Rezession: Wenn das Wirtschaftswachstum ausbleibt

Der Abschwung einer Volkswirtschaft kann die Wirtschaft schwer beeinträchtigen und zu einer Rezession führen. Die Indikatoren und Folgen einer Rezession und wie die Politik und die Zentralbanken im Falle eines anhaltenden konjunkturellen Abschwungs gegensteuern können.

Thema: Der Euro
Gefährliches Szenario Rezession: Technisch gesehen liegt eine Rezession bereits vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst.

Liegt das BIP zwei Quartale hintereinander unter dem des Vorjahreswertes spricht man in Europa per Definition von einer Rezession.

ARTIKEL-INHALT


Der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman notierte in seinem Buch "Money Unfug. Episoden in der Geldgeschichte"


Die große Inflation von 1972 bis in die frühen 1980 Jahre und die darauffolgende Rezession zerstörte viele Unternehmen und brachte unzählige Menschen um ihre Existenz.

Eine beunruhigende Vorstellung. Besonders in einer Phase, in der die Inflation stark anzieht, Preissteigerungen auf allen Geldbörsen lasten und die Bundesregierung milliardenschweres Anti-Teuerungspaket schnürt. Eine Phase, in der selbst die konservative Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ändert und versucht gegenzusteuern, um die Teuerung einzudämmen und eine Rezession zu vermeiden.

Pessimisten sehen dennoch schon ein ähnliches Szenario wie in den 1970er Jahren am Himmel, als die Weltwirtschaft ausgelöst durch die Ölkrise gewaltig ins Straucheln kam.


Was ist eine Rezession?

Doch was ist eine Rezession und warum ist sie so gefährlich?

Der am meisten verbreiteten Definition zufolge liegt eine Rezession dann vor, wenn die Wirtschaft saisonbereinigt zwei Quartale hintereinander gegenüber den Vorquartalen nicht wächst oder schrumpft, also das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt. Das BIP gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die während eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte hergestellt werden, nach Abzug aller Vorleistungen (z.B. importierte Teilfertigprodukte).

Das Bruttoinlandsprodukt ist somit der wichtigste makroökonomische Indikator, um die wirtschaftliche Leistung eines Landes zu messen. Das BIP wird in den einzelnen Staaten regelmäßig ermittelt und veröffentlicht. In Österreich wird das BIP von der Statistik Austria errechnet.

BIP-Entwicklung nominell und real

Zuletzt gab 2020 eine Wachstumsdelle während der Pandemie und danach ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich wieder angezogen. Davor gab es 2009 in der Finanzkrise einen Rückgang. Quelle: Wifo, Grafik: OeNB.

Eine Rezession ist somit eine Folge eines gesamtwirtschaftlichen Abschwungs. Und die Folgen dieses Abschwungs können vielseitig sein: Bei Unternehmen sinkt die Produktion und es kommt zu einem Anstieg der Konkurse. Die Arbeitslosigkeit steigt und Löhne stagnieren. Entlassungen führen in dieser Phase oft in die Langzeitarbeitslosigkeit und den sozialen Abstieg. Ärmere Bevölkerungsschichten sind mehrheitlich die Verlierer und leiden am schwersten.

Klassische Merkmale einer Rezession im Überblick:

  • Rückgang der Nachfrage
  • überfüllte Lager
  • Entlassung von Arbeitskräften
  • ausbleibende Investitionen
  • teilweise Stilllegung von Produktionsanlagen
  • stagnierende oder sinkende Preise, Löhne, Zinssenkungen
  • fallende Börsenkurse


Mögliche Ursachen für eine Rezession

Doch welche Faktoren können eine Rezession hervorrufen? Und wie groß sind die Risiken durch Angebots- und Nachfrageschocks auf Ökonomien tatsächlich? Und welche Lehren haben Staaten und Notenbanken aus vergangenen wirtschaftlichen Verwerfungen bereits gezogen?

Ökonom Stefan Schiman vom Wifo.

Stefan Schiman, Senior Economist Wifo.

Eine Rezession ist im Grunde Teil eines natürlichen wirtschaftlichen Zyklus (siehe Grafik) und auch nicht immer vermeidbar. Wegen der negativen Implikationen, die eine Rezession mit sich bringt, gilt es jedoch diese so kurz wie möglich zu halten und ökonomischen Schaden so gut wie möglich einzudämmen. Staatliche Stabilisierungspolitik ist gefordert.

