war. Die Unternehmen reagierten auf die durch das teure Öl gestiegenen Produktionskosten, indem sie ihre Produktionen drosselten.

Darauf ging das Wirtschaftswachstum zurück, die Arbeitslosigkeit stieg und die Inflation zog ebenfalls weiter an. Die Preise stiegen obwohl die Nachfrage zurückging. Die Notenbanken erhöhten die Zinsen, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Die Konjunktur wurde erst recht abgewürgt und schlitterte zunächst in eine Stagflation und anschließend in eine Rezession.


Was ist Hyperinflation?

Als Hyperinflation wird eine Inflation bezeichnet, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Eine exakte Definition ab wann eine Inflation als Hyperinflation zu bezeichnen ist gibt es nicht, als Faustregel gilt aber eine Inflationsrate von 50 Prozent und mehr.

Wie groß ist die Gefahr, dass es wieder zu einer Hyperinflation, ähnlich der von 1923 kommt ? Sehr gering, für entwickelte Volkswirtschaften eigentlich auszuschließen. Die Politik und auch Ökonomen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Peter Brandner, Ökonom des österreichischen Think Tanks Weis[s]e Wirtschaft

Die Situation von damals: Die Große Inflation in den 1920iger Jahren brachte Inflationsraten von weit über 1.000 Prozent. Damals hat Deutschland die Notenpresse angeworfen und zur Finanzierung seiner Kriegsschulden Geld gedruckt. "Den Grundstein für die Große Inflation legte die deutsche Regierung mit der Entscheidung, den Krieg lieber über Schulden als über Steuererhöhungen zu finanzieren", erklärt Georg von Wallwitz, Autor des Buches " Die große Inflation. Als Deutschland wirklich pleite war" und Gründer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement.

Eine Hyperinflation kann durch solide Geldpolitik vermieden werden. "Erstens, die Notenbank muss in ihren geldpolitischen Handeln von der Politik unabhängig sein, zweitens, die direkte Finanzierung von Staatsschulden durch die Notenbanken muss verboten sein, und drittens, die Geldpolitik muss einem Preisstabilitätsziel verpflichtet sein", erläutert Peter Brandner, Lektor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und Ökonom des österreichischen Think Tanks Weis[s]e Wirtschaft, und beschwichtigt: "In unseren westlichen Demokratien sind diese Rahmenbedingungen für die Geldpolitik längst verwirklicht."


Verbraucherpreisindex und Inflationsberechnung

Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist eine Kennzahl für die Kosten der Preise von für Konsumenten relevanten Produkten. Die Inflationsrate ergibt sich aus der prozentualen Veränderung des Index im 12-Monats-Abstand.

Zur Berechnung der Inflationsrate wird ein repräsentativer Warenkorb herangezogen. Dieser enthält alle Waren, die private Haushalte verbrauchen. Darunter Lebensmittel, Miete oder Freizeitausgaben. In der Regel wird der Warenkorb alle fünf Jahre neu zusammengesetzt und entsprechend dem Verbrauchsanteil gewichtet. In Österreich ist die Statistik Austria für die Berechnung des VPI und der Inflationsrate zuständig. Die Daten für den aktuellen VPI-Index Österreichs finden Sie hier.

Entwicklung und Zusammensetzung des österreichischen Verbraucherpreisindex (VPI)

Verbraucherpreisindex März 2022 vs. März 2021

Die weitaus größten Preistreiber in Österreich sind im Frühjahr 2022 Heizöl, Gas und Treibstoffe.

Harmonisierter Verbraucherpreisindex

Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung der Länder der Eurozone. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in Europa und für die Bewertung der Geldwertstabilität innerhalb der Eurozone.

Die EZB nutzt den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, um die Preisstabilität innerhalb der EU zu beurteilen. Durch den HVPI können Verbraucherpreisindizes zwischen den Ländern methodisch direkt verglichen und aggregiert werden. Ziel ist es, eine qualitative und vergleichbare Messgröße für die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum bereitzustellen. Nationale


Inflation aufgrund von Angebots- und Nachfrageschock

Grundsätzlich steigen die Preise entweder aufgrund einer erhöhten Nachfrage, einer Angebotsverknappung oder wegen steigender Produktionskosten. Stark steigende Preise können durch einen Angebotsschock oder einen Nachfrageschock verursacht werden.