Es gibt verschiedene Gründe, die zu einer Rezession führen können. "Zu den größten Risiken für die Wirtschaft zählen externe Schocks, beispielsweise wenn es zu Lieferstopps von Erdgas und Erdöl von Russland wegen des Ukraine-Krieges kommt. Das hätte eine disruptive Wirkung", warnt Senior Economist Stefan Schiman vom Wifo-Institut.

Konjunkturphasen der Wirtschaft

Die Konjunktur verläuft in Phasen.

Einer Phase des Aufschwungs und der Hochkonjunktur folgt eine Abkühlung, der je nachdem wie lange dieser dauert auch in einer Rezession münden kann.

  • Es kann ein schleichender Prozess sein, dessen Vorboten einer Rezession sich über mehrere Monate ankündigen und sich nach dem Höhepunkt eines konjunkturellen Wachstums eine Verlangsamung des Konjunkturzyklus einstellt, verursacht durch einen längeren Rückgang der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.
  • Häufig überraschen Rezessionen aber die Menschen, da eine solche vielfach durch einen externen Schock ausgelöst wird, wie der plötzliche Anstieg des Ölpreises..
  • Auch ein Krieg wie der Ukraine-Krieg kann einen negativen externen Schock auf die Wirtschaft auslösen.
  • Wirtschaftskrisen werden häufig durch Finanzkrisen ausgelöst, so beispielsweise 2008/2009, als eine Finanzkrise eine große Rezession verursachte.

Seit 1960 gab es in den G7-Staaten insgesamt 45 Rezessionen. Das Researchhaus Capital Economics hat die wahrscheinlichen Auslöser dafür aufgelistet, die exakten Gründe lassen sich jedoch schwer eruieren.

  • Zu starke Zinserhöhungen, um die steigende Inflation einzudämmen, würgen die ganze Wirtschaft ab.
  • Eine rasche und starke Aufwertung der betreffenden Währung lässt die Exporte einbrechen.
  • Ein schockartig ansteigender Ölpreis führt zu Inflation und einem Konsumeinbruch.
  • Immobilienmärkte, die eine Preisblase bilden. Ein plötzlicher Preisverfall kann dann bereits eine Rezession auslösen.
  • Banken, die zu leichtfertig Kredite vergeben und eine Schuldenkrise bei Unternehmen oder Privatpersonen auslösen.
  • Handelseinschränkungen, die die Außennachfrage stark einbrechen lassen.


7 Frühindikatoren für eine Rezession

Die frühzeitige Kenntnis des Konjunkturverlaufes, – speziell der Konjunkturwendepunkte, – ist eine wichtige Grundlage für wirtschaftspolitische und unternehmerische Entscheidungen. Die Einschätzungen der Experten über die konjunkturelle Entwicklung fußen dabei auf zwei Strängen: Wie schätzen Unternehmen ihre aktuelle Situation ein und was glauben sie, wie sich ihre Geschäfte in sechs Monaten entwickeln werden. Auch bei den Verbrauchern werden die aktuelle Stimmung und deren Erwartungen durch Umfragen erhoben. So sehen Analysten einen deutlichen Indikator für eine nahende Rezession, wenn sich die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern merklich eintrübt. Zur zeitnahen Bestimmung der Entwicklung werden dazu verschiedene konjunkturelle Frühindikatoren herangezogen.

1. Ifo-Geschäftsklimaindex und Wifo-Konjunkturtest als Wegweiser

Der Geschäftsklimaindex des Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut (Ifo) ist ein viel beachteter Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland, "und da die österreichische mit der deutschen Wirtschaft eng verzahnt ist, auch für Österreich ein wichtiger Vorlaufindikator", argumentiert Wifo-Experte Schiman.

Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex 2018-2022

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist eingeknickt.

Die Umfragen unter deutschen Unternehmen, deren Ergebnisse sich im deutschen Geschäftsklimaindex des Wirtschaftsforschungsinstitutes ifo finden, hat auch für Österreichs Konjunkturentwicklung große Bedeutung.

Für den ifo-Geschäftsklimaindex werden rund 9.000 deutsche Unternehmen befragt, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage und die Perspektiven für die kommenden sechs Monate einschätzen. Der dazu erstellte Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt damit gut an, ob in Deutschland in nächster Zeit mit einem wirtschaftlichen Aufschwung zu rechnen ist oder beispielsweise mit einem Abflauen der Konjunktur.

ifo Konjunkturuhr

Daran lässt sich ablesen in welcher Phase der Konjunktur die Wirtschaft ist.

Die deutschen Wirtschaftsforscher unterteilen die Ergebnisse ihrer Umfragen über die Geschäftslage der Unternehmen und ihre Erwartungen in vier Phasen: Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Sind die Urteile per saldo schlecht, also im Minus, befindet sich die Konjunktur in einer Rezession (Quadrant links unten). Verbessert sich die Geschäftslage, ist sie aber insgesamt noch schlecht, befindet sie sich in der Phase „Aufschwung“. Werden sowohl Geschäftslage als auch die Erwartungen der Geschäftsentwicklung als gut eingeschätzt, gibt des also ein Plus, herrscht ein „Boom“ (Quadrant rechts oben). Verschlechtern sich die Aussichten bei noch guter Geschäften, hat der Abschwung eingesetzt (Quadrant rechts unten). Die Erwartungen laufen laut ifo exakt sechs Monate bei einem insgesamt zweijährigen Konjunkturzyklus voraus.

In Österreich wird auch auf den sogenannten Konjunkturtest des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo geachtet, der jeweils zu Monatsende publiziert wird. An dieser dafür nötigen Befragung nehmen pro Monat rund 1.700 Unternehmen mit mehr als 200.000 Beschäftigten teil.

2. Produktionsdaten als Indikatoren

Um zu erkennen, ob sich eine Rezession abzeichnet, achten Ökonomen auch auf die Auftragslage in der Industrie . Für Österreich gibt die Statistik Austria monatlich einen Produktionsindex heraus, wenn die Daten auch stets um drei Monate zeitverzögert geliefert werden.

"Die Zeitspanne bis die Daten eintreffen ist aber nicht so sehr ein Problem. Es ist auch so erkennbar, ob sich beispielsweise ein externer Schock massiv auf die Wirtschaft auswirkt. Im Fall der Ukraine war das bisher nicht der Fall", urteilt Wifo-Analyse-Experte Schiman. So war selbst Anfang Juni 2022 trotz Ukraine-Kriegs keinen Rückgang in der österreichischen Produktion erkennbar. Auch in den USA vermelden die Unternehmen insgesamt keinen Rückgang in der Produktion. Gibt es einen solchen, ist das ein Warnsignal für die Ökonomen.

Produktivitätsvergleich EU-Staaten

Die Produktion ist im EU-Schnitt auch 2022 bisher gleich als vor dem Ukraine-Krieg.

Die hellblaue Linie "AT" steht für die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes in Österreich. In Deutschland, einem der größten Krisenverlierer in der EU, kommt es hingegen besonders in der Autobranche und der Chemie zu sinkender Produktion (hellblaue Linie "DE"). Im Schnitt halten sich die 27-EU-Mitgliedsstaten in der EU bei der Produktion ihrer Güter aber trotz Widrigkeiten gut. Im Gegensatz zur Corona-Krise, die im Jahr 2020 einen massiven Einschnitt verursachte. Quelle: Eurostat.

3. Risikofaktor Arbeitslosigkeit

In welche Richtung sich die Wirtschaft in nächster Zeit entwickeln dürfte, lässt sich auch an den Arbeitsmarktdaten erkennen. Die Daten über Arbeitslosenzahlen und Beschäftigungsdaten geben die aktuelle Entwicklung relativ zeitnah, das bedeutet rascher als etwa Produktionsdaten. Ein Abschwung führt generell zu steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Beschäftigung.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der EU 2008-2022

Die Arbeitslosigkeit in Europa ist sehr niedrig.

2022 sinkt die Arbeitslosenquote in der EU wiederholt in den vergangenen Jahren, wenn es auch regional starke Unterschiede gibt. So liegt diese in Österreich im Mai 2022 bei niedrigen 4,4 Prozent, in Spanien und Griechenland liegt die Quote mit rund 23 Prozent am höchsten. Der EU-Schnitt beträgt 6,2 Prozent. Quelle: Eurostat.