1. Angebotsschock: Zu geringes Angebot treibt die Preise

Die Preise können steigen, selbst wenn die Nachfrage nach bestimmten Güter gleich bleibt, steigt und aber diese Nachfrage nicht befriedigt werden kann, weil sich das Angebot verknappt hat – ein Angebotsschock. Durch die Corona-Pandemie wurden etwa weltweit die Lieferketten gestört und Preissteigerungen verursacht. Ein weiteres Beispiel für einen solchen Angebotsschock sind die Erdölpreiserhöhungen der Jahre 1973 und 1974, die auf eine Verknappung des Rohölangebots durch die OPEC zurückzuführen waren.

Einschneidende Veränderungen des Angebots am Energiesektor - wie auch aufgrund des Kriegs in der Ukraine - sind besonders starke Inflationstreiber sein. Österreich in hohem Maße Erdöl- und Gaslieferungen abhängig. Bei gestörten Handelsbeziehungen oder Lieferengpässen - wie gegenüber Russland - macht sich das auch an den Energiepreisen bemerkbar. Zugleich können Unternehmen, die eine starke Stellung im Markt haben, Preissteigerungen bei Gütern an ihre Kunden weitergeben.

Zusammenhang der Entwicklung von Ölpreis und Inflation

Zusammenhang Ölpreisentwicklung und Inflation: Die Inflation steigt zeitverzögert zum Ölpreis.

Zusammenhang Ölpreisentwicklung und Inflation: Die Inflation steigt zeitverzögert zum Ölpreis.

Energiepreise sind ein wesentlicher Faktor für die Produktions- und Transportkosten der Wirtschaft. Starke Preiserhöhungen ziehen daher eine höhere Inflation nach sich.

2. Nachfrageschock: Wenn die Nachfrage plötzlich stark steigt

Die Preise steigen auch, wenn die Nachfrage nach bestimmten Gütern steigt, Kann die Nachfrage nicht mehr nicht mehr befriedigt werden spricht man von einem Nachfrageschock. Vor allem in Hochkonjunkturphasen zeichnen sich solche Entwicklungen ab.

Auch hier ist die Corona-Pandemie wieder ein Auslöser. Es kommt zu einem Nachfrageschock, wenn die Konsumwünsche eine Zeit lang nicht befriedigt werden können und danach Nachholeffekte eintreten. Die Pandemie ist ein klassisches Szenario dafür. Schätzungen zufolge gab es im Frühjahr 2022 in den USA einen Sparüberhang von zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes, etwa halb so hoch in Deutschland und in Österreich. In dem Maße wie die Corona-Pandemie in den kommenden Jahren überwunden wird, dürfte sich zumindest ein Teil dieses erhöhten Sparvolumens in zusätzlicher Nachfrage entladen und somit den Inflationsdruck aufrechterhalten.

3. Energiewende: CO2-Bepreisung

IV-Chefökonom Helmenstein erwartet auch eine Preissteigerung aufgrund der CO2-Bepreisung, die in Österreich mit Juli 2022 beginnt. Er rechnet dabei mit einem längerfristigen Effekt. Helmenstein: "Die CO2-Bepreisung wird sich inflationstreibend bei einer Kette von Produktpreisen – von Stahl bis zu Beton und anderen Materialien – niederschlagen."


Folgen starker Inflation

1. Höhere Löhne können Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen

Steigende Preise können Arbeitnehmer dazu veranlassen, Druck auf Arbeitnehmer auszuüben, höhere Löhne zu zahlen. Ob und wie hoch die Forderungen sind und ob sie durchsetzbar sind, hängt von der Situation am Arbeitsmarkt und der Verhandlungsmacht der Gewerkschaften ab, Forderungen durchzusetzen.

"Solange sich die Tarifpartner an der Produktivität orientieren und die Lohnsteigerungen niedriger als die Preisinflation bleiben, kommt es zu keiner Lohn-Preis-Spirale", beschwichtigt jedoch der Ökonom Peter Brandner. Steigen beispielsweise die Löhne in der Industrie um fünf Prozent, die Inflation liegt aber bei über sieben Prozent, erleiden diese nach wie vor einen realen Kaufkraftverlust. Die Gewerkschaften orientieren sich in Österreich bei ihren Forderungen bei den Lohnverhandlungen an der vergangenen Inflation, die sie abgegolten haben wollen und weniger an den Inflationserwartungen. Dadurch hinkt die Lohnentwicklung der Arbeiternehmer hinterher.

Ob für Unternehmen steigende Löhne ein Problem darstellen, hängt von ihren Möglichkeiten ab, ihre höheren Kosten durch höheren Preise abgegolten zu bekommen. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum sollten in der Regel auch die Preise entsprechend angehoben werden können. "Im Frühjahr 2022 war der Lohnanstieg in Europa trotz steigender Inflation noch moderat", meint denn Helge Peterson, Chefökonom der Investmentgesellschaft Nordea.

IV-Chefökonom Christian Helmenstein

IV-Chefökonom Christian Helmenstein: In den nächsten zwölf Jahren fehlen in Österreich 550.000 Facharbeitskräfte

Längerfristige Auswirkung auf das Lohnniveau könnte jedoch der Fachkräftemangel haben. Wie weit dieser auf die Löhne durchschlägt, hängt von der Arbeitsmarktsituation ab. Wenn beispielsweise gleichzeitig große Arbeitslosigkeit herrscht, werden Gewerkschaften höhere Löhne dennoch nicht durchsetzen können. Im Augenblick gibt es aber auch von dieser Seite keine Anzeichen, das sich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen würde. Der Druck dürfte jedoch steigen: IV-Ökonom Helmenstein schätzt den Bedarf an Facharbeitern in den nächsten zwölf Jahren in Österreich auf 550.000 ein. Ein Ausweg: Um den Arbeitskräftemangel zu beheben, wäre es nach Ansicht von Experten nötig, eine gezielte Migration zu fördern, um qualifizierte ausländische Arbeitskräfte rasch und effizient zu integrieren.

2. Unternehmen können leichter Preise erhöhen

Eine Teuerung hat aus ökonomischer Sicht auch verschiedene Vorteile. So wird es in einer Wirtschaft etwa einfacher, die relativen Preise zu ändern. In einem Umfeld generell steigender Preise ist es leichter, Preise unterschiedlich stark steigen zu lassen, als tatsächlich einige Preises senken zu müssen.

In der Regel werden Preise nicht sofort geändert und den aktuellen Marktgegebenheiten angepasst - etwa weil es auch Kosten verursacht, Preise zu ändern, wie neue Prospekte drucken, die Verkaufspreise für eine bestimmte Periode bereits kalkuliert sind und auch die Löhne nur in einem bestimmten Rahmen und Zeit veränderbar sind. Preise sind damit nicht vollständig flexibel, sondern träge. Aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen können in einem inflationären Umfeld Preise leichter angehoben werden.

3. Starke Inflation muss für Unternehmen nicht kritisch sein

Es kommt nicht auf die Höhe der Inflation an, sondern ob eine höhere Inflationserwartungen nicht nur temporär ist, sondern der Anstieg dauerhaft ist oder ein solcher Anstieg dauerhaft erwartet wird und sich deshalb die Lohn-Preis-Spirale schneller dreht.


Lösungswege bei Angebots- und Nachfrageschocks

Allerdings befindet sich die Fiskal- und Geldpolitik durch das Ende der Pandemie, die einen Nachfrageschub auslöste, und durch den Ukraine-Krieg, der nach der noch immer nicht vollständig beseitigten Lieferkettenproblematik einen weiteren Angebotsschock verursachte, in einem Dilemma. "Eine durch Angebotsschocks verursachte Situation, wie sie seit dem Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise herrscht, ist schwierig durch Geldpolitik zu lösen, weil Geldpolitik nur Nachfrage steuern kann", erläutert Ökonom Brandner.

Sind die höheren Preise vor allem durch die höhere Nachfrage bedingt, wie nach der ökonomischen Erholungsphase aufgrund der Pandemie in den, USA ist es für die Notenbank leichter, die Zinsen zu erhöhen und so einen dämpfenden Effekt auf Preise und, überhitzter Konjunktur zu erzielen.

In Europa handelt es sich dagegen - durch die hohe Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl von Russland - stärker um eine energiepreisgetriebene Inflation und nicht so sehr um eine von der Nachfrage getriebene und ist von der Ausgangslage ähnlicher der Situation wie während des Ölpreisschocks in den 1970er-Jahren. In diesem Fall hätten stärkere Zinserhöhungen in der Eurozone einen negativen Effekt und würden die Konjunktur abwürgen. Bei einem reinen Nachfrageschock kann die Notenbank dagegen geldpolitisch nichts falsch machen, um das Wachstum zu stabilisieren.

Möglicher Ausweg aus der Inflationsdynamik: Es wird notwendig sein, dass die Nachfrage sinkt und damit auch das Wachstum, um den Preisanstieg zu dämpfen. Staatliche Hilfen sollten daher nur begrenzt für besonders betroffene Bürger zur Verfügung gestellt werden, um den Preisanstieg für diese sozialpolitisch abzufedern. Breit angelegte staatliche Unterstützungsmaßnahmen auch für Bevölkerungsschichten, für die Preissteigerungen zwar nicht erfreulich, aber nicht existenziell gefährdend sind, prolongieren dagegen den Preisanstieg..


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