4. Rezessionsgefahr hängt davon ab, was sie auslöst

Ob bei einer Abschwächung der Wirtschaft Gefahr droht, in eine Rezession abzugleiten, hängt stark davon ab, ob der Konjunkturrückgang in erster Linie von einem Angebot- oder Nachfrageschock ausgelöst wurde. Dabei spielt die Inflationsentwicklung eine wichtige Rolle: Steigt beispielsweise die Teuerungsrate bei zu hoher Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, kann die Notenbank mit Zinserhöhungen die Nachfrage einfach dämpfen und so stabilisierend auf die Wirtschaft einwirken.

Droht sich die Wirtschaft bei steigenden Preisen wegen zu geringen Angebots wegen zu geringen Angebots an Gütern abzuschwächen und in eine Stagflation abzugleiten, ist die Gefahr einer Rezession größer, denn die Notenbank ist gegen Engpässe bei Waren mit Geldpolitik machtlos. Die Fiskalpolitik kann zwar beispielsweise mit konkreten Zuschüssen für die Bevölkerung und Steuererleichterungen die hohe Teuerung lindern, aber letztlich müssen Angebot und Nachfrage wieder annähernd in Gleichklang kommen, damit die Wirtschaft wieder wachsen kann.

Pendelt das Inflationswachstum um zwei Prozent, hält sich das Risiko jedoch noch in Grenzen. "Solange die gestiegenen Rohstoffpreise nicht auf die Gesamtinflationserwartungen durchschlagen, besteht kein dringender Handlungsbedarf", so der Wifo-Ökonom. Die Inflationserwartungen ist nach Prognosen der EZB (siehe Grafik) bereits für 2023 wieder deutlich niedriger. Und es kündigt sich auch keine Stagflation oder Rezession an.

Entwicklung der Verbraucherpreise in der EU

Die Inflation soll sich 2023 wieder normalisieren, so die EZB-Prognose.

Die Inflationserwartungen sollen sich laut Einschätzungen der europäischen Notenbank EZB 2023 auf zwei Prozent einpendeln. Nach ersten Zinsschritten 2022 wären damit trotz aktuell hoher Teuerung größere Zinsschritte 2023 nicht zu erwarten. Daten: HVPI-Index, der Verbraucherpreisindex der Eurozone. Quelle:EZB

5. Entwicklung der Zinskurve

Auch eine inverse Zinsstrukturkurve, wie sie kurzzeitig in den USA im April 2022 zu beobachten war, könnte ein Anzeichen für einen Konjunkturabschwung sein. Eine solche a-typische Zinskurve ist gekennzeichnet durch niedrige Zinsen für langjährige Anleihen und höhere Zinsen für kurzfristige Anleihen. Vor allem der Spread zwischen den 2- und den 10-jährigen US-Anleihen wird am Markt genau beobachtet.

Eine inverse Zinskurve hat in den vergangenen Jahrzehnten zuverlässig eine wirtschaftliche Rezession signalisiert , die zwischen sechs und 24 Monaten nach dem Signal eingetroffen ist (siehe Grafik).

Historische Entwicklung des Spread zwischen 2- und den 10-jährigen US-Anleihen

Noch ist die Zinskurve 2022 nicht invers.

Im Frühjahr 2022 schrammte die Zinskurve knapp an einer gefährlich inversen Zinskurve vorbei. Die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen sind jedoch stark angezogen, weil der Markt eine Reihe von Zinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank erwartet - als Maßnahme gegen die steigende Inflation. Die Zinsen langfristiger Staatsanleihen stiegen in diesem Umfeld wesentlich langsamer und die Zinskurve flacht ab, da der Markt langfristig mit mehr Gegenwind für die Wirtschaft rechnet.

Eine solche Entwicklung ist ein Signal dafür, dass die Marktteilnehmer negative Konjunkturerwartungen hegen. Die straffere Geldpolitik dämpft die Wirtschaftsentwicklung und es kann zu einer Rezession kommen. Mit dazu bei trägt in einem solchen Umfeld auch die sinkende Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben, da durch Zinserhöhungen die Kosten für Kredite steigen.

6. Risiko Lohn-Preis-Spirale

Ein Risiko für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bergen Löhne, die stärker steigen als die Inflationsrate. Generell wirkt einen steigende Löhne wesentlich stärker auf die gesamtwirtschaftliche Dynamik als viele andere Faktoren. Können diese doch einen Teufelskreisauslösen und eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen.

In einem solchen Szenario schaukeln sich Preise und Löhne immer weiter hoch, die Firmen machen weniger Gewinne. Sind die höheren Preise nicht mehr am Markt durchsetzbar, können Unternehmen letztlich gezwungen sein Leute zu entlassen. Steigende Kosten verfestigen sich und die Rückführung der Inflation dauert laut Experten durch steigende Löhne im Schnitt um zwei Jahre länger. "Es ist für die Notenbank schwierig, eine hohe Inflation zurückzuführen, ohne die Wirtschaft dabei abzuwürgen", bemerkt Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland.

7. Börsencrash als Warnsignal

Obwohl ein Absturz der Börsen selbst keine Rezession verursachte, signalisiert ein Crash, dass eine bevorstehen kann. Aktien sind schließlich Eigentumsanteile von Unternehmen. Infolgedessen spiegelt der Aktienmarkt das Vertrauen der Anleger in die zukünftigen Erträge der Unternehmen wider. Die Unternehmensgewinne hängen wiederum von der Gesundheit der Wirtschaft ab. Damit ist die Entwicklung des Aktienmarktes auch ein Indikator für die Wirtschaft selbst. Ein Zusammenbruch signalisiert einen massiven Vertrauensverlust in die Wirtschaft.


Die Folgen einer Rezession

Eine anhaltende Rezession kann das Wirtschaftsgefüge massiv beeinträchtigen und vielfältige negative Folgen nach sich ziehen. Die schlechte Stimmung und der damit verbundene negative Ausblick dämpfen die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Das wiederum drückt die Wertpapierkurse an den Börsen und löst somit finanzielle Verluste bei den Anlegern aus. Zinsen bleiben niedrig und Löhne stagnieren oder bleiben zumindest deutlich hinter der Entwicklung der Inflation zurück, was die Kaufkraft schmälert.

Fatal ist es, wenn sich daraus eine negative Spirale entwickelt, denn die sinkende Nachfrage drückt auf die Produktivität, was wiederum die Rentabilität von Unternehmen beeinträchtigt. Unternehmen müssen mit arbeitspolitischen Maßnahmen gegensteuern, Überstunden und Urlaube abbauen, gegebenenfalls Mitarbeiter abbauen oder Kurzarbeit anordnen. Auch die Zahl der Insolvenzen und Geschäftsaufgaben nimmt im Zuge einer Rezession zu.

Preise für Vermögenswerte sinken

Bei einer anhaltenden Rezession sinken die Preise für Vermögenswerte wie Immobilien , da sie Arbeitslosigkeit steigt, die Einkommen sinken oder stagnieren und sich die Menschen insgesamt weniger leisten können.

Zinssenkungen entlasten Schuldner

Ist die Rezession da, senken die betroffenen Zentralbanken tendenziell die Zinsen. Das bedeutet, dass Banken Kredite zu günstigeren Zinssätzen vergeben als zuvor. Die niedrigeren Zinsen sollen ein Anreiz sein, Kredite aufzunehmen oder bestehende Kredite leichter zurückzuzahlen. Günstige Finanzierungskonditionen führen zu höheren Investitionen. Ebenfalls bei niedrigen Zinsen werden die Menschen tendenziell ihr Geld nicht am Sparbuch anlegen, sondern mehr konsumieren.

In Europa sind in der aktuellen Situation Zinssenkungen jedoch keine Option, weil die Europäische Zentralbank den Leitzins bereits zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise auf null gesetzt hat.

Der Goldpreis steigt tendenziell

Mehren sich die Zeichen für einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung und tritt dieser ein, flüchten Anleger in Edelmetalle. Wie sich der Goldpreis in einer Rezession entwickelt, hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab. Die Entwicklung des Euro/Dollar-Kurses hat etwa ebenfalls einen großen Einfluss auf den Goldpreis. Bei einem schwachen Euro, etwa weil das Wirtschaftswachstum sinkt, wird Gold im Euroraum teurer.

Entwicklung des Goldpreises

Goldpreis.de - Aktuelle Preise und Kurse

Quelle: www.goldpreis.de


Rezession, Staatsschulden und Depression

Ein Risiko kann auch eine hohe Staatsverschuldung darstellen, wenn die Wirtschaft an Schwung verliert, denn "je höher die Verschuldung, umso stärker reagieren die Länder auf Zinsänderungen", warnt Wifo-Ökonom Schiman. So sind mehrere Länder in der südlichen Hemisphäre der Eurozone hoch verschuldet.

Staatsschuldenquote der EU-Länder

Die Staatsschulden halten sich im EU-Schnitt in Grenzen. Nur einzelne südliche Länder sind hoch verschuldet.

Griechenland ist auch Ende 2021 nach wie vor Schuldenkaiser in Europa (Staatsverschuldung in Relation zum BIP), gefolgt von Italien und Portugal. In der Eurozone ist die staatliche Verschuldung im Schnitt mit 93 Prozent in Relation zum BIP nicht einmal so hoch wie in Griechenland. In Österreich liegt die Verschuldung bei knapp 83 Prozent, in Deutschland bei fast 70 Prozent und damit nicht überbordend.

Eine Schuldenkrise wie 2010 fürchten Experten dennoch nicht. Schiman: "Notenbanken und Regierungen haben aus vergangenen Krisen gelernt und sind mit anderen Instrumenten als früher in der Lage die Situation in den Griff zu bekommen." Damals war die Möglichkeit unkonventioneller Geldmaßnahmen, wie der Kauf von Staatsanleihen durch Notenbanken, um die Liquidität zu stärken, im Gegensatz zu noch kein fixer Bestandteil des Instrumentariums der Notenbank.. Alleine der Umstand, dass diese Möglichkeit nun besteht, verhindert den massiven Absturz der Börsen und hat generell eine präventive Wirkung."

Verstärkt sich der Abschwung oder kommt es zu einer anhaltenden tiefen Rezession, also von sechs, sieben Prozent minus, spricht man von einer Depression. Charakteristisch dafür sind stark überfüllte Lager, Massenentlassungen, Verarmung, stagnierende Löhne und sinkende Aktienkurse. Es droht im Extremfall der Staatsbankrott. Die Liquidität versiegt, die Staaten können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Ländern, die stark von Rohstoffen abhängen, werden beispielsweise in einer Rezession oder Depression hart getroffen, wenn die Preise dafür stark zurückgehen. Hohe Staatsverschuldung verkleinern den Handlungsspielraum, um aus der Krise zu steuern. Klassisches Beispiel die Depression 1929. Das zweitgrößte Rückgang war die Finanzkrise 2008/2009.

Mittel zur Verhinderung einer Rezession

  • Geldpolitik: Zinssenkung - damit werden Finanzierungskosten günstiger.
  • Fiskalpolitik: Ausgabenerhöhung und/oder Steuersenkungen (zur Steigerung der Kaufkraft der privaten Haushalte). Kehrseite dieser Politik ist eine höhere Staatsverschuldung.
  • Außenwirtschaftspolitik: Abbau von Importhemmnissen (etwa durch Zölle) und Exportförderung.


Take Aways
  • Eine Rezession kann auftreten als als schleichender Prozess dessen Vorboten einer Rezession sich über mehrere Monate ankündigen
  • oder ausgelöst werden durch einen externen Schock, wie durch einen plötzlichen Anstieg des Ölpreises.
  • Seit 1960 gab es in den G7-Staaten 45 Rezessionen.
  • Zu starke Zinserhöhungen um die steigende Inflation einzudämmen würgen die Wirtschaft ab.
  • Ein schockartig steigender Ölpreis führt zu Inflation und einem Konsumeinbruch.
  • Ein kleiner Preisverfall auf einem aufgeblähten Immobilienmarkt kann eine Rezession auslösen.
  • Die leichtfertige Kreditvergabe von Banken kann bei einer schlechteren Bonität eine Schuldenkrise bei Unternehmen oder Privatpersonen auslösen.
  • Sanktionen oder andere Handelseinschränkungen können die Außennachfrage stark einbrechen lassen.
Das Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Von hier aus wird die Geldpolitik der Eurozone gesteuert.

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